Jobwechsel

Die wichtigsten Tipps für das Bewerbungsgespräch

20.07.2022 von Cornelia Riechers
Als Bewerber müssen Sie vorbereitet ins Vorstellungsgespräch gehen. Können Sie Standardfragen wie "Warum sollen wir gerade Sie einstellen?" souverän beantworten? Dieser Schnellüberblick bietet die wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung.
Wer seine besonderen Stärken kennt, kann danach potenzielle Arbeitgeber identifizieren und sich auch unabhängig von aktuellen Stellenangeboten vorstellen.
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Auch wenn in der IT-Branche Fachkräftemangel herrscht - Jobsuchende kommen nicht um eine qualifizierte Bewerbung herum. Im Vorfeld sollte eine intensive Recherche zum künftigen Arbeitgeber erfolgen. Erfolgsentscheidend sind auch eine fehlerlose und ansprechende Bewerbungsmappe sowie die richtige Vorbereitung auf das potenziell anstehende Vorstellungsgespräch. Natürlich sollte dann auch die Einstellung der Bewerber stimmen.

Personalexpertin Cornelia Riechers hat die wichtigsten Tipps für Bewerber zusammengestellt. Riechers ist Inhaberin der Agentur Quality Outplacement und hat den Bewerbungsratgeber "So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos" verfasst.

Die eigene Einstellung muss stimmen

Eigeninitiative: ohne Fleiß kein Preis

Der erfolgreiche Bewerber wartet nicht, bis jemand an seiner Haustür klingelt und ihm seinen neuen Job auf dem Silbertablett serviert. Er wird selbst aktiv und setzt alle Hebel in Bewegung.

In seine Bewerbungskampagne investiert er genauso viel Arbeit wie in eine Vollzeitanstellung. Rückschläge verkraftet er gut, weil er immer mehrere Eisen im Feuer hat.

Wer seinen Traumberuf gefunden hat, findet Kraft auch in schlechten Zeiten.

Der erfolgreiche Bewerber weiß, was er will. Er hat das, was er am allerliebsten tut, zu seinem Beruf gemacht. Die Freude an seiner Arbeit gibt ihm immer genug Kraft, um sich und seine Familie damit zu ernähren, auch in schlechten Zeiten. Wenn er in einer Firma seinen Job verliert, findet er im Handumdrehen etwas Neues oder macht sich selbstständig.

Selbstpräsentation: Das rechte Maß

Der erfolgreiche Bewerber knausert nicht und übertreibt nicht. Er tritt bescheiden, jedoch nicht unterwürfig auf und strahlt Selbstvertrauen aus, ohne arrogant oder anmaßend zu wirken.

Die Bewerbungsunterlagen sind so gestaltet, dass der Arbeitgeber seine Eignung für den angestrebten Job erkennt. Der Bewerber legt den Schwerpunkt auf diejenigen Erfahrungen und Kompetenzen, die ihn dafür qualifizieren. Die Vorgaben für die Unterlagen des erfolgreichen Bewerbers:

1. Sein Anschreiben passt auf ein Blatt.

2. Sein Foto misst etwa sechs mal neun Zentimeter.

3. Seine schlichte, praktische Bewerbungsmappe umfasst maximal sieben bis zehn Dokumente.

4. Sein Lebenslauf darf sich über zwei bis drei Seiten erstrecken.

Frage 1
Erzählen Sie mir von einem Vorgang, den Sie für andere dokumentiert haben.
Teamwork
Die Antwort zeigt, wie wichtig dem Bewerber Teamwork ist und ob er sein Wissen anderen zugänglich macht.
Frage 2
Erzählen Sie mir von einem ihrer bisherigen Projekte.
Nicht nur Erfolge feiern
Hier können Bewerber punkten, wenn sie auch auf Herausforderungen, komplexe Aufgaben und Einschränkungen eingehen.
Frage 3
Was könnten Sie mir über Details zur Programmierung von … sagen?
Dahinter könnte sich eine Falle verstecken.
Die soll zeigen, ob ein Kandidat zu einer Wissenslücke steht oder blufft.
Frage 4
Wie würden Sie dieses Thema einem Kollegen erläutern, der kein IT-Experte ist?
Businessnähe zeigen
Hier kann man zeigen, wieviel einem an einem guten Verhältnis von Business und IT liegt.
Frage 5
Sie können ein Projekt entweder rechtzeitig und unvollständig oder vollständig, jedoch nach der Deadline, abschließen. Wofür entscheiden Sie sich?
Nachdenken erlaubt
Eine gute Antwort wäre zum Beispiel, gemeinsam mit Projektleiter und Team nach der besten Lösung zu suchen.

Das richtige Vorgehen für die unterschiedlichen Wege der Jobsuche

Der erfolgreiche Bewerber befasst sich gründlich mit einem Stellenangebot, bevor er es beantwortet. Seine Analyse beginnt ganz oben, bei der Selbstdarstellung des Unternehmens und der Beschreibung der Aufgaben.

Wichtig: Im Anschreiben sollte der Bewerber auf die im Stellenangebot beschriebenen Anforderungen eingehen.
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Er versteht, worauf es bei der ausgeschriebenen Position ankommt, und arbeitet in seinem Anschreiben Punkt für Punkt alles ab, was er in Bezug auf die Anforderungen zu bieten hat. Dabei vergisst er auch seine Englisch- und IT-Kenntnisse nicht.

