Digitale Transformation

Der Chief Digital Officer leistet noch Pionierarbeit

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Was motiviert einen CDO?

Dazu passen die Motive der Manager, eine CDO-Position zu übernehmen. An erster Stelle steht für die Hälfte der Studienteilnehmer der erhoffte große Einfluss auf den Transformationsprozess, gefolgt von der Komplexität der Herausforderung. Das Thema Kultur spielt dagegen nur für drei Prozent eine Rolle.

In diesem Zusammenhang interessierte die Unternehmensberater auch, wie die CDOs den Erfolg ihrer Arbeit bemessen. Die Antworten auf die ungestützte Frage bildeten sie in Form einer "Word Cloud" ab (siehe Grafik?). Die größte Bedeutung hat demnach der Begriff "Growth", gefolgt von "Digital" und einer Kombination aus "Revenues" und "Sales". Das Wort "Profit" wurde deutlich seltener genannt. Die CDOs der ersten Generation sind also dazu eingestellt worden, neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen. Klassische Gewinnziele stehen noch nicht im Vordergrund.

Erwartungen versus Erfahrungen

Geht es um die Frage, ob sich die Erwartungen an ihre Rolle in der Praxis erfüllt haben, zeigen sich die CDOs insgesamt zufrieden. 62 Prozent arbeiten so, wie sie es sich vorgestellt haben. Ein differenzierteres Bild ergibt sich aber, wenn die Manager erklären sollen, in welchen Teilbereichen es doch Abweichungen gibt. So geben 80 Prozent an, die kulturelle Weiterentwicklung des Unternehmens stelle sich schwieriger als erwartet dar. Ähnliches berichten 68 Prozent beim Thema Datenintegration und dem Aufbrechen von Silos.

"Kultur ist wahrscheinlich der wichtigste und zugleich am wenigsten beachtete Faktor für den Erfolg einer digitalen Transformation", schreiben die Berater dazu. Bevor Unternehmen einen Digitalexperten berufen, sollten sie genau prüfen, inwieweit die Organisation überhaupt offen für den Wandel ist. Entscheidend sei ferner, den CDO dabei zu unterstützen, vorhandene Silos aufzubrechen.

Andere Erhebungen von Egon Zehnder scheinen diese Sicht zu bestätigen, beispielsweise eine CEO-Umfrage aus dem Jahr 2018. Die interviewten Unternehmenschefs zeigten sich zwar zufrieden mit ihren Initiativen, das Business voranzubringen, kämpften aber regelmäßig mit dem notwendigen kulturellen Wandel.

Unterstützung aus dem Topmanagement

Um als CDO erfolgreich zu sein, ist die Unterstützung von C-Level-Managern unabdingbar, berichten 58 Prozent der Befragten. Die gute Nachricht: Die meisten Digitalchefs erhalten diese Unterstützung, auch wenn es in einigen Fällen noch Nachholbedarf gibt. Fast ebenso wichtig auf der "Digital Journey" ist den CDOs das Thema "Kultur und Arbeitsmethoden". Die Aspekte "Ressourcen" und "Talent" stufen dagegen lediglich 25 Prozent als erfolgskritisch ein.

Auch bei diesem Thema lohnt sich ein Blick auf die Details. So zeigen sich die meisten CDOs zwar grundsätzlich mit dem Support aus dem Topmanagement zufrieden. Die Zusammenarbeit mit den Führungsgremien (Board of Directors, Vorstand) könnte aber intensiver sein. Ein Drittel der Befragten etwa trifft die Vorstandsebene nur einmal im Jahr oder gar nicht, immerhin 37 Prozent berichten von Meetings im Quartalsrhythmus. Nur jede zehnte CDO trifft das Board beziehungsweise den Vorstand jeden Monat.

Die Berater von Egon Zehnder sehen diese Ergebnisse kritisch. Gerade die obersten Führungsgremien sollten genau über die digitale Strategie Bescheid wissen und sich direkt bei den dafür Verantwortlichen informieren, lautet ihre Empfehlung. Ein Digitalmanager aus einem asiatischen Unternehmen bringt das Problem auf den Punkt: "Wenn die Business Units von der Strategie abgekoppelt sind, werden sie sie womöglich sabotieren."

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