Vorstandsposition in Aussicht

4 Tipps für den Aufstieg vom Manager zum Vorstand



Management-Beraterin, Diplom-Biologin und Autorin Gudrun Happich agiert mit ihrem Galileo Institut für Human Excellence seit rund 20 Jahren als Sparringspartnerin für Leistungsträger in Top- und Schlüsselpositionen.
Sie wurden als Manager oder Geschäftsführer für eine Vorstandsposition vorgeschlagen? So bereiten Sie sich optimal darauf vor.
Die Vorstandsebene ähnelt in vielen Unternehmen einem Haifischbecken. Wenn Sie dort überleben wollen, sollten Sie die Regeln kennen - und bereit sein, selbst ab und an den Haifisch zu geben!
Die Vorstandsebene ähnelt in vielen Unternehmen einem Haifischbecken. Wenn Sie dort überleben wollen, sollten Sie die Regeln kennen - und bereit sein, selbst ab und an den Haifisch zu geben!
Foto: anas sodki - shutterstock.com

Wer eine klassische Führungskarriere anstrebt, für den ist die Vorstandsposition so etwas wie die Erklimmung eines sehr hohen Berggipfels. Klar, um über eine gewisse Ebene hinauszukommen, müssen Sie gut vernetzt sein und die Keyplayer im Unternehmen kennen. Aber geschafft haben Sie es doch allein, ein bisschen wie der Extrem-Bergsteiger am Mount Everest.

In der Regel haben Sie jahrelang darauf hingearbeitet, geackert, sich gut verdrahtet, haben Niederlagen eingesteckt und Erfolge eingefahren, oft kam das Privatleben zu kurz. Der Weg nach oben geht nicht selten auch mit einer gewissen Einsamkeit einher. Und dann erreichen Sie das Ziel: Sie werden für den Vorstand vorgeschlagen.

Top-Management versus Vorstand - ein riskantes Gefälle

Neben Ihrer Freude darüber, dass Ihre Arbeit endlich die Wertschätzung erhält, die sie in Ihren Augen verdient, machen sich vielleicht auch erste Unsicherheiten breit. Zu Recht: Denn den Auswahlprozess und den Schritt vom Manager zum Vorstand sollten Sie nicht unterschätzen. Dieser ist je nach Unternehmensgröße und -kultur enorm groß. Ich habe schon vielfach erlebt, wie wirklich altgediente Manager an diesem Punkt ins Straucheln geraten.

Besonders Führungskräfte, die neben ihrer Zielstrebigkeit und Leistungsfähigkeit, stark inhaltlich orientiert und sozial kompetent sind, erleben an der Unternehmensspitze oft eine Art Kulturschock. Unsicherheiten können sich zudem noch verstärken, falls Sie als Geschäftsführer in den Vorstand eines Unternehmens wechseln möchten, dass Sie bisher noch nicht kennen. Aber auch, wenn das Unternehmen gleichbleibt, ist das Gefälle zwischen Top-Management und Vorstand oft erstaunlich groß.

Eine gründliche Vorbereitung auf das, was Sie erwartet, ist das A und O. Besonders dann, wenn Sie nicht nur ein Vorstandsmitglied werden möchten, sondern sich gleichzeitig innerlich an der Spitze auch nicht verbiegen möchten. Denn damit würden Sie sich Ihren Erfolg sehr teuer erkaufen. Das folgende Beispiel aus meiner Praxis zeigt exemplarisch die Herausforderungen vieler anderer Klienten auf dem Weg vom Manager zum Vorstand.

Ein vernichtendes Feedback

Meine Klientin - nennen wir sie Frau T. - hat sich in einem internationalen IT-Unternehmen mit Hauptsitz in den USA als Top-Führungskraft über Jahre etabliert. Das Unternehmen ist im Umbruch. Für die nächsten Jahre ist ein Börsengang geplant. Neue Vorstandspositionen werden ausnahmslos männlich besetzt, vorwiegend mit Amerikanern. Die meisten von der Marke "Rampensau", wie sich meine Klientin ausdrückt. Frau T. kann mit diesem Personentypus, der mehr scheint als tut, gar nichts anfangen.

Der Aufsichtsrat - ebenfalls vorwiegend amerikanisch besetzt - ist hingegen von der lauten Art begeistert. Frau T. hingegen ist eher zurückhaltend und überzeugt durch fachliche und soziale Kompetenz sowie Leistung. In der Kommunikation kann sie durchaus auch sehr direkt sein, jedoch sind ihr dabei ihre inneren Werte sehr wichtig.

