Immer noch große Margen

Warum sich der BPO-Markt verändert

08.02.2012, von Katharina Grimme

Anbieter wie HP, Accenture oder IBM bauen den BPO-Bereich teils aggressiv aus. Vor allem Cloud Computing ermöglicht ihnen die Abkehr vom traditionellen BPO-Geschäft, erläutert Katharina Grimme von PAC in ihrer Kolumne.

Katharina Grimme ist Principal Consultant Outsourcing & BPO Markets im Analysten- und Berater-Team von PAC.Vergrößern
Katharina Grimme ist Principal Consultant Outsourcing & BPO Markets im Analysten- und Berater-Team von PAC.
Foto: PAC

Die Auslagerung von IT Dienstleistungen wie auch zunehmend Geschäftsprozessen hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Insbesondere im Business Process Outsourcing (BPO) stand dies stark im Zusammenhang mit der Nutzung von Niedriglohnstandorten, wie Indien oder Rumänien. Diese Länder haben ihre Arbeitsmärkte wettbewerbsfähig gemacht und so auch ihren Wohlstand steigern können.

Interessant ist vor allem die Expertise, die in diesen rasant wachsenden Märkten aufgebaut wurde. Es sind - gerade im Fall von Indien - längst nicht mehr "nur" Billiglohnländer, sondern Länder die über wichtiges Fachwissen verfügen. Dies bedeutet aber auch, dass die Lohnkosten in den sogenannten Near- und Offshore-Standorten rasant ansteigen.

BPO- und auch IT-Dienstleister kalkulieren die Entwicklung der Lohnsteigerungen in diesem Segment heute schon mit ein. Der Fokus verschiebt sich von Kostenoptimierungen immer stärker in Richtung Prozessoptimierungen. So werden die manuellen Teile der Arbeit durch Automatisierung und Workflow-Technologien so weit wie möglich reduziert. Das heisst auch, dass die Prozesse damit weitgehend technologisiert werden.

Fokus auf Transformation und Best-Practice-Prozessen

Der traditionelle BPO-Markt bewegt sich weg vom 'lift and shift' hin zu einem stärkeren Fokus auf Transformation, zu Best-Practice-Prozessen, die so strukturiert sind, dass sie mehr als nur eine Verbesserung der Kostenstruktur bringen. Sie bringen den Unternehmen insbesondere mehr Flexibilität und eine höhere Agilität. Damit können diese zum Beispiel neue Produkte schneller auf den Markt bringen, in kürzerer Zeit in neue Märkte vorstossen oder eine höhere Kundenzufriedenheit erreichen.

Jochen Witte - 09.02.2012 13:56
Hier findet unter dem Label „Business Platforms“ ein regelrechter Rollentausch statt. Wo bisher ein Unternehmen einen Prozess etablierte und dann einen Provider suchte, der ihn im Rahmen eines BPO übernimmt, dreht sich das Prinzip jetzt um: Der Provider baut einen kompletten Prozess auf und sucht dann Kunden, die diesen Prozess übernehmen. Das funktioniert prächtig in allen Prozessen des Mengengeschäftes, zumal hier die im Thema Outsourcing oft gestellte Frage eines möglichen Verlustes des USP gar nicht entsteht: Rechnungslauf ist Rechnungslauf, Gehaltsabrechnung ist Gehaltsabrechnung. Hier bietet sich auch nach wie vor oder sogar verstärkt ein Offshoring an. Ganz anders sieht es bei Prozessen aus, die zu den Kernkompetenzen des auslagernden Unternehmens gehören. Hier ist vom Partner nicht die hocheffiziente (weil skalierte) Abwicklung von Standard-Geschäftsprozessen gefragt. Hier ist es durchaus nicht erwünscht, dass der Kunde sich an einen vordefinierten Prozess des Providers andocken muss, sondern es ist eine partnerschaftliche Arbeitsweise gefragt. Der Kunde verlangt Transparenz, Mitbestimmung und flexible Schnittstellen. Hier bleibt es aus gutem Grund bei der bisherigen Rollenverteilung. Die Anforderungen dieser zwei „Lastenhefte“ sind mehr und mehr unvereinbar. Darauf müssen sich Unternehmen, aber vor allem auch Provider und Berater einstellen. Ein Provider wird zukünftig immer weniger beide Modelle gleichermaßen überzeugend bedienen können, und die Unternehmen müssen sich zunehmend für ein Modell entscheiden. Ein ehrlicher „Fitness-Check“ ist hier unverzichtbar: Je nachdem, wie ein Unternehmen in Sachen Prozesse, Schnittstellen und Erwartungshaltung aufgestellt ist, muss auch das Sourcing gewählt werden.
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