Burnout-Prävention

Balance finden im beruflichen Alltag

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Termindruck, schlechtes Arbeitsklima, emotionaler Stress – immer mehr Menschen leiden unter steigenden Belastungen am Arbeitsplatz. Doch wie lässt sich das Ausbrennen im Job vermeiden? Wie Führungskräfte und Mitarbeiter mit drei einfachen Schritten wieder ins Gleichgewicht kommen, erläutert Coach-Frau Christine Pehl.
  • Deutschlands Arbeitnehmer leiden unter Stressfaktoren am Arbeitsplatz
  • Um den Stress zu reduzieren reichen beispielsweise fünf bis zehn Minuten Ruhe pro Tag
  • Christine Pehl ist Unternehmensberaterin und Coach und gibt wertvolle Tipps gegen den Stress im Alltag
Deutschlands Arbeitnehmer brennen aus. Um so wichtiger ist ein Ausgleich.
Deutschlands Arbeitnehmer brennen aus. Um so wichtiger ist ein Ausgleich.
Foto: Careers Lounge

Insgesamt 86 Prozent der Beschäftigten leiden unter Stressfaktoren am Arbeitsplatz. Besonders zu schaffen machen den Befragten ständiger Termindruck (38 Prozent), ein schlechtes Arbeitsklima (37 Prozent) und emotionaler Stress (36 Prozent). Überstunden stellen für jeden dritten Arbeitnehmer eine große Belastung dar. Drei von zehn Befragten beklagen eine ständige Erreichbarkeit oder Rufbereitschaften auch nach Feierabend, belegt die Studie "Betriebliches Gesundheitsmanagement 2016", im Auftrag der pronova BKK.

Ablenkungen helfen nicht weiter

"Wir haben nicht gelernt, uns innerlich zu sortieren und gut für uns zu sorgen", erklärt Christine Pehl. Als Unternehmensberaterin und Coach begegnen ihr die Auswirkungen in vielen Unternehmen. "Wir verdrängen alles, was sich unangenehm anfühlt und oft ein Weckruf unserer Psyche ist - wir schauen im wahrsten Sinne fern anstatt nach innen", so ihre Beobachtung. Viele bekämpfen ihre Anspannung mit Aktivitäten wie exzessivem Sport, ruhelosem Arbeiten, dem Glas Wein am Abend oder auch der Einnahme von Aufputschmitteln. "Wir wissen oftmals nicht, wie wir unsere inneren Zustände klären und herausfinden, was für uns sinnhaft ist. Das zeigt sich auch in der massiven Zunahme psychischer Erkrankungen wie Depression oder BurnoutBurnout", weiß die Beraterin aus ihrer Praxis. Alles zu Burnout auf CIO.de

"Wir haben nicht gelernt, uns innerlich zu sortieren und gut für uns zu sorgen"
"Wir haben nicht gelernt, uns innerlich zu sortieren und gut für uns zu sorgen"
Foto: Kaspar Grinvalds - shutterstock.com

Innere und äußere Klarheit

Zwar ist der Markt überschwemmt mit Ratgebern und Tipps für besseres Zeitmanagement und höhere Produktivität, doch helfen diese Anleitungen häufig nicht dauerhaft, den Stresspegel zu senken. In ihren Seminaren stellt die Beraterin den Teilnehmern anfangs die Frage: "Wie können Sie sich innerlich sortieren, um dann im außen klarer zu sein?" Da vielen die Antwort darauf schwerfällt, hat sie eine einfache Anleitung entwickelt, die für jeden umsetzbar ist. Sie empfiehlt drei Schritte:

1. Schritt: In die Stille gehen

Der erste Schritt besteht darin, jeden Tag eine Zeit der Stille als Termin mit sich selbst einzuplanen. Dazu reichen fünf bis zehn Minuten. Es geht darum, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Zu Beginn sollte man eine kleine Reise durch den Körper machen: Wie fühlen sich die Füße an? Warm oder kalt? Sind die Schultern angespannt oder entspannt? Gibt es Druck auf der Brust oder ist der Brustraum eher weit? Im Alltag kommt dann allerdings schnell die Frage auf, woher Führungskräfte oder Mitarbeiter sich im hektischen Tagesgeschehen noch weitere zehn Minuten Zeit nehmen können. "Ein paar Minuten ist man oft auf Facebook oder anderen digitalen Plattformen", entgegnet Pehl. "Nehmen Sie sich stille Zeiten und kommen wieder in Kontakt mit sich selbst."

2. Schritt: Was kann ich weglassen?

Im zweiten Schritt empfiehlt Christine Pehl eine "heilsame Reduktion". Was könnten Sie in Ihrem Leben einfach weglassen? Gerümpel im Keller oder Altlasten im Büroschrank? Unsinnige Gewohnheiten? Langes Fernsehen? Sogenannte "Verpflichtungen", die vielleicht gar keine sind? "Ziel ist es, freie Räume zu schaffen", erklärt die Beraterin.

Christine Pehl ist Unternehmensberaterin und Coach.
Christine Pehl ist Unternehmensberaterin und Coach.
Foto: Careers Lounge

Christine Pehl erzählt von einer Führungskraft, die feststellte: "Ich habe mir angewöhnt, jeden Morgen im Büro am Kaffeeautomaten einen Cappuccino zu holen. Wenn ich ehrlich bin, mag ich ihn gar nicht - er schlägt mir sogar auf den Magen. Und dafür verschwende ich zehn Minuten. Das macht an fünf Tagen die Woche 50 Minuten. Also verbringe ich fast eine Stunde pro Woche mit einer Sache, die mir im wahrsten Sinne des Wortes gar nicht bekommt."

Wertvolle Zeit besser investieren

Beim Reduzieren und Entrümpeln bringen wenige Minuten schon sehr viel Entlastung. Es kommt vor allem darauf an, dass Führungskräfte sich bewusst machen, womit sie gerade ihre wertvolle Zeit verbringen. Und sich überlegen, wofür sie diese Zeit lieber investieren möchten. Weniger ist mehr: Weniger Zeit mit unwichtigen Dingen verbringen, um mehr sinnvolle Sachen machen zu können.

3. Schritt: Sinn, Freude und Genuss finden

Diese freien Räume können - in einem dritten Schritt - mit neuen Inhalten gefüllt werden, die für Sie persönlich Sinn stiften oder einfach Freude und Genuss bringen. Hilfreich ist, eine kleine Liste mit Punkten zu erstellen, die einem wirklich, wirklich wichtig sind. Nehmen Sie sich einen Abend Zeit, um nachzuspüren: "Was sind meine Werte? Was macht mir Freude und bringt Genuss?" Echte Freude bringt eine gute Schwingung, die uns wiederum Kraft zuführt.

Ein komplettes E-Booklet "Burnout-Prävention: Balance finden im beruflichen Alltag" mit konkreten Praxistipps und den drei Schritten zu mehr Gleichgewicht können Interessierte kostenlos auf der Website der CAREERS LOUNGE unter E-Booklet "Balance finden im beruflichen Alltag " herunterladen. Dort finden sich auch viele weitere Artikel, E-Booklets, Interviews und Videos rund ums Thema beruflicher und persönlicher Lebenserfolg.