Inhaltlich ist sie exzellent und sie genießt das Vertrauen des langjährigen Vorstandsvorsitzenden. Als einzige Frau und als einziges "Eigengewächs" des Unternehmens für den Vorstand im Gespräch zu sein, macht sie mächtig stolz. Damit verbunden, sind mehrere Präsentationrunden vor dem Aufsichtsrat, mit anschließenden gemeinsamen Abendessen. Nach der ersten Runde lässt der ihr gewogene Vorstandsvorsitzende durchblicken, dass der Aufsichtsrat alles andere als überzeugt von ihr war: Sie wirke nicht souverän, eher unsicher und unvorbereitet - man traue ihr eine Vorstandsposition nicht zu. Um diesen Eindruck zu ändern, müsse sie viel politischer werden. Konfrontiert mit diesem harten Urteil, entscheidet sich Frau T. für ein Coaching.

Wie hoch ist der Preis wirklich?

Frau T. ist bei unserem ersten Treffen verletzt, wütend, verunsichert und zugleich kämpferisch. All diese Gefühle brauchen ein Ventil. Sie ungebremst rauszulassen, verschafft meiner Klientin schon mal eine enorme Erleichterung. Nun ist der Raum da für die große Frage: Will ich das überhaupt? Um auf diese Frage eine klare Antwort geben zu können, sollte sie sich klar werden: Welche Erwartungen sind mit meiner neuen Rolle verknüpft?

Falls sie tatsächlich in den Vorstand aufrücken möchte, sollte sie bereit sein, die politischen Gepflogenheiten im Unternehmen zu kennen, zu verstehen und zu nutzen. Sie sollte sich von dem Gedanken verabschieden, dass in den Vorstandsebenen vor allem Leistung zählt. Ihr sollte bewusst werden, dass es "da oben" Gepflogenheiten gibt, die ihr persönlich zwar nicht gefallen, die aber zum "Spiel an der Spitze" dazu gehören, wie z.B. der Small-Talk beim Abendessen kein nettes Beisammensein mit Freunden, sondern genauso wie die Platzwahl ein Teil der Position ist. Wer in das Haifischbecken will, sollte auch bereit sein, ab und an den Haifisch zu geben - ansonsten geht er unter.

Ein klares Commitment und ein klarer Plan sind die Lösung

"Möchten Sie einen Wechsel in die Vorstandsebene wirklich und sind Sie bereit diesen Weg zu gehen?" Diese Frage sollten Sie sich unbedingt ehrlich beantworten. Mit Frau T. habe ich die Frage gemeinsam im Coaching unter verschiedenen Aspekten beleuchtet. Im Anschluss kam sie zu dem klaren Ergebnis "Ja, ich will und ich werde mich um die Position im Vorstand bemühen und damit die Zukunft des Unternehmens mitgestalten und lenken. Ich will etwas bewegen."

Gemeinsam erarbeiteten wir einen detaillierten Plan für den anstehenden Wechsel, zugeschnitten auf die Persönlichkeit von Frau T.: Was sind die politischen Spielregeln in diesem Unternehmen, inkl. Vorstand, Aufsichtsrat, Aufsichtsratsvorsitzendem? Wie ist das Beziehungsgefüge? Was sind die Lieblingsthemen der jeweiligen Keyplayer? Mit welcher Motivation sitzen die Leute an/in ihren Positionen? Wie verstehen die sich untereinander, wer lässt sich von wem beeinflussen?

Wenn Sie die Regeln kennen, spielt es sich entspannter

Natürlich werden Ihnen nicht alle Aufgaben von Beginn an in der neuen Position leicht fallen - aber Sie sind bestmöglich vorbereitet. Dazu kennen Sie jetzt Ihr persönliches "Warum" dahinter und damit wird es mit der Zeit immer einfacher. Je mehr Informationen Sie haben, je mehr Sie wissen, wie das Spiel läuft, desto mehr können Sie Politik und Taktik als notwenigen Teil Ihrer neuen Rolle ansehen und akzeptieren.

Mittlerweile ist Frau T. in ihrer Vorstandsposition als CFO nicht nur sehr erfolgreich, sondern fühlt sich auch gut und erfüllt dabei. Ihren persönlichen Schlüssel dazu fasst sie so zusammen:

"Es ist tatsächlich ein Spiel, dessen Regeln man kennen muss, um seine Rolle nicht nur einzunehmen, sondern sie auch nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Im Lauf der Zeit spielt es sich immer leichter. Es ist ein Spiel, aber es nicht meine Identität."

Vom Manager zum Vorstand - 4 Tipps:

• Will ich die neue Rolle wirklich? Welchen Preis bin ich bereit dafür zu zahlen? Setzen Sie sich mit diesen Fragen wirklich intensiv auseinander - nur so gehen Sie mit einer klaren inneren Überzeugung ans Werk.

• Nutzen Sie Ihr Netzwerk und alle verfügbaren Kanäle, um herauszufinden, wie das Machtgefüge und die politischen Regeln an der Unternehmensspitze funktionieren. Ganz oben geht es weniger um Inhalte, als um Beziehungen.

• Finden Sie heraus: Welche Erwartungen sind möglicherweise mit Ihrer neuen Rolle verknüpft?

• Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle? Wie genau möchten Sie sie ausfüllen und gestalten? Wie möchten Sie von außen wahrgenommen werden, welches Image möchten Sie vermitteln?

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