Führungskräfte bei Trivago

Chefs ohne Titel und Vorzimmerdame

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.

Peer-Boni zum Glück aller

Schluss mit Durchsichtig ist allerdings bei den Gehältern. Anders als etwa der 26-jährige Leo Widrich, der in seinem Start-Up Buffer alle Gehälter offen legt, hält sich Trivago in diesem Punkt bedeckt. Drüing nennt dafür zwei Gründe. Zum Einen spricht sie von Geld als extrinsischer Motivation, die bei Trivago nicht im Mittelpunkt stehen solle.

Daher verknüpft das Unternehmen auch keine Boni mit Zielen. Zum Anderen sagt sie: "Ich bin nicht sicher, ob vergleichen hilft. Es ist doch besser, man konzentriert sich auf sich selbst." Das Unternehmen wolle "fair nach Leistung" bezahlen. Trivago zahlt situative Ad-hoc-Boni, zusätzlich erarbeitet Drüing derzeit ein Peer-Bonus-Programm. Warum Peer-Boni? Weil Analysen gezeigt hätten, dass es Menschen glücklich macht, Anderen Gutes zu tun.

Wer bei all den Tools nun aber glaubt, Trivago sei ein durch und durch digitalisiertes Unternehmen ohne "echten" Kontakt, der irrt. Zwar hat Firmengründer Rolf Schrömgens die ersten Mitarbeiter per Skype rekrutiert. Und bei der engeren Auswahl der Bewerber spielt das Tool nach wie vor eine wesentliche Rolle. "Aber bevor wir ein Angebot machen, lassen wir die Leute natürlich nach Möglichkeit einfliegen", sagt Drüing, "Rekrutierung ist ja ein beidseitiger Prozess, die Kandidaten sollen sich auf jeden Fall kurz bei uns einfühlen."

Länger einfühlen dürfen und sollen sich alle Mitarbeiter. Wer mindestens ein Jahr dabei ist, darf vier Wochen im Jahr an einem anderen Standort arbeiten. Trivago zahlt Flüge und Unterkunft. "Palma ist sehr beliebt", schmunzelt Drüing. Trotz aller Tools bleibe der persönliche Kontakt eben doch der wichtigste. Auch virtuelle Teams kooperieren besser, wenn sich die Kollegen ab und an sehen und sich persönlich die Hand schütteln. Damit sie das nicht nur auf Arbeit tun, veranstaltet Trivago neben den Weihnachts- und Sommerfesten einmal pro Jahr einen viertägigen Betriebsausflug an. "Wo es hingeht, das ist immer eine Überraschung", lacht Drüing.

50.000 Bewerbungen im Jahr

Etwa 50.000 Bewerbungen erhält Trivago pro Jahr. Zehn Kollegen treffen eine Vorauswahl und unterstützen die Fachabteilungen in ihrer Entscheidung für den richtigen Kandidaten.

Die junge HR-Managerin räumt ein, dass das Unternehmen mit dieser emanzipatorischen Kultur in seiner gut zehnjährigen Geschichte noch keine Feuerprobe bestehen musste. "Große unpopuläre Entscheidungen mussten wir noch nie treffen", weiß Drüing. Sollte das nötig werden, glaubt sie wiederum an den Wert Transparenz. "Ich würde die Dinge dann wie immer in ihrem Kontext darstellen", sagt sie, "also möglichst frühzeitig erklären, warum etwas so entschieden wird." Ihr Tipp an Führungskräfte: "Nie im stillen Kämmerlein wursteln!"

Die junge HR-Managerin räumt ein, dass das Unternehmen mit dieser emanzipatorischen Kultur in seiner gut zehnjährigen Geschichte noch keine Feuerprobe bestehen musste. "Große unpopuläre Entscheidungen mussten wir noch nie treffen", weiß Drüing. Sollte das nötig werden, glaubt sie wiederum an den Wert Transparenz. "Ich würde die Dinge dann wie immer in ihrem Kontext darstellen", sagt sie, "also möglichst frühzeitig erklären, warum etwas so entschieden wird." Ihr Tipp an Führungskräfte: "Nie im stillen Kämmerlein wursteln!"

Auch Trivago wurde in diesem Jahr zu den besten ITK-Arbeitgebern Deutschlands gewählt. Schauen Sie, wer noch dazu gehört.

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