Projektmanagement


Was bei der IoT-Umsetzung zu beachten ist

10 Tipps für IoT-Projekte

Hendrik Nieweg ist Head of Solution Management bei Device Insight.
Immer mehr Unternehmen bereiten IoT-Projekt vor. Welche Fallstricke bei der Umsetzung lauern, erfuhr Device Insight in mehr als 150 IoT-Projekten. Erkenntnisse, die wir in zehn Tipps zusammengefasst haben.
 Ein Patentrezept für die Durchführung von IoT-Projekten gibt es leider nicht, die Rahmenbedingungen sind zu unterschiedlich.
Ein Patentrezept für die Durchführung von IoT-Projekten gibt es leider nicht, die Rahmenbedingungen sind zu unterschiedlich.
Foto: andongob - shutterstock.com

Jedes zweite deutsche Unternehmen bereitet der aktuellen IDG-Studie IoT 2018 zufolge gerade ein IoT-Projekt vor beziehungsweise informiert sich. Ob das Projekt von Erfolg gekrönt sein wird, hängt davon ab, ob im Vorfeld die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. So ist die Implementierung von IoT ein hochkomplexes Unterfangen: Es erfordert ein tiefgehendes Know-how und konkrete Praxiserfahrung. IoT-Projekte unterscheiden sich grundlegend von konventionellen IT-Projekten.

Selbst langjährige Kenntnisse aus der Einführung von IT-Systemen helfen nur bedingt. Ein Patentrezept für eine erfolgreiche Realisierung von IoT-Projekten gibt es allerdings auch nicht. Zu verschieden sind die einzelnen Kundenanforderungen und betrieblichen Rahmenbedingungen. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass es einige Tipps für eine gelungene Durchführung eines IoT-Projekts gibt.

Wie komplex das Thema ist, zeigt folgende Betrachtung: So sind beim industriellen IoT, dem das größte Marktwachstum nachgesagt wird, passende IoT-Services im Automatisierungssegment gefragt. Die Industriebranche arbeitet allerdings meist mit sehr heterogenen Anlagen, Systemen und Kommunikationsprotokollen.

Das macht die Einführung einer neuen Technologie besonders komplex. Für Brisanz sorgt auch die Tatsache, dass IoT-Projekte nicht nur die Prozesse, sondern teilweise auch das Geschäftsmodell eines Unternehmens verändern. Die Suche nach erfolgsversprechenden Lösungen ist für die Verantwortlichen deshalb kein leichtes Unterfangen. Die folgenden zehn Tipps sollen dabei helfen, von vornherein die richtigen Weichen zu stellen und typische "Fallen" bei der Umsetzung eines IoT-Projekts zu vermeiden.

1. Internen und externen Nutzen vorab definieren

IoT umfasst im Kern sowohl neue Technologien als auch eine Fülle von Maßnahmen zur Prozess- und Geschäftsmodelloptimierung. Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld über die Prozesse und den internen wie auch den externen Kundennutzen, den man damit erreichen will, bewusst zu werden. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse gilt es, ein Geschäftsmodell zu entwickeln beziehungsweise das bestehende im Hinblick auf IoT anzupassen. Auf diese Weise lässt sich plausibel festlegen, wie, mit welcher Architektur und mit welcher Technologie der IoT-Datenfluss verwaltet werden kann.

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Als Infopark 1994 sein erstes Content-Management-System auf den Markt brachte, kannten nur Eingeweihte das Internet. Inzwischen belegen mehr als 1.000 Installationen den Erfolg der Infopark-Lösungen. Die Berliner Web-Pioniere haben das Potenzial der Cloud sehr frühzeitig erkannt. Obwohl das Unternehmen seine früheren CMS-Lösungen weiterhin unterstützt, setzt es bei Neuentwicklungen wie scrivito.com konsequent auf die Cloud. Als Infopark sein SAP-System ersetzten wollte, kam für die Abwicklung seiner internen Prozesse ebenfalls nur eine Cloud-Lösung infrage.

Ein Beispiel: Möchte ein Unternehmen mit dem neuen IoT-Konzept selbst schnell Geld verdienen, sollte es darauf achten, dass, ausgehend vom Bedarf seiner Endkunden, einfache Services definiert werden, die schnell verrechnet werden können. So amortisiert sich die IoT-Lösung rasch von selbst und, noch wichtiger, das Unternehmen lernt frühzeitig viel über seinen Zielmarkt dazu und kann seine Services gezielt ausrichten. Voraussetzung dafür ist eine IoT-Plattform, die sich mit wenig Aufwand anpassen und in Betrieb nehmen lässt und keiner hohen Investitionen bedarf, um neue, komplexe Services zu unterstützen.

