Retail IT


Elektronische Preisschilder

Das neue Gesicht des Einzelhandels

07.03.2018
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Uwe Ritschel schreibt als Experte zu den Herausforderungen des  Einzelhandels. In seiner nunmehr fünfzigjährigen Tätigkeit hat er alle Facetten der Branche kennengelernt. Sein Weg führte vom Einkäufer und Abteilungsleiter bis ins Management eines großen Handelsunternehmens. Ritschel beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken durch die Digitalisierung des Handels. Damit ist er heute ein gefragter Experte für Händlergemeinschaften und City-Marketing.

Wer geglaubt hat, dass der Online-Handel den Einzelhandel und die Fußgängerzone zum Showroom degradieren werde, hat nicht mit der Wandlungsfähigkeit des stationären Handels gerechnet. Seine Zukunft liegt im Zusammenspiel von traditionellem Ladengeschäft und digitaler Technologie.

"Electronic Shelf Lable", kurz ESL genannt, ist eine der Technologien, die dem Einzelhandel vor Ort ein neues Gesicht geben. Warenaufmachung ist nicht nur die richtige Positionierung eines Artikels - nein, es gehört auch eine saubere Preisauszeichnung dazu. Und, wo immer es notwendig ist, gehört auch ein erklärender Text dazu. "Zu jedem Artikel ein liebes Wort", das ist eine alte Kaufmannsweisheit.

Nehmen wir hier als Beispiel einen großen Supermarkt, der 10.000 bis 15.000 Artikel im Angebot hat. Sonderangebote sollen herausgestellt werden und Neuheiten müssen ihre Vorzüge schon am Regal anpreisen. Dazu kommen noch erklärungsbedürftige Artikel, die sich so nicht von allein verkaufen lassen. Das alles ist mit ESL - auch bekannt als elektronisches Preisschild oder digitales Preisschild - nun auf Knopfdruck möglich.

Bisher sind Ladengeschäfte mit digitalen bzw. elektronischen Preisschildern noch dünn gesät. Der 2014 runderneuerte Saturn-Markt in Ingolstadt besitzt solche Vorrichtungen.
Bisher sind Ladengeschäfte mit digitalen bzw. elektronischen Preisschildern noch dünn gesät. Der 2014 runderneuerte Saturn-Markt in Ingolstadt besitzt solche Vorrichtungen.
Foto: Media-Saturn

Die Technik

Um die Wareninformationen auf Knopfdruck zu ändern, benötigt der Händler

  • ein ESL-System, das mit dem Warenwirtschafts- oder Kassensystem gekoppelt wird,

  • einen Access Point, vergleichbar mit einem Router aus der Telekommunikation, und

  • das elektronische Preisschild an der Ware.

Für die Technik hat sich die ePaper-Technologie durchgesetzt. Eine Technologie, die viele bereits vom eBook Reader kennen Mit dieser Technik ist es möglich, Bildpunkte in Schriften, Zahlen und auch Logos umzuwandeln. Die Dot-Matrix Technologie geht sogar noch einen Schritt weiter und arbeitet mit einem voll grafikfähigem Display.

Die Schilder selbst werden von einer Knopfbatterie gespeist, die bei fünf Aktionen pro Tag, circa fünf Jahre halten kann. Strom wird nur verbraucht, wenn das Preisschild vom Server angesprochen wird. Die Technik funktioniert von 10 bis 50 Grad plus ohne Probleme.

  • Für gekühlte Ware und den Tiefkühlbereich gibt es modifizierte Preisschilder, welche man bei Bedarf, in das Gesamtsystem mit einbauen kann.

  • Bei Frischware werden extra versiegelte Preisschilder verwendet, um der HACCP-Verordnung (Hygieneverordnung für Lebensmittelsicherheit) gerecht zu werden.

  • Für den Außenbereich, zum Beispiel bei Gartencentern oder Baumärkten werden ebenfalls diese versiegelten und wetterfesten Displays verwendet.

Wind und Wetter, sowie Temperaturen unter null Grad drücken aber nur unwesentlich auf die Lebensdauer der Batterien. Fünf Jahre bei nur drei Aktionen täglich werden auch erreicht. Das ganze System arbeitet per Funk, je nach Hersteller oder Technologie, über die Frequenzen 433 THz, über 866 MHz oder auch über ein schnelles 2,4-GHz-Netzwerk, welches eine bidirektionale Verbindung zum Preisschild am Regal aufbaut. Dadurch ist sichergestellt, dass alle Preis- oder Textänderungen sicher am richtigen Preisschild ankommen. Eine Schnittstelle zum Warenwirtschaftssystem ermöglicht eine voll automatische Steuerung und noch mehr Informationen. Darüber hinaus lassen sich Bluetooth und NFC integrieren.

