Wertschöpfung, Investitionen, Arbeitsplätze

IT schlägt Autobranche

09.11.2012, von

Mahnung zum Gipfel: Die IT-Branche ist die wertvollste Branche Deutschlands – auch wenn die Autoindustrie es viel besser schafft, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Irene Bertschek, Professorin am Zentrum für Europ. Wirtschaftsforschung: "Es ist schon etwas Besonderes, wenn eine Branche nicht nur für sich selbst Wert schafft."Vergrößern
Irene Bertschek, Professorin am Zentrum für Europ. Wirtschaftsforschung: "Es ist schon etwas Besonderes, wenn eine Branche nicht nur für sich selbst Wert schafft."
Foto: ZEW

Professorin Irene Bertschek will auf dem IT-Gipfel das Image der Branche aufbessern - und präsentiert ihren Bericht "Stand und Perspektiven der deutschen Informations- und Kommunikationswirtschaft im internationalen Vergleich". Die Forscherin des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) untersucht: Wie groß ist die Branche? Wie viele Unternehmen gibt es? Wie hoch sind Umsatz und Wertschöpfung, und wie viele Beschäftigte arbeiten dort?

Für die aktuelle Studie hat ihr Team zunächst aggregierte Daten auf Branchenebene ausgewertet, die in öffentlichen Statistiken verfügbar sind. "Damit können wir einfache Vergleiche mit anderen Branchen anstellen", sagt Bertschek. Untersucht haben die Wissenschaftler zudem, wie produktiv die IKT für andere Branchen ist. Bertschek: "Wir haben anhand der Daten auf Branchenebene ermittelt, welchen Beitrag zur Produktivität die IKT in der Wirtschaft leistet, und zwar differenziert nach verschiedenen Anwenderbranchen."

Das erstaunliche Ergebnis: Die Wertschöpfung der IKT (76 904 Millionen Euro) ist größer als der Automobilbau (67 881 Millionen). Die Branche investiert mehr als alle Autobauer zusammen. Und sie beschäftigt auch mehr Menschen als die gesamte Autoindustrie in Deutschland. In den Worten der Wissenschaftlerin: Mit knapp 83 000 Unternehmen und 843 000 Beschäftigten stellt die IKT-Branche einen großen Wirtschaftszweig der deutschen Wirtschaft dar. Mit einem Anteil von 4,5 Prozent trägt sie mehr zur gewerblichen Wertschöpfung bei als die Traditionsbranchen Automobilbau und Maschinenbau mit jeweils knapp vier Prozent. Auch bei den Investitionen liegt die IKT-Branche im Branchenvergleich ganz vorne: 11,6 Milliarden Euro wurden im Jahr 2010 investiert und damit 3,7 Prozent der gesamten Bruttoanlageinvestitionen der gewerblichen Wirtschaft.

Irene Bertschek ist von ihren Ergebnissen allerdings gar nicht überrascht: "Es gibt zahlreiche frühere Studien, die sich die Bedeutung von IKT für die Wirtschaft auf verschiedenen Ebenen angeschaut haben, auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene, auf sektoraler Ebene und auf Unternehmensebene. Alle kommen zu dem Schluss, dass IKT ein wichtiger Treiber für die Innovationsfähigkeit und für das Produktivitätswachstum einer Volkswirtschaft ist."

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