2. Geschäftsmodell gemeinsam mit IoT-Dienstleister entwickeln

Der IoT-Dienstleister sollte von vornherein bei der Erarbeitung des Geschäftsmodells involviert sein. Auch kommt es vor, dass das Geschäftsmodell selbst Anforderungen an die IoT-Plattform stellt oder Prozesse vorsieht, die nicht ins Aufgabengebiet der Plattform passen. In diesem Fall muss von Beginn an offen kommuniziert werden. So profitiert ein Unternehmen sofort vom Know-how und der Beratung des IoT-Dienstleisters. Und, so viel steht fest, es gibt (fast) immer eine Lösung. Kompetente IoT-Anbieter sind stets in der Lage, die Implikationen der Services, welche dein Unternehmen anbieten will, in die IoT-Plattform einzubinden und passende Tools dafür zu entwickeln.

3. Klein starten - dann ausbauen

Der IoT-Partner sollte über das entsprechende Branchen-Know-how - hier etwa in Bezug auf die Landwirtschaft verfügen.
Der IoT-Partner sollte über das entsprechende Branchen-Know-how - hier etwa in Bezug auf die Landwirtschaft verfügen.
Foto: Nolanberg11 - shutterstock.com

Die Investition in ein komplexes IoT-Projekt amortisiert sich im laufenden Betrieb. Daher gilt: Klein anfangen und die IoT-Plattform sukzessive ausbauen - zum Beispiel in puncto Services mit künstlicher Intelligenz und Big DataBig Data. Unser Tipp: Starten Sie mit Prognoseservices, die auf einfachen Algorithmen basieren. Grundsätzlich sollte sich die Auswahl der Technologien an den prozessorientierten Herausforderungen beim Endkunden orientieren. Alles zu Big Data auf CIO.de

Ein hohes Augenmerk liegt dabei auf der einfachen Bedienbarkeit. Eine Plattform mag in der Theorie noch so wirtschaftlich sein, in der Praxis wird sie am Ende scheitern, sollten die relevanten Nutzer sie kaum oder nur schwer handhaben können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein "Proof of Concept", mit dem nicht nur die technologische, sondern auch die wirtschaftliche Machbarkeit überprüft wird. Drei Fragen müssen zu Beginn des Ausbaus einer IoT-Lösung beantwortet werden: Läuft das Projekt in die richtige Richtung? Können die internen Prozesse Schritt halten? Hat der Endkunde tatsächlich den erhofften Mehrwert? Erst wenn diese Fragen mit "ja" beantwortet werden können, sollte man über einen Ausbau des IoT-Projekts nachdenken.

4. Frühzeitig praxiserfahrene Partner einbinden

Praxiserfahrung schlägt Theorie. Wichtig ist ein Partner, der nicht nur in der Theorie über Bits und Bytes Bescheid weiß, sondern seine Erfahrungen aus früheren Projekten direkt einbringen kann. Häufig treten bei der Umsetzung von IoT-Vorhaben unvorhergesehene Herausforderungen auf. Arbeiten Sie daher mit Experten zusammen, die solche oder ähnliche Problemfälle in der Vergangenheit bereits gelöst haben.

5.Standards statt Innovationen

In nahezu allen IoT-Projekten erwarten Anwender vor allem eins: eine zügige Integration und einen schnellen Rollout. Unser Tipp: Es ist besser, einen Basisservice gut umzusetzen als an einer InnovationInnovation zu scheitern. Innovationen sind nicht immer das Maß aller Dinge. Orientieren Sie sich zunächst am Standard statt an Technologien, die Sie eher behindern, weil sie am Anfang der IoT-Implementierung auch noch gar nicht benötigt werden. Alles zu Innovation auf CIO.de

Denken Sie an Ihre Zielgruppe, also an Ihre Kunden und Mitarbeiter, die sich mit dem neuen System zunächst anfreunden müssen. Durch bewährte Standardtechnologien werden Integrationsrisiken minimiert, das Projekt beschleunigt und Mehrwerte geschaffen, die am Ende vom Endkunden bezahlt werden.

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