Blick in die Zukunft

Accenture beschreibt die post-digitale Welt

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Ein mit Sensoren ausgestatteter Anzug vermisst den Kunden, sendet die Daten an den Textilhersteller und dieser liefert binnen zehn Tagen maßgeschneiderte Kleidung. Dieser „verstandene Kunde“ ist eines von fünf Merkmalen der post-digitalen Welt, die Accenture in der Technology Vision 2019 skizziert.

"Anspruchsvoll" werden die kommenden Jahre, schreibt Paul Daugherty. Der Chief Technology and Innovation Officer bei der Beraterfirma Accenture skizziert in der "Technology Vision 2019" den Weg ins post-digitale Zeitalter. Das Papier basiert auf Angaben von knapp 6.700 Entscheidern aus 27 Ländern (davon 329 Deutsche). Unter den Studienteilnehmern sind CIOs, Chief Mobility Officer, Chief Technology Officer, Chief Information Security Officer, Chief Strategy Officer sowie IT-Leiter und Leiter Technologie.

In der Technology Vision 2019 stellt die Unternehmensberatung Accenture fünf Trends vor.
In der Technology Vision 2019 stellt die Unternehmensberatung Accenture fünf Trends vor.
Foto: Accenture

Als Vorbild für ein richtungsweisendes Unternehmen nennt Accenture den japanischen E-Commerce-Händler Zozotown. Dieser schickt Neukunden einen Anzug, der mit Sensoren ausgestattet ist, und die Maße des Kunden aufnimmt. Diese Daten werden an Zozotown geschickt und nach maximal zehn Tagen erhält der Kunde maßgeschneiderte Kleidung. Das Unternehmen verstehe es, sein Geschäft um den Kunden herum aufzubauen, kommentieren die Berater.

Was die Nutzung von Sensor-Daten oder anderen Technologien angeht, erklärt Accenture: "Wo digitale Technologiendigitale Technologien vor wenigen Jahren noch entscheidende Wettbewerbsvorteile eröffneten, sind sie heute Standard." Die Verbraucher hätten einen "digitalen Sättigungsgrad" erreicht. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Die Consultants verdeutlichen die Entwicklung anhand von fünf Trends:

1. Durchbruch mit DARQ: Hinter dem Kürzel verbergen sich Distributed-Ledger-Technologien wie die Blockchain. Diese lösen Kontrollinstanzen ab und fördern die Ausbreitung von Business-Netzwerken. Das "A" steht für Artificial Intelligence, die bereits jetzt Prozesse optimiert und bei Entscheidungen unterstützt. "R" für Extended Realities fasst Virtual und Augmented Reality (AR) zusammen und "Q" für Quantum Computing soll besonders komplexe neuen Rechenprobleme lösen.

DHL Supply Chain setzt den Lagerarbeitern AR-Brillen auf

Dazu ein Beispiel: Der Logistiker DHL Supply Chain hat gemeinsam mit dem AR-Spezialisten Ubimax eine Datenbrille für die Lagermitarbeiter eingeführt. Sie bekommen Informationen in die Brille eingeblendet, um gewünschte Artikel schneller zu finden. Damit stieg die Produktivitätsrate in der Kommissionierung um 15 Prozent.

2. Der verstandene Kunde: Auf Basis einer "technologischen Identität" können Unternehmen ihren Kunden deutlich individuellere Angebote vorschlagen als bisher. Der Versandhändler Otto beispielsweise nutzt in seinem Online-Shop Machine-Learning-Algorithmen. Dem Nutzer werden individuelle Kaufempfehlungen eingeblendet, Kundenbewertungen werden nach persönlichen Kaufkriterien sortiert. Dabei sind Firmen in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) im Vergleich zu anderen Regionen an stärkere Datenschutzvorgaben gebunden.

3. Mitarbeiter²: "Digitale Technologie ersetzt den Menschen nicht, sie erweitert seine Möglichkeiten", erklärt Accenture. In der Factory 56 von Mercedes-Benz Cars können die Mitarbeiter Schicht und Arbeitsplatz kurzfristig per App wählen. Sie stehen auch nicht mehr am klassischen Fließband. Autonome Transportsysteme wechseln zwischen Fließ- und Taktbetrieb, Montage und Fördertechnik sind nicht nur miteinander, sondern auch mit Entwicklungs- und Designabteilungen sowie Lieferanten und Kunden vernetzt.

Die Mitarbeiter in dieser Autofabrik der Zukunft nutzen digitale Werkzeuge und kommen dank virtueller Schulungen mit kürzeren Einarbeitungszeiten aus. Knapp acht von zehn befragten Entscheidern (78 Prozent) ist bewusst, dass Unternehmen verstärkt neues Know-how vermitteln müssen.

Darauf "vertrauen", dass die Partner im Ökosystem sicher arbeiten

4. Sicherheit als Teamsache: Wenn sich Unternehmen zu Ökosystemen zusammenschließen, kann sich jede Cyberattacke auf alle verbunden Player auswirken. Damit steht in Sachen Daten- und IT-Sicherheit die Vertrauensfrage im Raum. Weltweit erklären 30 Prozent aller Befragten (Deutschland: 30 Prozent), sie "wüssten", dass ihre Partner ebenso sorgfältig arbeiten wie sie selbst. 56 Prozent dagegen (Deutschland: 54 Prozent) "vertrauen" nur darauf.

SiemensSiemens war das zu wenig: Der Technologiekonzern formuliert gemeinsam mit acht Industriepartnern in einer "Charter of Trust", welche konkreten Cybersecurity-Anforderungen jeder Dienstleister entlang der digitalen Lieferkette erfüllen muss. Dazu gehört beispielsweise eine Ausbildung der Mitarbeiter in puncto IT-Sicherheit. Top-500-Firmenprofil für Siemens

5. Von Momenten zu Märkten: Als Momentmärkte bezeichnet es Accenture, wenn Kunden nicht nur individualisierte Produkte und Services erhalten, sondern diese auch noch im richtigen Augenblick offeriert werden. Sportartikler AdidasAdidas zum Beispiel zielt darauf ab, Marathonläufern Schuhe zu liefern, die nicht nur den genauen Design-Wünschen des Kunden entsprechen. Sie sollen sich auch noch an die Wetterverhältnisse anpassen können, die für den nächsten Wettkampf vorausgesagt werden. Automatisierung, Robotik und 3D-Druck sollen das ermöglichen. Top-500-Firmenprofil für Adidas

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