Web-Industrie

Berlin ist für Startups der Himmel auf Erden

22.07.2013
Von Michael Kroker

Soundcloud und Gidsy

Soundcloud ist eines der vielen Positiv-Beispiele aus der Berliner Gründerszene. Statt nach London oder ins Silicon Valley zogen die beiden Schweden Alexander Ljung und Eric Wahlforrs bei der Gründung vor fünf Jahren an die Spree. "Einer der Gründe, warum wir Soundcloud in Berlin gestartet haben, war die dortige Musikszene", sagt Ljung. "Am Anfang haben wir praktisch jedes Wochenende ausgiebig das Berliner Clubleben genossen - nicht nur aus Spaß, sondern als perfekte Marketingmethode für Soundcloud."

So befruchten sich die verschiedenen Mitglieder der Berliner Szene - Gründer und Investoren, aber auch Musiker und Künstler - gegenseitig. Die Stadt ist hip, kreativ und international. Damit bietet sie einen Nährboden für Firmengründer aus aller Welt. Das sieht auch der Niederländer Edial Dekker so, Gründer des Internet-Neulings Gidsy, in den Hollywood-Mime Kutcher Teile seiner Gage gesteckt hat. Gidsy ist ein Online-Reiseführer mit angeschlossenem Internet-Marktplatz für spezielle Dienstleistungen, etwa Weinproben.

Dekker sitzt mit seinem Team von elf Leuten unter dem Dach einer Fabriketage in Kreuzberg nahe dem Kottbusser Tor - in "Silicon Kotty", wie Dekker die Gegend wegen ihrer Startup-Dichte nennt. "Berlin ist günstig, verändert sich ständig, zieht kreative Leute an und es gibt kein Establishment", sagt der 27-Jährige. Entsprechend unkonventionell hat er offenbar Kutcher als Investor gewonnen. "Ich habe ihm Passwort und Benutzername von Gidsy per E-Mail geschickt, damit er’s ausprobieren kann", erzählt Dekker.

Der Brutkasten für Internet-Start-ups

Geschwindigkeit, Zusammenarbeit und Kreativität sind das Markenzeichen der Region rund um Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Mitte und Kreuzberg. Einen der Antriebsmotoren nennt Florian Heinemann, Geschäftsführer des vom Otto-Konzern finanzierten Inkubators Project-A Ventures: "In Berlin", sagt Heinemann, "gibt es so etwas wie die Jamba-Mafia." Damit spielt Heinemann an auf die sogenannte Paypal-Mafia in den USA.

So nennt die Internet-Szene ironisch die Gründer des gleichnamigen Online-Bezahldienstes, zu ihnen gehören der Deutsche Peter Thiel und der Amerikaner Reid Hoffman. Sie steckten nach dem Verkauf von Paypal an das Online-Handelsportal Ebay für rund 1,5 Milliarden Dollar 2002 ihr Geld in weitere Neugründungen; Hoffman finanzierte zum Beispiel das inzwischen börsennotierte Karrierenetzwerk LinkedInLinkedIn. Alles zu LinkedIn auf CIO.de

Zur Startseite