Samsung

Das Fiasko mit dem Galaxy Note 7 und die Folgen

25.01.2017
Die Akku-Brände beim Galaxy Note 7 fügten Samsung einen deutlichen Imageschaden zu. Umso mehr sah sich der Apple-Konkurrent gezwungen, die genauen Ursachen der Fehler zu nennen.
Mit der Vorstellung des nächsten Smartphones nimmt sich Samsung nun mehr Zeit.
Mit der Vorstellung des nächsten Smartphones nimmt sich Samsung nun mehr Zeit.
Foto: Lisa-Lisa - shutterstock.com

Samsung zufolge waren es die Batterien, die zum Debakel mit dem SmartphoneSmartphone Galaxy Note 7 führten. Der Marktführer will die Untersuchung nutzen, um die Qualitätskontrolle bei Akkus und Geräten zu verbessern. Für den Smartphone-Weltmarktführer steht viel auf dem Spiel. Die Einführung des nächsten Spitzenmodells könnte zeigen, wie sehr die Kunden dem Unternehmen noch vertrauen. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Was sind die Gründe für die Brände gewesen?

Schon bei der ersten Rückrufaktion im vergangenen September nannte Samsung fehlerhafte Akkuzellen als wahrscheinliche Ursache für die Brände des Note 7. Dies bestätigte Samsung nun nach monatelangen eigenen Analysen sowie Überprüfungen durch drei unabhängige Industrie-Organisationen. Demnach traten die Defekte sowohl beim Design als auch bei der Herstellung der Batterien auf.

Wie kommt es aber, dass auch die Akkus der Ersatzgeräte Feuer fingen?

Beim Batterietyp des ersten Zulieferers verursachte ein Designfehler einen Kurzschluss, der dann wiederum dazu führte, dass sich die Akkus erhitzten oder dass Brände ausgelöst wurden. Beim zweiten Typ führten laut Samsung die Defekte in einem anderen Teil des Produkts zu ähnlichen Ergebnissen. Die Fehler seien entstanden, "weil wir für das Note 7 mit mehren Funktionen stärkere Akkus brauchten, und die Batterie-Hersteller wandten neue Produktionsmethoden an", sagte Spartenchef Koh Dong Jin.

Warum veröffentlicht Samsung den ausführlichen Ursachen-Bericht?

Samsung geriet durch das Debakel stark unter Druck, die genauen Ursachen zu benennen. Der Aufwand für die Untersuchungen, bei denen mehr als 200 000 Geräte geprüft worden sein sollen, zeigt auch, wie kompliziert die Suche nach der Fehlerquelle bei dem High-Tech-Gerät ist. Es ging dabei nicht nur um die Akkus, sondern auch um die Frage, ob es bei Hardware und Software des Gerätes ebenfalls Fehler gab. Das schloss Samsung jetzt aus. Die Firma ist gezwungen, offen mit den Problemen umzugehen, weil das nächste Smartphone-Spitzenmodell Galaxy S8 bereits in Entwicklung ist. Es kommt Samsung auch darauf an, verloren gegangenes Vertrauten der Kunden zurückzugewinnen.

Wie geht es weiter bei Samsung?

Samsung will trotz des Debakels an der Note-Serie festhalten. Wann allerdings das nächste Phablet - eine Mischung aus Smartphone und Tabletcomputer - herauskommt, ist unklar. Auch zur Markteinführung der neuen Generationen der S-Reihe macht Samsung noch keine Angaben. Am Montag schloss Spartenchef Koh aus, dass das Galaxy S8 wie sonst üblich beim Mobile World Congress Ende Februar gezeigt wird. "Das Galaxy S8 wird ein Schlüsselprodukt für die Zukunft von Samsung ElectronicsSamsung Electronics sein", urteilte Analyst Lee Seung Woo vom Wertpapierhaus IBK Securties in Seoul. Es sei sehr wichtig für das Unternehmen, mögliche Produktprobleme auszuschließen. Samsung werde aber versuchen, beim Marketing aggressiv aufzutreten, prognostiziere Lee. Top-500-Firmenprofil für Samsung Electronics

Wie will Samsung ähnliche Probleme in Zukunft vermeiden?

Das Unternehmen kündigte strengere Sicherheitschecks ein. So gibt es einen Acht-Punkte-Plan für die Überprüfung von Batterien. Zu üblichen Maßnahmen wie Haltbarkeitsprüfungen sollen Lade- und Entladetests und hinzukommen. Daneben gründete das Unternehmen eine "Akku-Beratergruppe" mit externen Fachleuten.

Warum hat die Untersuchung so lange gedauert?

Samsung hatte bei der Prüfung drei externe Unternehmen mit ins Boot geholt, darunter auch den TÜV Rheinland. Jedes kleinste Detail wurde geprüft. Das Problem mit den Akkus aus Samsungs eigener Herstellung schien zunächst relativ schnell gefunden. Überraschend waren aber auch Ersatzakkus in Brand geraten. Für sie hatte Samsung extra einen anderen Hersteller beauftragt, Amperex aus Hongkong. Letztlich erbrachte die Analyse, dass bei dem ersten Akku eine Verformung die Ursache für die Brandgefahr war, bei dem anderen kam es zu einer Entladung auf einer Elektrode, was zum Schmelzen des Kupfers führte.

Warum sind Akkus überhaupt feuergefährlich?

Lithium ist ein recht instabiles Leichtmetall, das schnell reagiert. An der Luft kann sich das Element schon bei Raumtemperatur entzünden. Für die Energielieferung in mobilen Geräten sind Lithium-Ionen-Akkus jedoch weiter unverzichtbar. Eine Herausforderung besteht heute darin, dass mobile Geräte immer kleiner, leichter und dünner werden - und der Raum für die Akkus schwindet. Dabei sollen sie bei stetig wachsendem Funktionsumfang immer leistungsfähiger werden.

Sind also Akkus an sich nicht ungefährlich?

Lithium-Ionen-Akkus gelten als Gefahrgut - werden jedoch in fast allen elektronischen mobilen Geräten verwendet. Seit der Erfindung in den 90er Jahren wurde die Herstellung und die Kontrollen aber immer weiter verbessert. In der Vergangenheit gab es dennoch immer wieder Geräte, die sich entzündeten oder andere Hitzeprobleme aufwiesen. Eines der zuvor größten Debakel erlebte Sony, als der japanische Konzern 2006 rund zehn Millionen Notebooks vom Markt nehmen musste, kurz darauf wurden auch 4,1 Millionen Laptops des texanischen Herstellers Dell mit Sony-Akkus zurückgerufen. Sony hat das Batterie-Geschäft inzwischen verkauft. (dpa/rs)

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