Evonik-CIO über IT-Organisation

IT-Trends in der Prozessindustrie

24.04.2012, von

Jochen Gintzel, CIO von Evonik: "Allein mit guten Ideen für Innovationen wird ein IT-Verantwortlicher im Top-Management kaum ernst genommen."Vergrößern
Jochen Gintzel, CIO von Evonik: "Allein mit guten Ideen für Innovationen wird ein IT-Verantwortlicher im Top-Management kaum ernst genommen."
Foto: Evonik

Daher gibt sich Gintzel derzeit beim Thema Outsourcing "zurückhaltend". Der Konzern habe im Jahr 2011 eine IT-Sourcing-Strategie entwickelt, erklärt der IT-Manager: "Dabei ging es nicht nur um die konventionelle Frage, was wir selber machen und was wir auslagern, sondern zusätzlich um eine Definition der Services und eine Zuordnung der Serviceanteile in eine globale, regionale und lokale Delivery."

Bereiche mit heterogenen Providern sollten zuerst harmonisiert werden, "um mittelfristig auf einer Basis konsolidierter Services über die externe Beschaffung zu entscheiden". Nach dieser Übergangsphase "werden wir das Thema zur Bewertung des Outsourcings 2014 wieder auf die Agenda setzen", sagt Gintzel.

Anteil externer IT-Kosten steigt auf über 50 Prozent

Andere Branchenvertreter hingegen setzen ungebrochen auf das IT-Outsourcing, das hat die Untersuchung der Beratungsgesellschaft JSC ergeben. "In fünf Jahren wird der Anteil externer IT-Kosten in den meisten Unternehmen auf deutlich über 50 Prozent steigen", prognostiziert Skubch. Der Zuwachs resultiert nicht nur aus Vorhaben in der klassischen IT-Infrastruktur, sondern wird auch durch neue Möglichkeiten in der Cloud wie Software-as-a-Service (SaaS) oder Platform-as-a-Service (PaaS) befördert. Die Gründe für das ungebremste Interesse am Outsourcing sieht der Berater in der fortgesetzten Notwendigkeit zur Kostensenkung sowie im Anspruch, Kostenstrukturen langfristig zu flexibilisieren - hier steht die IT der chemischen Industrie erst am Anfang.

Überraschende Einigkeit herrscht bei der Frage einer potenziellen Drittmarkterschließung, die auch Gegenstand der Untersuchung war: "Das Drittgeschäft für die eigene IT können wir alle erster Klasse beerdigen", bilanziert Skubch. Was einst eine Motivation für IT-Spin-offs war, habe sich nicht bewährt, nicht entwickelt und folglich auch keine Zukunft. "In der Dynamik der chemischen Industrie haben die IT-Organisationen schließlich genug damit zu tun, ihre Kernleistungen den Kunden bereitzustellen und die Veränderungen des Unternehmens wie Carve-outs und Zukäufe zeitnah abzubilden." Den Anteil des Drittgeschäfts an den IT-Kosten beziehungsweise am IT-Umsatz beziffert Skubch aktuell auf "deutlich weniger als zehn Prozent - mit rückläufiger Tendenz".

4 Erfolgsfaktoren

Auch beim globalen Setup der IT werden Gemeinsamkeiten in den Strukturen sichtbar: Eine zentrale Steuerung global verteilter Competence Center ist das präferierte Modell - hiermit gibt die IT eine angemessene Antwort auf die weltweite Präsenz ihrer Kunden, ohne jedoch kulturelle Unterschiede in den Regionen zu nivellieren. "Lokale Einheiten, die von der zentralen Führung der IT unabhängig sind, gehören weitestgehend der Vergangenheit an", sagt der Berater. Auch für Evonik-CIO Gintzel ist die Globalisierung der IT-Organisation einer von vier maßgeblichen Erfolgsfaktoren, neben Outsourcing/Cloud, der professionellen Integration von akquirierten Geschäften - und der internen Nutzung von Social Media, einem echten Hype-Thema.

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