Cloud Computing

Prognose vom Forrester-CEO

Die "Cloud is dead"

08.11.2011, von Hartmut Wiehr

An fast allen Hard- und Softwareprodukten hängt mittlerweile das Attribut "Cloud". Und fast alle Marktbeobachter springen auf diesen Zug auf. Erste Ausnahme: George Colony, CEO von Forrester Research.

George Colony CEO von Forrester Research: "Man will die Leute noch abhängiger vom Internet machen."Vergrößern
George Colony CEO von Forrester Research: "Man will die Leute noch abhängiger vom Internet machen."
Foto: Forrester Research

Colony kennt die IT-Industrie seit über 30 Jahren. Er hat viele Hersteller kommen und gehen sehen. Es wurde viel versprochen, und nur wenig davon ist eingetroffen. Colony resümiert im Gespräch mit dem CIO-Magazin: "Die IT-Industrie hat eine sehr schlechte Angewohnheit: Sie setzt ständig neue Trends in die Welt und übertreibt dabei maßlos. Cloud ist dafür ein gutes Beispiel." Dem ganzen Marketing-Trara um Cloud Computing setzt er entgegen: "Cloud is dead."

Die Argumentation von Colony stützt sich auf das von ihm konstatierte Ende von zwei Architekturen, mit dem ein signifikanter Wechsel in der Geschichte der IT eingeleitet wird. Zum einen sei das bisherige Erfolgsmodell von Microsoft mit verteilter Software auf Millionen von PCs tot, und zum anderen sei die Architektur verteilter Rechenzentren ein Auslaufmodell. Stattdessen formiere sich zurzeit ein neues, gleichgewichtiges Modell aus "Internet und App", symbolisiert in Apples iPad und ähnlichen Geräten, die erst den Anfang einer neuen Ära ankündigen.

Dass der klassische PC am Ende ist, kann man Colony zufolge schon an den zahlreichen Versuchen von Microsoft sehen, sich neu zu erfinden. Die Gates-Nachfolger besetzen neue Geschäftsfelder von Business-Software über Suchmaschinen bis hin zu Smartphones und Tablets, weil sie wissen, dass sie allein mit Windows und Office untergehen werden. Mit der Cloud-Plattform Azure oder mit Office 365 und Windows 8 sucht man Auswege aus dem alten Lizenzmodell.

Apple lässt Microsoft hinter sich

Über Apple sagt der Forrester-CEO dagegen: "The iPad, that’s it." Dabei meint er aber nicht die Tablet-Hardware, sondern die neuen Apps: "Die Apple-Revolution ist eine Software-Revolution." In der Entwicklung einer riesigen Menge von Apps sieht Colony den Beginn einer neuen Ära. Das bedeute nicht, dass jetzt alles vom Internet ausgehe, wie Unternehmen wie Google glaubten. Colony ist sich sicher, dass zum Beispiel das Chromebook von Google, das nur in ständiger Verbindung mit dem Internet funktionsfähig ist, "die größte Dummheit ist, die ich je in der IT-Geschichte beobachtet habe".

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Holger Scherer - 24.11.2011 22:38
"The iPad, that's it" - aha, was ist denn ein iPad ohne Netzzugang?
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