Honeypot-Studie

Arbeitgeber werden offener für IT-Bewerber

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Bessere Chancen für Quereinsteiger, gute Chancen für Mitarbeiter aus dem Ausland ohne Deutsch- aber mit Englischkenntnissen – so lauten zwei Ergebnisse der aktuellen Honeypot-Studie.
Der Mangel an IT-Fachkräften und der Drang zur Digitalisierung treibt die Suche nach Tech-Spezialisten und erhöht dabei die Chancen für Quereinsteiger und Mitarbeiter aus dem Ausland - sagt eine aktuelle Studie.
Der Mangel an IT-Fachkräften und der Drang zur Digitalisierung treibt die Suche nach Tech-Spezialisten und erhöht dabei die Chancen für Quereinsteiger und Mitarbeiter aus dem Ausland - sagt eine aktuelle Studie.
Foto: Alex SG - shutterstock.com

Eines haben heute fast alle Unternehmen gemeinsam: Sie brauchen mehr Tech-Fachkräfte. Die Verunsicherung, die durch die COVID-Pandemie seit vergangenem Jahr selbst bei Tech-Talenten noch existierte, gehört der Vergangenheit an. Der War for Tech-Talents ist zurück. Die auf Hightech-Jobs spezialisierte Jobbörse Honeypot hat nun über 1.900 Personalverantwortliche im DACH-Raum befragt, um den Mitarbeiterbedarf zu erfragen, die Offenheit für internationale Talente und ihre Anforderungen an IT-Fachkräfte.

Berufserfahrung statt Sprachkenntnisse

Erstes Ergebnis: Unternehmen im DACH-Raum öffnen sich zusehends für internationale Talente – knapp 90 Prozent sind offen für Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Ausland. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Arbeitgeber laut der Befragung durchschnittlich 7,7 Tech-Talente in diesem Jahr einstellen wollen. Mehr als ein Drittel plant mit neuen Kandidatinnen und Kandidaten im zweistelligen Bereich (14,6 Prozent wollen 10 bis 20 neue IT-Fachkräfte einstellen, 19,9 Prozent planen mit mehr als 20 neuen High-Tech-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern). Dabei herrscht in allen DACH-Ländern ein Mangel an IT-Fachkräften.

Auch Sprachkenntnisse rücken in den Hintergrund: Knapp über die Hälfte der Unternehmen sind aufgeschlossen für ITler, die Englisch, nicht aber Deutsch sprechen. "Noch vor drei oder vier Jahren haben wir mit vielen Betrieben gesprochen, die skeptisch gegenüber Mitarbeitern aus dem Ausland waren – es gab viele Vorbehalte bezüglich Sprache und Kultur, auch bei Softwareentwicklern aus EU-Ländern", erzählt Honeypot-CEO Philipp Goos.

Philip Goos, CEO von Honeypot: "Sprachkenntnisse werden unwichtiger. Für viele zählen vor allem Berufserfahrung und vergangene Projekte."
Philip Goos, CEO von Honeypot: "Sprachkenntnisse werden unwichtiger. Für viele zählen vor allem Berufserfahrung und vergangene Projekte."
Foto: Honeypot

Diese Einstellung habe sich stark verändert, heutzutage seien die Teams schon viel internationaler. Bei Bewerberinnen und Bewerbern aus Nicht-EU-Ländern stehe eher die Frage nach dem Zeitraum für die Arbeitserlaubnis im Vordergrund. Die Studie zeige: "Für viele Unternehmen reichen heute Englisch-Kenntnisse, Berufserfahrung und vorzeigbare, vergangene Projekte," weiß Goos.

"Es muss nicht immer der Universitätsabschluss sein"

Doch nicht nur bei der Herkunft neuer Fachkräfte sind Unternehmen liberaler, sondern ebenso bei deren Ausbildung. "Es muss nicht immer der Universitätsabschluss sein", sagt der Honeypot-Chef. Fast drei von vier Unternehmen seien offen für Autodidakten, die sich das Programmieren selbst beigebracht haben. Absolventen von Coding-Bootcamps zum Beispiel würden nur bei 40,7 Prozent der Befragten in die engere Jobauswahl kommen. Ein Grund hierfür könnte sein, dass solche Camps immer noch als neue Erscheinung in der Branche gelten. Die Studie bestätigt nämlich, dass Personaler bei den Bewerberinnen und Bewerbern zuerst auf die Berufserfahrung und vergangene Projekte schauen – erst dann kommen Ausbildung, Empfehlung durch andere, Weiterbildungen und Einschätzungen des letzten Arbeitgebers. Haben IT-Fachkräfte den Berufseinstieg einmal geschafft, rückt die Ausbildung in den Hintergrund.

Für Unternehmen ist neben dem Fachkräftemangel die rasante Entwicklung der Technik – neue Programmiersprachen, Frameworks, Libraries und Tools – eine große Hürde im Tech-Recruiting. Fast ein Viertel (24,3 Prozent) der Personalverantwortlichen, die über die Einstellung von Tech-Beschäftigten entscheidet, ist sich unsicher in der Bewertung von IT-Fachkräfteprofilen. Dieses Ergebnis hängt wohl mit einer anderen Erkenntnis der Studie zusammen: Über 65 Prozent der Unternehmen haben keinen dedizierten Tech-Recruiter. Richtig sei aber auch, so Goos' Beobachtung, dass viele Recruiting-KanäleRecruiting-Kanäle ineffizient und intransparent seien. Die Suche nach passenden Mitarbeitern, die auch noch offen für einen neuen Job sind, sei komplex und für viele Recruiter nach wie vor frustrierend. Alles zu Recruiting auf CIO.de

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