Über Lizenzen, Knebelverträge und Moral im Software-Geschäft

"Closed Source ist ein Auslaufmodell"

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.

Worauf stützen Sie das?

Ein Open Source Zulieferer kann nur durch gute Arbeit überzeugen und am Markt bleiben. Er hat sonst keine Hebel beziehungsweise Knebel wie Lizenzverträge, die er ansetzen kann, um den Kunden an sich zu binden oder Konkurrenten vom Markt fernzuhalten. Auf der anderen Seite spart ein solcher OSS-Zulieferer enorm daran, dass er keine technische Lizenzüberwachung einbauen muss, das ist die Quelle sehr vieler technischer Probleme. Außerdem steckt er das Marketingbudget nicht in Heerscharen von Vertrieblern, sondern in die Entwicklung der Software selbst.

Sie argumentieren darüberhinaus gern mit dem Stichwort Moral …

Waren und Dienstleistungen haben ihren Preis. Sie werden erbracht oder produziert und dazu benötigt man knappe Ressource, sogenannte betriebswirtschaftliche Produktionsfaktoren. Das ist bei der Softwareproduktion nicht anders, allerdings bezahlt der Kunde nicht den Wert der Dienstleistung oder des Produktes zu Faktorkosten, sondern er zahlt ein immaterielles Nutzungsrecht. Mit welcher Berechtigung wird der Kunde "abgezockt"?

André Mindermann ist Vorstandsvorsitzender des Ticket Request Systems OTRS AG. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben mit mehr als 60.000 Installationen in 26 Sprachen die weltweit führende Servicedesk Lösung.

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