Management-Strategien

Die Mitarbeiterführung der alten Griechen

13.07.2009, von Olaf  Kraus

Der griechische Heeresführer Xenophon beschreibt in seinem Buch "Anabasis", wie man mit Menschen umgeht, sie führt und zu Höchstleistungen bringt. Die Kernbotschaft: Die Mitarbeiter sind wichtiger als die Person an der Spitze. Genau das Gegenteil von dem, was Unternehmen heute praktizieren. Ein erstaunlich modernes Management-Buch.

Olaf Kraus ist Gastdozent für Management-Praxis an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er leitete verschiedene Unternehmen der Metallbranche, darunter von 1994 bis 1999 den Konzernbereich Hüttenwesen der Metallgesellschaft AG. Vergrößern
Olaf Kraus ist Gastdozent für Management-Praxis an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er leitete verschiedene Unternehmen der Metallbranche, darunter von 1994 bis 1999 den Konzernbereich Hüttenwesen der Metallgesellschaft AG.
Foto:

Was passiert, wenn 10.000 Einzelunternehmer aufeinandertreffen, um gemeinsam ein Projekt umzusetzen, bei dem zwei Regeln gelten sollen:

Regel 1: Jede strategische Entscheidung muss gemeinschaftlich getroffen werden.
Regel 2: Die Vorgesetzten werden von der Gruppe bestimmt - und bei Bedarf abgesetzt. Erfolgsmodell oder Lachnummer?

Gemessen an der klassischen Management-Literatur, wäre das Unternehmerteam von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ein Blick in die Geschichte weit vor den ersten modernen Management-Werken zeigt jedoch, dass das Modell funktionieren kann. Xenophon, ein griechischer Aristokrat und Heerführer, beschreibt um 400 vor Christus in seinem Buch "Anabasis - Der Zug der Zehntausend" ein kooperatives Führungsmodell, das seinem Heer eine für damalige Verhältnisse überwältigende militärische Überlegenheit verschaffte.

Xenophons langer Marsch

Xenophons Karriere als Heerführer beginnt mit seinem Eintritt in ein Söldnerheer aus 10.000 Griechen und 100.000 Persern. Der damals 30-jährige Athener ist reich und hochgebildet, er wird neun Jahre von Sokrates unterrichtet. Xenophon will mit dem Heerführer Kyros nach Bagdad ziehen, um dessen älteren Bruder Artaxerxes die Herrschaft über das Perserreich zu entreißen. Von Ephesos an der Westküste der heutigen Türkei marschiert das Kyros-Heer durch ganz Kleinasien bis in die Gegend des heutigen Irak. Kurz vor Bagdad treffen sie am 1. September 401 v. Chr. auf eine Übermacht von etwa 400.000 Mann des Artaxerxes. Es kommt zur Entscheidungsschlacht.

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.deVergrößern
Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de
Foto: manager-magazin.de

Als die Griechen ihre berühmte Phalanx gebildet haben und in Achterreihen gestaffelt, geschlossen, diszipliniert im Laufschritt und mit Kriegsgeschrei auf die Perser losstürmen, gibt es für diese kein Halten mehr - obwohl sie von Antreibern mithilfe von Peitschen "motiviert" werden. Sie flüchten in Panik, und die Schlacht ist entschieden, ohne dass auch nur ein einziger Grieche verwundet worden wäre.

Jetzt den CIO Exklusiv Newsletter bestellen!
Weitere Inhalte zu:
Anabasis, Xenophon, Phalanx, Führungsverhalten, Machtverteilung
Newsletter von CIO.de
Exklusiv
Exklusiv Blackberry
Wirtschaftsmeldungen
Karriere
Security
Dynamic IT
Healthcare IT
Whitepaper
IT-Berater
Retail-IT
Finance-Forum
SAP

UMFRAGE
Vor dem EuGH wird über den Handel mit Gebraucht-Lizenzen gestritten. Nutzen Sie Second-Hand-Software?
Ja, in großem Umfang. Das spart viel Geld.
Nur für wenige Anwendungen.
Nein, das Angebot erfüllt unsere Bedürfnisse nicht.
Nein, die Rechtslage ist zu unsicher.
Wir evaluieren das gerade erst.
» Abstimmen

SERVICE