Zielgruppenbewerbung: Stärken herausfiltern und richtig platzieren

Wer seine besonderen Stärken kennt, kann danach potenzielle Arbeitgeber identifizieren und sich unabhängig von aktuellen Stellenangeboten vorstellen.

Der erfolgreiche Bewerber besinnt sich auf seine besonderen Stärken. Dann findet er heraus, welche Unternehmen Bedarf an seinem Können haben. An diese wendet er sich, lange bevor sie ein Stellenangebot veröffentlichen. So erschließt er den verdeckten Stellenmarkt und verschafft sich dadurch Vorteile.

Alle Möglichkeiten für die Jobsuche nutzen

Der erfolgreiche Bewerber kennt mehr als einen Weg zum neuen Job. Er reagiert auf Angebote in Printmedien und Internet-Jobbörsen, er schaltet auch ein eigenes Stellengesuch.

Die Möglichkeiten der Agentur für Arbeit schöpft er aus, einschließlich der angeschlossenen Institutionen wie ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung). Er geht von selbst auf Unternehmen zu, nicht nur per Telefon, Brief und E-Mail, sondern auch persönlich.

Sein berufliches und privates Kontaktnetzwerk nutzt er, um seinen Aktionsradius zu erweitern. Und er optimiert seinen Auftritt mit der Unterstützung eines Outplacement- oder Karriereberaters.

Vorstellungsgespräch: "Warum sollen wir gerade Sie einstellen?"

Im Auswahlverfahren kann sich der Bewerber von der Konkurrenz absetzen, der sich intensiv mit seinem Arbeitgeber beschäftigt hat.

Klingt einfacher als es ist: Der Bewerber, der seinen künftigen Arbeitgeber davon überzeugt, wie sehr er ihm nutzen kann, kommt leichter an einen Job.
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Im Vorstellungsgespräch zeigt der erfolgreiche Bewerber, dass er sich mit seinem zukünftigen Unternehmen und seiner Tätigkeit dort intensiv beschäftigt hat und dass er die anstehenden Aufgaben lösen kann. Außerdem spürt man seine Freude an genau dieser Arbeit, deshalb hat er die Nase vorn.

Auf gängige Standardfragen wie "Warum sollen wir gerade Sie einstellen?" oder "Was sind Ihre Stärken und Schwächen?" hat sich der erfolgreiche schon im Vorfeld schon eine Antwort einfallen lassen.

Der erfolgreiche Bewerber sieht ein Unternehmen nicht als Anlaufstelle für seine Versorgungsansprüche. Vielmehr agiert er wie ein Verkäufer, der dem Arbeitgeber einen Nutzen bietet und dafür eine Vergütung erhält. Er zeigt dem Unternehmen, was er leisten kann, um dessen Umsätze und Gewinne zu steigern.

Probezeit: "Ohren auf, Schnute zu"

Die letzte Phase der Bewerbung ist die die Probezeit. In der Einarbeitungsphase achtet der erfolgreiche Bewerber vor allem darauf, sich in das bestehende Team einzufügen. Er weiß, dass sein Erfolg nur zu 20 Prozent von seinen fachlichen Leistungen abhängt. Weil er dafür sorgt, dass sein Chef und seine neuen Kollegen ihn mögen, umgibt ihn automatisch auch der Nimbus des Tüchtigen.

Firmenwagen: Polo statt BMW
Was Firmen Bewerbern im Vorstellungsgespräch versprechen, sollten sie auch halten. Sonst ist der Frust groß. Etwa wenn einer IT-Vertriebsexpertin ein 3er BMW versprochen wird, sie aber dann am ersten Tag den Schlüssel für einen VW Polo in die Hand gedrückt bekommt.
Leere Schreibtische ...
... können darauf hinweisen, dass Unternehmen bereits entlassen mussten. Doch bei Restrukturierungen schummeln Firmen oft: Einer Bewerberin fielen die leeren Schreibtische bei einem Rundgang durch die Büroräume auf. Sie wurde mit dem Kommentar "Die Kollegen sind in der ganzen Welt auf Projekten unterwegs" abgespeist. Am ersten Arbeitstag stellte sich heraus, dass die Mitarbeiter schon lange entlassen worden waren.
Wir legen großen Wert auf Weiterbildung
Das sagt sich schnell und kommt im Vorstellungsgespräch bei den umworbenen Kandidaten gut an. Wenn der Satz aber nur für bestimmte Mitarbeiter gilt und nicht für erfahrene Projekt-Manager, die nur als "Cash Cow" beim Kunden eingesetzt werden, ist der Schaden groß.
Sie müssen nicht umziehen!
Das versprach ein IT-Beratungshaus den neuen Mitarbeitern. Schließlich würden Hotel- und Reisekosten von den Projekten getragen. Schnell stellte sich heraus, dass das nicht für Projekte am Stammsitz des Unternehmens galt, so dass die angeworbenen Berater doch die Kisten packen mussten.
Ein Arbeitsvisum für die USA ...
... versprach ein Unternehmen einem IT-Marketingprofi und ließ ihn ohne Visum solange in die USA immer wieder ein- und ausreisen, bis er das Visum nicht mehr beantragen konnte.