Nutzen von IT-Projekten oft geringer als erwartet

Lassen Sie Ihr Lieblingsprojekt sterben!

24.06.2009, von Jörg Hild

Maximal 20 Prozent der Unternehmen kontrollieren im Projektverlauf die ursprünglichen Anforderungen und messen den Erfolg. Die Folge: Der betriebswirtschaftliche Nutzen von Projekten ist oft geringer, als am Anfang vorgesehen, meint Geschäftsführer Jörg Hild von Compass in seiner Kolumne.

Compass-Geschäftsführer Jörg Hild: "Es ist kein Gewinn, ein Projekt zügig und mit angemessenen Mitteln durchzuführen, das dem Geschäft keinen Mehrwert bringt."Vergrößern
Compass-Geschäftsführer Jörg Hild: "Es ist kein Gewinn, ein Projekt zügig und mit angemessenen Mitteln durchzuführen, das dem Geschäft keinen Mehrwert bringt."

Insbesondere große Unternehmen betreiben in der Regel parallel eine Vielzahl von Projekten. Erfahrungen zeigen, dass sie mit einer konsequenten Priorisierung, Straffung und gegebenenfalls Bereinigung ihres Portfolios bis zu 30 Prozent ihrer Kosten einsparen können. Die Anlässe zur Initiierung von Projekten sind unterschiedlich: neue Technologien, gesetzliche Änderungen oder neue fachliche Anforderungen der Business-Seite (siehe Grafik). Entsprechend unterschiedlich muss die Bewertung vorgenommen werden.

Projekte zur technologischen Anpassung

Rund ein Fünftel aller Projekte wird aufgrund technologischer Veränderungen ins Leben gerufen: neue Server, eine neue Netzinfrastruktur oder ein neues Betriebssystem. Sie befassen sich mit der Einführung dieser Technologie, der Anpassung von Anwendungen, der Schulung der Support-Mitarbeiter und Nutzer und vielem mehr. Hier ist eine konsequente betriebswirtschaftliche Betrachtung notwendig: Hat das Projekt wirklich einen geschäftlichen Mehrwert - zum Beispiel reduzierte Kosten - oder geht es primär darum, die neueste oder schönste Technologie anzuwenden? Gerade IT-Verantwortliche neigen immer wieder dazu, die Technik als Selbstzweck anzusehen.

Umsetzung von Nutzenpotenzialen bei IT-Projekten.Vergrößern
Umsetzung von Nutzenpotenzialen bei IT-Projekten.

Oft steht natürlich auch eine Zwangslage im Hintergrund, etwa wenn ein Software-Anbieter den Support für ältere Versionen eines Betriebssystems oder einer Standardlösung einstellt. Aber auch dann sollten die Verantwortlichen nicht automatisch nachziehen, sondern zuerst ihren Handlungsspielraum prüfen.

Ist das Risiko, keine Anpassung vorzunehmen, kalkulierbar - übertreffen die gesparten Aufwendungen möglicherweise den potenziellen Schaden? Gibt es einen Drittanbieter, der den Support übernehmen könnte? Oder kann es sinnvoll sein, angesichts der oft recht kurzen Zyklen erst auf die übernächste Version dieses Systems zu migrieren? (Viele Microsoft-Anwender werden beispielsweise von XP direkt auf Windows 7 wechseln). Generell gilt also: nicht technischen Trends einfach folgen, sondern jede Entscheidung wirtschaftlich prüfen.

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