Strategien


Wie man Komplexität besser beherrscht

9 Treiber der Komplexität

Peter Klukas ist CIO der Vulkan Gruppe in Herne.

Wie viele Kundenportale pflegen ihre Kollegen bereits? Wie viele werden es wohl in fünf Jahren sein? In einigen Ländern wird bereits ein Vielfaches der Kundenportale gepflegt, als wir es hierzulande gewohnt sind. D.h. es ist zu befürchten, dass wir hier das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht haben. Sicherlich war und ist die gute alte E-Mail-Kommunikation Fluch und Segen zu gleich. Sie haben aber deutlich mehr Möglichkeiten die Transparenz selbst zu bestimmen, da sie es intern selbst in der Hand haben, den Kreis der Informanten einfach und schnell zu erweitern.

Man erkennt die Vulkan-Produkte bei diesem Schiffsanlagenstrang an der grauen Farbe. Die elastischen Lager befinden sich unter dem Motor und den Kupplungen zwischen Motor und Getriebe. Wenn alles gut dimensioniert ist, kann man auf einem Kreuzfahrtschiff seinen Champagner trinken, ohne dass die Gläser vibrieren.
Man erkennt die Vulkan-Produkte bei diesem Schiffsanlagenstrang an der grauen Farbe. Die elastischen Lager befinden sich unter dem Motor und den Kupplungen zwischen Motor und Getriebe. Wenn alles gut dimensioniert ist, kann man auf einem Kreuzfahrtschiff seinen Champagner trinken, ohne dass die Gläser vibrieren.
Foto: Vulkan Gruppe

In fremden Kundenportalen benötigen sie immer einen eigenen Benutzer, die Kommunikation ist also gekapselt zu betrachten. Solange die Integration in eigene Portale ein Fremdwort ist, werden ihre Kommunikationsprozesse komplexer und intransparenter werden. Der Vorteil liegt bei dem, der das Design und damit die Kommunikationsgrenzen bestimmt. Verfahren sie genauso wie bei ihren Benutzern. Überwiegen die Vorteile beim Kunden, dann müssen sie mitziehen. Dort wo erhebliche Risiken lauern und keine Chancen das ausgleichen, müssen sie ihre Bereitschaft auf ein Minimum beschränken.

Das Dilemma, was ich ihnen jetzt ans Herz lege, liegt wahrscheinlich auf der Hand. Gleichen sie den Mehraufwand, der Ihnen auf der Kundenseite entsteht auf der Lieferantenseite mit eigenen Portalen aus. Sie wissen ja, wer das Design bestimmt, der kann auch die größten Vorteile generieren. Wettbewerbsvorteil 6.

7. Komplexitätstreiber Produktvielfalt

Auch die Erwartungshaltung an die Produktinnovationsgeschwindigkeit hat sich dramatisch erhöht. Im B2B Geschäft werden neben neuen Produktinnovationen aber auch gerne möglichst lange Ersatzteilbevorratungen erwartet. Wächst der Umsatz nicht proportional zur Breite des Produktkataloges mit, sind sie wieder in der Komplexitätsfalle gelandet. Diese Prozesse entwickeln sich gerne schleichend und werden im guten Konjunkturzyklus möglicherweise überlagert, um im Abwärtstrend umso unangenehmer wieder aufzutauchen. Bewerten sie ihr Produktportfolio und handeln sie dementsprechend. Wettbewerbsvorteil 7.

Wenn sie ihre Produktvarianz über eine Plattformstrategie orchestrieren können, dann beherrschen sie bereits die große Klaviatur der Komplexitätsbeherrschung à la Volkswagen. Wenn nicht, dann machen sie sich auf den Weg, auch Volkswagen hat mit kleinen Schritten angefangen.

8. Komplexitätstreiber Datenvielfalt

Daten sind der Rohstoff ihrer Informationsgewinnung - oder nicht? Können sie ihre Informationen beliebig verdichten und damit die Granularität ihrer Entscheidungen bestimmen? Natürlich reicht das nicht aus, d.h. sie benötigen auch Metadatenstrukturen, um ihre Daten gezielt anzureichern. Und sie müssen auch noch in der Lage sein, ihre internen Informationen mit den externen Informationen zu kombinieren, um daraus neues Wissen zu generieren.

Das klingt wirklich komplex und ist es auch. Die Informatiker werden ihnen jetzt schnell belegen können, das sie nur genügend Faktoren kombinieren müssen, um feststellen, dass auch unsere heutigen Systeme schnell überfordert sein werden.

Begrenzen sie also ihre zu betrachtenden Systemwelten und konzentrieren sie sich auf die entscheidungsrelevanten Faktoren und das sind oft nur sehr wenige. Wettbewerbsvorteil 8.

Es werden noch viele Jahre ins Land gehen, bis die Kunst des Rechnens die Kunst des Abstrahierens in den Schatten stellen wird.

9. Komplexitätstreiber Technologie

Industrie 4.0 ist ein Zauberwort. Die Möglichkeiten, die wir alle damit verbinden, sind bestechend, sie fallen uns aber nicht in den Schoß. Um technologische Grenzen zu überwinden, muss man sich mit diesen Technologien auseinandersetzen. Maschinen mit sehr langen Lebenszyklus sollen technologisch mit anderen Prozessen vernetzt werden, die viel kürzeren Lebenszyklen unterworfen sind.

Anforderungen an die man sich früher nie gewagt hätte, stehen jetzt auf der Agenda. Unsere Industrie-Unternehmen werden damit deutlich komplexer werden. Bis wir diese technischen Nüsse geknackt haben und die Daten wie von Geisterhand zwischen den unterschiedlichen Geräten transferieren, müssen wir diese Komplexität beherrschen lernen. Der Lohn wird am Ende vom Anwender geerntet, denn für ihn wird der Datenzugriff geräte- und technologieübergreifend einfacher werden.

Wir haben es hier mit einem wiederholten Phänomen zu tun. Zuerst steigt die Komplexität, weil wir unsere Möglichkeitswelt erweitern. Das hält solange an, bis wir die Komplexität beherrschen und den Nutzen aus den neuen Möglichkeiten generieren können. Nun sinkt die Komplexität, da die Möglichkeiten zu Realitäten werden und die Breite der Möglichkeiten sich nach und nach als Normalität verstetigt.

Peter Klukas ist CIO von der Vulkan Gruppe in Herne. Die Unternehmensgruppe gliedert sich in die drei Divisionen marine Antriebstechnik, industrielle Antriebstechnik sowie Klima- und Kältetechnik. Die Hackforth Holding Verwaltungsgesellschaft mbH erwirtschaftete laut Bundesanzeiger im Jahre 2013 einen Umsatz von 158 Millionen Euro. Das 1889 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 1300 Mitarbeiter an weltweit 20 Standorten. Dazu gehören fünf Produktionsstätten in Deutschland, Brasilien, USA, China und Indien sowie 48 Vertretungen in 51 Ländern.

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