Interview mit Richard David Precht

"Da hat Moral keinen Platz"

11.02.2013
Von Sven Ohnstedt
Prof. Dr. Richard Precht: "Sparen können Staaten sowieso nicht."
Prof. Dr. Richard Precht: "Sparen können Staaten sowieso nicht."
Foto: Foto Vogt

Stichwort: Finanztransaktionssteuer.

Eine solche Steuer benötigen wir dringend und wir werden sie auch bekommen.

Wieso benötigen wir sie dringend?

Sie ist ungemein wichtig, um Schulden zurückzuzahlen. Berechnungen zeigen auf, dass, wenn aufgrund der Finanztransaktionssteuer etwa 75 Prozent des Börsenhandels zum Erlöschen kommt, noch immer Steuern in Höhe von 300 Milliarden Euro anfallen - alleine in Deutschland. Wir würden folglich den Bereich, in dem das meiste Geld ohne Leistung erbracht wird, ein klein wenig zur Kasse bitten, damit diese Gesellschaft gesund in die Zukunft gehen kann. Wie gesagt: Dazu wird es kommen, aber eben langsam.

"Die Verlierer sind die Kleinen"

Wieso sind Sie sicher, dass es so kommen wird?

Weil es dazu keine Alternative gibt. Alle anderen Möglichkeiten, die wir in der europäischen Schuldenkrise in Betracht ziehen, würden soziale Unruhen nach sich ziehen.

Das müssen Sie erklären.

Nun, wir können die Schulden nicht streichen, da es zu Banken-Crashs führt. Das ist beispielweise ein Riesenproblem für alle, die private Altersvorsorgen haben. Wir können die Schulden auch nicht abschmelzen, indem wir die Inflation erhöhen. Das ist ein gefährliches Geschäft. Die Verlierer sind die Kleinen. Und sparen können Staaten sowieso nicht.

Wieso nicht?

Die kapitalistische Wirtschaft sieht Sparen nicht vor. Mögliche Folgen von Austerität stellen ebenfalls soziale Unruhen dar.

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