Meetings, Fehler, Kommunikation

6 Thesen zur Führung in der Zukunft

12.04.2017
Von Marcus König
Marcus König begleitet als Berater und Coach Unternehmen in Veränderungsprozessen. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in verschiedenen Managementpositionen an unterschiedlichen Standorten, in verschiedenen Ländern mit wechselnden Aufgaben und Verantwortungen hat vor allem seinen Umgang mit Menschen geprägt. Aus diesem Grund betrachtet er Prozesse immer an der Schnittstelle Mensch/Business. Das heißt der Mensch wird in den Mittelpunkt des geschäftlichen Handelns gerückt.
Der digitale Wandel verlangt Flexibilität auch in den Arbeitsmodellen. Manager, die Home-Office-Angebote als alleinige Antworten sehen, liegen daneben. Sechs Thesen verdeutlichen, wie sich Führung in digitalen Zeiten ändert.

1. Führungsaufgaben werden situativ verteilt und angenommen

FührungFührung wird es weiterhin geben - nur wird sie eher natürlich entstehen als angeordnet sein. Je nach Situa­tion wird in einem Team die Person für ein bestimmtes Thema die Führung übernehmen, die sich das zutraut und die notwendige Kompetenz mitbringt. Wenn sich beispielsweise eine Gruppe von Wanderern verläuft, wird derjenige das Heft an sich reißen, der so etwas schon einmal erlebt hat oder Kompetenzen mitbringt, um dieser Situation Herr zu werden. Die Akzeptanz der anderen Gruppenmitglieder ist damit kein Thema mehr. Nach der Aktion tritt diese Person dann wieder in die Gruppe als Mitglied (Wanderer) zurück. Alles zu Führung auf CIO.de

Die Führung z.B. eines Projekts kann auf Zeit erfolgen.
Die Führung z.B. eines Projekts kann auf Zeit erfolgen.
Foto: SFIO CRACHO - shutterstock.com

Solch eine situative Übernahme von Führung auf Zeit birgt allerdings auch die Gefahr des Sich-nicht-einigen-Könnens. Um die unvermeidlichen Diskussionen möglichst zielgerichtet zu führen, kommen Moderations- und Mediationskompetenzen als zusätzliche Qualifikationen ins Spiel.

2. Die Zeit der Meetings und Workshops geht zu Ende

Nicht erst durch die digitalen Nomaden entstehen virtuelle Teams, die orts- und zeitunabhängig miteinander an Themen arbeiten. Die Herausforderung ist hier, die Zusammenarbeit zu organisieren - also Führung zu übernehmen. Teamspirit ist dabei auf andere Weise zu erzeugen als bisher über Präsenz-Meetings oder Teambuilding-Workshops.

Auch hier werden Elemente aus der Social-Media-Welt Einzug halten. Gleiche Interessen, Gruppen, Posts, gemeinsame Bekannte oder virtuelle Gruppen erzeugen das Zusammengehörigkeitsgefühl. Allerdings sind Mitarbeiterbindung und Loyalität dadurch schnelllebiger und verlieren an Stellenwert.

3. Human Resources werden künftig Human Relationship

Human-Resources-Management war noch nie eine glückliche Bezeichnung für Personalabteilungen, verbindet man mit Ressourcen doch vor allem Rohstoffe, Materialien und Ähnliches. Die Aufgaben des Personalwesens werden sich grundlegend ändern. Flexible Beschäftigungsmodelle, nichtmonetäre Belohnungssysteme, Vereinbarkeit von privaten Interessen mit dem geschäftlichen Auftrag - das sind nur wenige Beispiele dafür. Permanentes Kompetenz-Management gewinnt an Wichtigkeit.

Eine Kernaufgabe besteht auch darin, das eigene Unternehmen attraktiv für künftige Mitarbeiter zu machen. RecruitingRecruiting verändert sich von "die Firma sucht aus" zu "Talente suchen sich die passende Firma aus". Kultur, Freiheitsgrade, Sinn und Nutzen der Tätigkeit sind wesentliche Kriterien. Alles zu Recruiting auf CIO.de

4. Vielfältige Kommunikationskanäle sind Chance und Risiko zugleich

Permanent online erreichbar zu sein, Informationen nahezu in Echtzeit teilen zu können - und das mit einer unbegrenzten Zahl von Adressaten - birgt Gefahren, die zu Konflikten werden können. Eingreifen in Form von Aufklärung, Mediation und Moderation wird notwendig. Mitarbeiter müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie ihre Posts und Likes oft nicht zurücknehmen können.

5. Können wird wichtiger als Wissen - eine neue Fehlerkultur hält Einzug

Im Internet steht heute jedem unbegrenztes Wissen zur Verfügung. Man muss es nur finden und anwenden. Ob das dann aber zum Erfolg führt, hängt vom Können des Einzelnen ab. Reparaturanleitungen etwa sind oft in Bild und Ton abrufbar, trotzdem wird nicht jeder Mensch einen Staubsauger reparieren können. In Zukunft kommt es auf den Umgang mit Wissen an, auf Erfahrungen und den Mut, Dinge anzupacken.

Das schließt die Möglichkeit ein, Fehler zu machen. Wie aber wird mit solchen Fehlern umgegangen? Man spricht in Unternehmen gerne und oft von einer Fehlerkultur, die es erlaubt, Fehler zu machen. Tatsächlich will und sollte aber niemand Fehler machen, denn das bedeutet, etwas, was man hätte wissen müssen, falsch zu machen. Was hier gemeint ist, sind Irrtümer.

Der Unterschied zum Fehler besteht beim Irrtum darin, dass man vorher nur eine vage Vorstellung davon hatte, wie etwas funktionieren könnte. Unabhängig davon, ob man diese feine Unterscheidung macht oder nicht: Fehler zu machen oder Irrtümer zu begehen, kann nicht das Ziel sein, sondern die gefragte Reaktion ist, aus dergleichen zu lernen.

6. Die Flexibilität des Arbeitgebers wird zum Erfolgsfaktor

Wer als Arbeitgeber in Zukunft flexibel auf die Anforderungen von Mitarbeitern eingeht, die an Themen innerhalb des Unternehmens arbeiten, wird dauerhaft die guten Talente um sich scharen und Erfolg haben. Das beginnt mit dem Wunsch, in der bevorzugten IT-Umgebung zu arbeiten (AppleApple vs. Windows), und reicht über unterschiedliche Auffassungen über Ort und Zeit von Arbeit bis hin zu attraktiven Beschäftigungsmodellen und Belohnungssystemen. One-fits-all gehört der Vergangenheit an. Firmen sind gut beraten, auf die Wünsche ihrer Talente einzugehen. Alles zu Apple auf CIO.de

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