Lesetipp: FAQ - Was ist was bei NFC?

Mehr Zeit für den Kunden

Jeden Montag müssen bei Ladenöffnung des Supermarkts, oft schon um 7:00 Uhr, bis zu 100 Preise der neuen Prospekte aktualisiert sein. Dazu kommen ebenso viele Preisänderungen durch die abgelaufenen Werbungen der Vorwoche. Die Aktionen zum Wochenstart und die Angebote nur für das Wochenende müssen auch bearbeitet werden, und die Preise für Frischware ändern sich oft täglich.

Das heist: erst drucken, dann suchen und finden und zu guter Letzt auch noch austauschen. Schließlich können die Preisschilder samstags nicht vor 20:00 Uhr installiert werden und müssen montags zur Geschäftseröffnung korrekt an der Ware sein. Eine logistische Leistung, die nur durch Umschichtungen im Personalbereich bewältigt werden kann. Fehler sind dabei nicht ausgeschlossen und der Ärger an der Kasse ist vorprogrammiert. Mit ESL können sich die Mitarbeiter ihren eigentlichen Aufgaben widmen und der Kunde steht wieder im Mittelpunkt.

Mit einem funktionierenden ESL-System hat der Mitarbeiter nicht nur mehr Zeit für den Kunden. Durch die zentrale Gestaltung der Preisschilder bleibt die Aussage an der Ware komplett in der Hand der Marketingabteilung. Gerade bei loser Ware kann es schon ausschlaggebend sein, ob der Preis in Kilo oder per 100 Gramm angegeben ist. Bei Markenartikeln kann das Logo des Herstellers das Preisschild aufwerten. Die Preisschilder müssen auch nicht unbedingt mit schwarzer Schrift auf weißem Grund dargestellt werden. Jede Farbe, die aus der Reihe der weißen Etiketten heraussticht, bringt zusätzliche Aufmerksamkeit. Auch mit der Größe der Preisschilder kann man spielen.

Erscheinungsbild am POS

Mittlerweile stehen eine Vielzahl von Größen und Formen zur Auswahl. Bei den Farben können Sie zwischen

  • schwarz auf weißem Grund,

  • rot und schwarz auf weißem Grund oder

  • gelb und schwarz auf weißem Grund

wählen. Damit können auch alle Verkaufsaktionen bedient werden. Eine Regalauszeichnung benötigt andere Formate als ein Preisschild in einer Vitrine. Obst und Gemüse stellt andere Anforderungen als Elektronische Geräte. Barcodes und QR-Codes können zusätzlich auf dem Etikett angezeigt werden. Damit sind weitere und aufwändigere Infos leicht über das Handy abrufbar.

Das bietet sich zum Beispiel bei Lebensmitteln, vor allem für Allergiker, an. Bei Farben und Lacken können es Infos über Giftstoffe sein und bei Textilien möglicherweise ein paar Pflegehinweise. All diese Feinheiten können bereits bei der Listung des Artikels eingepflegt werden. Der aktuelle Preis kann dann, genauso wie der Artikeltext, aus dem Warenwirschaftssystem beziehungsweise dem Kassensystem entnommen werden.

Am Montagmorgen reicht dann ein Knopfdruck - und die Preisauszeichnung aller Artikel ist auf dem aktuellen Stand. Alle Schilder sind nichtreflektierend und bis zu einem Winkel von 170 ° gut lesbar.

Aktionspreise lassen sich mit ESL durch eine gezielte Farbgestaltung hervorheben.
Aktionspreise lassen sich mit ESL durch eine gezielte Farbgestaltung hervorheben.
Foto: MediaSaturn

Interaktive Touchscreens, digitale Bildschirme und Videowalls aber auch interaktive Spiegel in den Umkleiden kennzeichnen die digitale Entwicklung am POS. Die digitalen Preisschilder sind nichts anderes als die konsequente Anwendung dieser Technologie direkt an der Ware. So verknüpft der HandelHandel seine stationären Geschäfte mit der digitalen Welt. Was der Kunde im Internet schätzt soll er auch vor Ort wiederfinden. Top-Firmen der Branche Handel

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