Strategien


IT-Manager wetten

Adaptive ­Software steuert jeden Prozess

03.03.2017
Von Sven Gábor Jánszky
Sven Gábor Jánszky, Trendforscher und Chairman des 2b AHEAD Thinktank, wettet, dass in fünf Jahren niemand mehr von Industrie 4.0 spricht, sondern vom Predictive Enterprise. Echtzeit reicht nicht mehr, Predictive Enterprises sind schneller als Echtzeit.
Sven Gábor Jánszky, Trendforscher, Chairman des 2b AHEAD Thinktank
Sven Gábor Jánszky, Trendforscher, Chairman des 2b AHEAD Thinktank
Foto: 2B AHEAD ThinkTank

Stellen Sie sich vor, Sie würden morgen aufwachen, und jeder Gegenstand hätte eine eigene IP-Adresse: Ihr Badspiegel, ihre Kinderzimmertapete, Ihr Küchentisch, Ihr ICE-Sitz, Ihr Bürofenster - ganz normale Alltagsgegenstände, die uns umgeben. Auch Spiegel, Tisch, Kaffeetasse und andere Dinge des Alltags.

Schwer vorstellbar? In zehn Jahren werden wohl zirka 100 Milliarden Geräte auf der Erde vernetzt sein. Jeder von uns wird dann in nahezu jeder Situation 30 bis 50 vernetzte Geräte um sich herum haben. Was werden Ihre Kunden von Ihnen verlangen, was wird Ihre Konkurrenz tun, und wie werden Sie reagieren? Ich bin immer wieder überrascht, dass viele Zuhörer meiner Vorträge, auch CIOs, bei dieser Frage zusammen­zucken, als hätte ich gerade eine unglaubliche Hiobsbotschaft verkündet.

Dabei reden wir ja nicht über kommende Jahrhunderte, sondern über das Jahr 2021. Schon seit vielen Jahren steuern wir auf diese ­Situation hin. Damit wird in den kommenden Jahren die Internet-Logik Schritt für Schritt alle Orte und Geräte des Alltagslebens erobern. Und die werden auf diese Weise intelligent: Bildana­lyse, Bild­erkennung und beobachtende Interfaces sorgen dafür, dass Alltagsgegenstände das Verhalten ihrer Benutzer beobachten, diese Real­welt-Daten mit virtuellen Informationen kombinieren und über 3D-Displays in allen ­Varianten jeweils situationsgerechte Informationen in unseren Alltag einspielen. Wir Konsumenten werden diese Techniken nutzen oder auch nicht. Souverän! Ganz wie wir es brauchen: Wir nutzen die Technologie, wenn sie uns hilft, und wir schalten sie ab, wenn wir uns mit weniger "Intelligenz" durch unseren Alltag treiben lassen wollen.

Die wichtigste Auswirkung dieser "intelligenten" Geräte lässt sich in einem Satz zusammenfassen: "Der Tod der Masse"! Das Phänomen der "Masse" wird allmählich aus unserer Gesellschaft verschwinden. Das bedeutet: Es gibt keine "lenkbaren" Horden von Käufern mehr, da deren Einkaufszettel durch individuelle, elektronische Assistenten zusammengestellt werden. Es gibt keine lenkbare Masse an Zuschauern für Werbebotschaften mehr, wenn Fernsehprogram­me und Zeitungen individuell zusammengestellt werden. Und wenn nicht mehr der Einkäufer im Supermarkt sein Warenangebot zusammenstellt, sondern der elektronische Assistent in seinem Handy, dann drohen selbst emotional starke Marken an Wert zu verlieren.

Technische Filter sind klüger als menschliche Filter

Diese Entwicklung ist an sich nicht neu, unser ganzes Leben wird ja von Filtersystemen bestimmt. Auch früher haben wir uns auf Informationsfilter verlassen: auf Lehrer, Redaktionen, Makler, Trainer, Verkäufer, Reiseführer und Berater. Deren Geschäfte basieren auf der asymmetrischen Verteilung von Informationen, das heißt, sie haben Informationen schneller oder in besserer Qualität als wir und verdienen ihr Geld damit, dass sie anderen die Informationen neu sortieren und individualisiert zur Verfügung stellen.

Nun werden wir uns daran gewöhnen, dass technische Filter intelligenter sind als menschliche. Sie bringen uns bessere Ergebnisse! Diese DigitalisierungDigitalisierung wird jedermann in die ­Lage versetzen, zu jeder Zeit auf alle beliebigen Infor­mationen zuzugreifen und dennoch das für ihn Wichtige gefiltert zu bekommen. Jeder Amateursportler trainiert dann mit Profimethoden, jeder Kunde hat das Wissen des Fachberaters, und jeder Fernsehzuschauer bekommt sein individuelles Programm. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Kunden vertrauen auf digitale Assistenzsysteme

Für uns Trendforscher ist dieser Wandel durch die Digitalisierung der klassischen Branchen derzeit der spannendste Bereich. Wir sind uns sicher, dass er unsere Branchen in den kommenden Jahren viel stärker wandeln wird als in den Jahrzehnten zuvor. Der Grund ist recht einfach: Das Vertrauen, das die Basis eines jeden Geschäfts ist, durchlebt derzeit einen radikalen Wertewandel. Waren es vor einigen Jahren noch Marken, ­Berater und Experten, die das größte Kunden­vertrauen genossen, so vertrauen die Kunden künftig in großen Segmenten auf digitale Assistenzsysteme.

Das Verschwinden des Standardsegments

Das führt zu einer durchgreifenden Veränderung aller Märkte. Die ehemalige Marktpyra­mide mit den klar definierten Economy-, Standard- und Premium-Segmenten transformiert sich mittelfristig in nur noch zwei große Marktbereiche: den Economy- und den Premium-­Bereich. Das Standardsegment verschwindet. Ausgerechnet jenes Segment, in dem die meisten von uns das Geschäft gemacht haben.

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Foto: cio.de

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