Healthcare IT


Digitalisierung des Gesundheitswesens

Charité-CIO Peuker nimmt Kurs auf personalisierte Medizin

Schreibt und recherchiert Führungs- und Karrierethemen - in der Redaktion von CIO-Magazin und COMPUTERWOCHE. Ihre Schwerpunkte sind CIOs, IT-Karrieren und -Nachwuchs, Führung, New Work und Diversity.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Setzt sich für mehr Frauen in der IT ein.

Warum ist gerade der Bereich Forschung und Lehre so modern?

Martin Peuker: Weil er von jungen Leuten getrieben ist. Daher muss die IT auch mitberücksichtigen, dass sie Enabler der digitalen Transformation ist - Stichwort Big DataBig Data oder Edge Computing - und dass sie selbst von der digitalen Transformation betroffen ist und ihre Wertschöpfung etwa via Cloud ComputingCloud Computing digitalisiert. Alles zu Big Data auf CIO.de Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Robuste IT-Strukturen

Welchen Beitrag leistet Ihre IT-Organisation, um die Innovationsprozesse im Unternehmen voranzubringen?

Martin Peuker: Zum einen durch die Unterstützung der Organisations- und Prozessentwicklungen: Die IT-Organisation ist umfassend in die Entwicklung der Gesamtstrategie der Charité eingebunden. Dabei ist die IT aufgrund ihrer Erfahrungen im Change-Management, ihrer Zertifizierung nach 9001:2015 und der Ausprägung ihrer Two-Speed-IT - das heißt robuste IT-Strukturen im Bereich der bekannten Best-Proven-Practice und Bau von 'IT-Schnellbooten' im Bereich von 'Emerging Practices' - federführend bei der strukturellen Anpassung der Charité an neue digitale Prozesse und ihrem Weg durch die digitale Transformation.

Und zum anderen?

Martin Peuker: Durch den inhaltlichen Quantensprung zur 'personalized medicine'. Wichtiger als die Beteiligung an diesen eher inkrementellen Veränderungsprozessen ist die aktive Steuerung der grundsätzlich neuen Positionierung technologischer Lösungsansätze der Charité. So bereiten sich weltweit alle Gesundheitssysteme auf die digitale Transformation vor. Hierbei geht es nicht mehr nur um den Austausch von Behandlungsergebnissen in Form von Dokumenten oder fragmentierten Dateninseln, sondern zunehmend um die gemeinsame Nutzung großer Mengen strukturierter Daten.

Wo liegen da die größten Herausforderungen?

Martin Peuker: In der Datenhaltung, die derzeit nicht auf die Anforderungen der algorithmenbasierten, digitalisierten Medizin ausgerichtet ist und auch starke KI-Ansätze nicht wirklich stützen kann.

Welche Rolle spielt dabei Ihre Health Data Platform (HDP), die am Krankenbett erhobene Daten mit denen aus der Grundlagenforschung verknüpft?

Martin Peuker: Die HDP ist ein erster Schritt, um hier eine neuartige Ausrichtung vorzubereiten. Diese gilt es durch Integration von umfassenden, aktuellen und einheitlichen Daten sowie der dafür benötigten digitalen Werkzeuge zur Einführung eines stringenten Wissenskreislaufs von Forschungsergebnissen zu Heilbehandlungen (translationale Forschung) fortzusetzen. Die IT wird sich dafür einsetzen, die ganzheitliche und abgestimmte medizinische IT-Infrastruktur zu erweitern, um langfristig und nachhaltig Innovationen und Marktmechanismen zu begünstigen. Nur so kann letztlich der behandelnde Arzt in seiner individuellen Patientenbetreuung sinnvoll und dauerhaft gefördert werden.

Health Data Platform (HDP)
Über die HDP werden Daten, die am Krankenhausbett erhoben werden, möglichst schnell mit Daten aus der Grundlagenforschung, besonders in der Genom-Analyse, verknüpft. Daraus soll ein Mehrwert für die Patienten gewonnen werden. Zudem geht es auch darum, Daten aus der Behandlung über pseudonymisierte oder anonymisierte Algorithmen der Grundlagenforschung zur Verfügung zu stellen.

Das Gesundheitswesen steht also vor einem komplett neuen Kapitel mit Hilfe der IT?

Martin Peuker: Der Paradigmenwechsel von einer hypothesengetriebenen zu einer datengetriebenen medizinischen Behandlung ist das Fundament der fortschreitenden personalisierten Medizin, für welche die IT mit Hilfe der Verbindung klinischer Routinedaten mit allen vorhandenen Datenquellen von der Genomik bis hin zu lebensstil-relevanten Faktoren und Umwelteinflüssen sowie intelligenten Big Data Analyse-Tools und entsprechenden IT-Infrastrukturen ein längst überfälliges Grundlagenmodel liefern kann.

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