MÜNCHENER RÜCK

"ITIL ist einfach"

03.12.2005, von Horst Ellermann

Um zu industrialisieren, will Janßen deshalb in einem ersten Schritt die Rollen innerhalb der AE schärfer trennen. Bislang denkt er an: a) fachliche Architekten, b) technische Architekten, c) Entwickler, d) Testmanager und e) Projektmanager. "Das ist aber noch nicht vollständig und auch noch nicht genau abgegrenzt", schränkt der CIO ein. Bis zum Frühjahr will er sein Rollenmodell ausgefeilt haben, wenn die "Senior Managers Working Group" der Münchener Rück zu diesem Thema tagt. Janßen ist Dauergast in diesem Lenkungsausschuss für Business-IT-Alignment.

Die Business-Vertreter interessieren sich für Anwendungsentwicklung, weil sie hier Potenzial für effizienteres Sourcing sehen. In welche Richtung dies gehen kann, ist im Augenblick jedoch noch offen. Das Beratungshaus Compass beispielsweise hat nach einem Benchmarking die Vermutung nahe gelegt, dass sich Insourcing bei der Münchener Rück lohne. "Das glaube ich denen aber nicht", sagt Janßen. "Wenn ich einen Developer-Pool einrichte, werden die Guten in den Architekturbereich abwandern, und ich sammele sukzessive den Bodensatz. Da ist es immer besser, zu einer spezialisierten Firma zu gehen. "

Offshore nicht ausgeschlossen

So könnten die Sourcing-Überlegungen auch in die konträre Richtung zum Compass-Vorschlag führen – auch in Richtung Offshore. Janßen hält seine AE für durchaus geeignet: "Ich habe zwar keine CMM-Zertifizierung, aber ich würde mal schätzen, dass wir knapp unter Level 3 sind – und damit im Vergleich zu vielen Anwendungsentwicklungen in Deutschland weit vorne." Die höchste Stufe im Capacity Maturity Model sei für ein deutsches Unternehmen – besonders für ein Anwenderunternehmen – auch gar nicht erstrebenswert. "Das brauchen die Inder mit ihren häufigen Personalwechseln", meint Janßen. "In Deutschland hilft es niemandem, auf Level 5 zu sein, weil weder Kunden noch Dienstleister so arbeiten wollen."

Im Augenblick ist also noch offen, wie die "Industrialisierung" der AE aussehen wird. Janßen wird auf den Hamburger Strategietagen im Februar 2006 berichten, zu welchem Schluss die Münchener Rück gekommen ist. Eins ist aber jetzt schon klar: Auf keinen Fall werde man die geistige Lufthoheit abgeben, sagt Janßen. "Ich will auch in zwei Jahren noch wissen, was der nächste Release, ein Technologiewechsel oder ein Change Request kosten darf." Welche Fertigungstiefe dabei zu wählen ist, hänge sehr stark von den Technologien (Microsoft oder SAP), aber auch von den jeweiligen fachlichen Themen ab. "Kompetenzen, die es überall zu kaufen gibt, muss ich nicht unbedingt intern besetzen", erklärt Janßen. "Und in anderen Themen will ich gar kein externes Wissen aufbauen.”

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