Dell-Chef Paté im Gespräch

CIOs gehören in den Vorstand

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO sowie Chefredakteur der europäischen B2B-Marken von IDG. Er kümmert sich um die inhaltliche Ausrichtung der Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. 

Reden wir über Dell Technologies in Deutschland. Wie ist Ihr Unternehmen bislang durch die Covid-Krise gekommen?

Paté: Glücklicherweise konnten wir uns sehr schnell auf die neuen Herausforderungen einstellen. Remote Work beispielsweise war für Dell Technologies alles andere als neu, da wir bereits seit mehr als zehn Jahren flexible Arbeitsmodelle anbieten. Ungefähr 20 Prozent unserer Belegschaft hatten schon vorher regelmäßig von zu Hause gearbeitet, und viele Kolleginnen und Kollegen waren mobiles Arbeiten im Hotelzimmer, im Auto, beim Kunden oder im Flughafen schon gewohnt. Die Mitarbeiter dann von einem Tag auf den anderen ins Home-Office zu schicken, war keine große Herausforderung für uns.

Wichtiger waren aus meiner Sicht die weichen Faktoren. Alle Manager bei Dell Technologies waren gehalten, nahe an ihren Leuten zu sein. Dabei ging es nicht um die Einrichtung der Arbeitsplätze mit Rechner, Docking-Station, VPN etc. Es ging um die Frage: Wie lässt sich unter den neuen Gegebenheiten der Arbeitstag optimal organisieren? Der Schlüssel zum Erfolg lag darin, die Mitarbeiter zu befähigen, ihre Kundenkontakte aufrecht zu erhalten, ihre Meetings durchzuführen und weiter produktiv zu sein. Um dorthin zu kommen, haben wir eine Übergangsphase von schätzungsweise drei bis vier Wochen gebraucht.

Aus meiner Sicht ist es in einer solchen Ausnahmesituation wichtig klar zu machen, dass niemand perfekt sein muss. Heute stehen wir morgens auf, duschen, trinken unseren Kaffee und starten dann gleich mit unseren E-Mails. Wir werden von unserem Arbeitsalltag aufgesogen, und das birgt Risiken. Wir merken nicht, dass wir längst im heißen Wasser sitzen und die Temperatur ständig weiter steigt. Das Risiko eines Burnouts oder einer psychischen Erkrankung ist erheblich.

Mentale Gesundheit nicht aus den Augen verlieren

Deshalb war es für uns hier in Deutschland wichtig, genau auf die Mitarbeiter zu schauen und aufzupassen, dass sie sich nicht komplett von ihrer Arbeit bestimmen lassen. Ein Zoom-Meeting nach dem anderen, und dann noch private Belastungen wie Home-Schooling oder Altenpflege - da ist es sehr wichtig, die mentale Gesundheit nicht aus den Augen zu verlieren.

Wie planen Sie Ihre Arbeitswelt für die Zeit nach der Krise?

Paté: Das hängt natürlich von den Aufgaben ab, und nicht jeder kann fünf Tage in der Woche von Zuhause arbeiten. Wir haben unsere Leute gefragt und herausgefunden, dass ungefähr 60 Prozent ins Office zurückkehren möchten, aber sicher nicht in der gleichen Art und Weise wie früher. Vermutlich werden manche Mitarbeiter drei Tage ins Büro kommen, andere nur einen Tag - wir werden das flexibel handhaben. Wichtig ist, dass wir unsere Büros entsprechend organisieren - beispielsweise mit Hot Desks, die nach Bedarf gebucht werden können.

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