Dell-Chef Paté im Gespräch

CIOs gehören in den Vorstand

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO sowie Chefredakteur der europäischen B2B-Marken von IDG. Er kümmert sich um die inhaltliche Ausrichtung der Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. 

Wird der CIO auch derjenige sein, der digitale Innovationen vorantreibt? Oder müssen diese aus dem Business kommen? Vielleicht sogar von einem Chief Digital Officer (CDO)?

Paté: Auf jeden Fall. Erinnern Sie sich nur an die Bankenszene vor einigen Jahren. Dort erfand das Business laufend neue Produkte, und die IT hechelte hinterher. Sie musste Software schreiben oder Plattformen bauen, damit die neuen Produkte im Front Office verkauft werden konnten. Das hat dazu geführt, dass die Banken im Backend nichts veränderten. Sie harrten in ihrer vorhandenen Mainframe-Welt aus und entwickelten dort viele Dinge, die am Ende keinen Beitrag zum Geschäft brachten.

Heute tun sich viele Banken auch deshalb wahnsinnig schwer. Eine niederländische Bank wollte zum Beispiel ihr über viele Jahre bewährtes Geschäftsmodell in Richtung As-a-Service umbauen. Das führte zu vielen Problemen, schließlich waren Massenentlassungen nicht mehr zu vermeiden. Hier wäre ein CIO gut gewesen, der seine Rolle auch als CDO versteht und der Entwicklung nicht nur die richtige Richtung, sondern auch die nötige Agilität gibt.

Gerade die vielen Mittelständler in Deutschland mit ihren oft schwankenden Geschäftsverläufen brauchen eine atmende IT-Infrastruktur, sagt der Dell-Chef.
Gerade die vielen Mittelständler in Deutschland mit ihren oft schwankenden Geschäftsverläufen brauchen eine atmende IT-Infrastruktur, sagt der Dell-Chef.
Foto: Dell Technologies

Lassen Sie uns über Ihre Strategie bei Dell Technologies reden. Sie haben ziemlich viel Wind um Ihre neue Lösung APEX gemacht. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Paté: Wir wollen unseren Kunden möglichst viel Flexibilität und Einfachheit im Zugang zu unseren Lösungen verschaffen und in der Art und Weise, wie sie diese nutzen. Mit APEX bieten wir ein As-a-Service-Modell an, das drei Vorteile bietet: Einfachheit, Agilität und Kontrolle. Einfachheit heißt: Wir managen, supporten und warten die IT für unsere Kunden. Agilität bedeutet: Wir ermöglichen ihnen, sich auf die dynamischen Veränderungen in ihrem Geschäft schnell einzustellen. Die Kunden erhalten die Elastizität, in ihrem Geschäft zu wachsen, aber auch mal zu schrumpfen.

IT muss mitwachsen

Wir bilden uns bestimmt nicht ein, mit diesem Ansatz die Welt zu verändern. Sicher werden wir auch in Zukunft Kunden haben, die Systeme klassisch einkaufen und ihr Capex-Modell weiter nutzen. Aber ich sagte es bereits: Immer mehr Kunden wollen agil und flexibel agieren. Sie wollen sicher sein, dass sie eine IT haben, die sie zu 100 Prozent unterstützt, egal wie schnell sie wachsen.

In Deutschland ist der Mittelstand besonders wichtig. Da gibt es Betriebe mit 600 Mitarbeitern, die nach Argentinien, Südkorea oder in die USA exportieren. Wenn diese Firmen einen Auftrag haben, der sie mit aller Kraft für sagen wir sechs Monate in eines dieser Länder liefern lässt, dann brauchen sie möglicherweise mehr IT-Kapazitäten. Folgt dann eine Phase, in der sie sich in einem ruhigeren Fahrwasser bewegen, zum Beispiel zwischen zwei Aufträgen, dann brauchen sie weniger Kapazitäten.

Der dritte Vorteil von APEX ist die Kontrolle. Unsere Kunden haben die Kontrolle über ihren Betrieb und wissen, wo Ressourcen verfügbar sind, wer sie betreibt und wer welche Zugriffsrechte hat. Das ist ein großer Unterschied zu dem, wie es früher gelaufen ist. Denken Sie an die Kunden, die alle Verantwortung an Outsourcer übertragen hatten, dann ihre Meinung änderten und für viel Geld alle Aufgaben wieder eingliedern mussten, um die Kontrolle über ihre IT und Daten zurückzugewinnen.

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