Mitarbeiter schützen

Burnout vorbeugen - 4 Tipps

Bettina Dobe ist Journalistin in München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media- sowie Gesundheitsthemen spezialisiert. 
Besonders Menschen mit Führungsverantwortung sind vom Burnout gefährdet. Wie Sie sich schützen.
Jürgen Knauf, Unternehmensberater bei Scopar: "Burnout ist ein Prozess, der begint, lange bevor die Symptome sichtbar werden."
Jürgen Knauf, Unternehmensberater bei Scopar: "Burnout ist ein Prozess, der begint, lange bevor die Symptome sichtbar werden."
Foto: Scopar

Burnout trifft vor allem Menschen mit Führungsverantwortung. Auch wenn das Krankheitsbild noch nicht abschließend definiert ist: Die Zahl der Krankheitstage aufgrund von psychischen Belastungen ist stark gestiegen. Jürgen Knauf von der Beratungsfirma Scopar (Scientific Consulting Partners) hat vier Tipps zusammengestellt, wie Entscheider sich vor einem kompletten Ausfall schützen können.

Vor allem Entscheider und die Aktiven seien bedroht, so Knauf. Wer schlecht und unregelmäßig schläft, aber trotzdem leistungsfähig ist, wer übermäßig arbeitet und trotzdem in der Freizeit noch sehr aktiv ist und wem nie langweilig ist, der sei akut gefährdet, so der Unternehmensberater.

1. Bewusster leben

Wer besser auf sich achtet, der ist weniger gefährdet, an Depressionen zu erkranken, weiß Knauf. Gerade Manager ignorieren oft die Signale ihres Körpers: Lieber noch einen Kaffee als eine Pause. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, ist den meisten sogar klar. Knauf rät dazu, gerade auf die körperlichen Signale zu achten. Wer schlecht schläft oder häufig gesundheitliche Probleme hat, sollte sich Gedanken machen, ob er nicht etwas ändern sollte an seinem Leben, glaubt Knauf.

2. Setzen Sie Prioritäten

Immer mehr Hobbies, Aktivitäten und Freunde, aber nichts lassen können - so geht es vielen. "Wer immer mehr macht und nicht regelmäßig ausmistet, geht irgendwann unter", sagt Knauf. Doch gerade die Pausen sind wichtig. Und wer alte Gewohnheiten auch mal sein lässt, der hat mehr Zeit zum Verschnaufen, für sich und für Neues.

Keine Pausen, immer aktiv und erreichbar - besonders Führungskräfte sind Burnout-gefährdet.
Keine Pausen, immer aktiv und erreichbar - besonders Führungskräfte sind Burnout-gefährdet.
Foto: Christian Schulz - shutterstock.com

Knauf hat auch einen praktischen Tipp parat: "Schreiben Sie Ihre wichtigsten Werte auf und priorisieren Sie diese." Daneben steht das, womit man die meiste Zeit verbringt. "Ändern Sie, wo die Diskrepanz zu groß ist, verabschieden Sie sich von Aktivitäten und vermeintlichen Freunden, die nur Energie rauben", rät Knauf. Das kostet anfangs Kraft und mag große Veränderungen mit sich bringen. Langfristig aber geht es aufwärts.

3. Entschleunigen Sie sich

Immer erreichbar, immer auf Abruf: Auf Dauer ist das physisch und psychisch sehr anstrengend. Eigentlich schon fast selbstverständlich, aber: Wer auf seine Ernährung und viel Bewegung achtet, dem geht es besser. Knauf rät zur Meditation. Das ist zwar nichts für jeden und gerade Entscheider haben oft Probleme, mehrere Gänge runterzuschalten. Da hilft aber ein guter Tipp von Knauf: "Gönnen Sie sich eine Medienauszeit - Zeit ohne Musik, ohne Handy, ohne Fernsehen, ohne Computer", rät Knauf. Kleine Pausen helfen enorm.

4. Auf das Bauchgefühl achten

Da stellen sich bei jedem Chef die Nackenhaare auf: "Steigern Sie Ihre Bauchentscheidungen bei wichtigen Themen - beruflich wie privat", rät Knauf. Eine Entscheidung nicht rational zu treffen, das fällt vor allem Top-Managern schwer, zumal sie diese oft rechtfertigen müssen. Nur: Wenn die rational gefällten Entscheidungen unglücklich machen, ist es vielleicht Zeit, auf die innere Stimme zu hören. Es kann ja nur besser werden.

Top-Manager sind dabei in doppelter Verantwortung: Sie müssen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitarbeiter vor Überarbeitung schützen. Da gilt es, dieselben Symptome wie bei sich selbst zu entdecken. Wer bei seinen Angestellten zu viel Aktionismus und Überstunden, aber zu wenig Pausen wahrnimmt, der sollte bei ihnen nachhaken. Oft trauen sie sich nicht, ihren Vorgesetzten anzusprechen, der selbst so viel arbeitet. Nein-Sagen, das müssen wohl alle lernen.

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