Gartner zur CIO-Rolle

Der CIO wandelt sich vom Delivery- zum Business-Executive

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Die Auguren von Gartner haben in die Glaskugel geschaut, um die Perspektiven für den CIO in Zeiten des digitalen Wandels auszuloten. Ergebnis: Die IT-Chefs müssen sich zu "Business Executives" mausern.
Andy Rowsell-Jones, Vice President und Distinguished Analyst bei Gartner
Andy Rowsell-Jones, Vice President und Distinguished Analyst bei Gartner
Foto: Gartner

Jedes Jahr, wenn die Blätter fallen, beginnen die weltweiten Gartner-Festspiele: Das Veranstaltungsformat Gartner Symposium/ITxpo zieht Tausende CIOs und IT-Hersteller aus aller Welt an. Die Tournee beginnt Anfang Oktober in den USA (Orlando) und führt in den folgenden Wochen über Brasilien, Australien, Japan und Spanien (Barcelona) bis nach Indien.

Der CIO - ein Business Executive

Traditionell legen die Analysten zum Start ihrer Veranstaltungsreihe ihre weltweite CIO-Umfrage vor. Sie wollen zeigen, wie sich dieRolle des IT-ChefsRolle des IT-Chefs wandelt. In diesem Jahr heißt es, der CIO mutiere von einem "Delivery Executive" zu einem "Business Executive". Wie selbstverständlich werde heute in den Unternehmen erwartet, dass die IT die Geschäftsprozesse optimal unterstützt und die Kosten im Griff hat. Erfolgreich sei der CIO nur dann, wenn er auch zum Konzernumsatz beitrage und Phantasie darin entwickele, die Unternehmensdaten intelligent zu nutzen. Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Der "2018 Gartner CIO Agenda Survey" beruft sich auf die Angaben von 3160 CIOs in 98 Ländern - so viele wie nie zuvor. Sie kommen aus allen Branchen und repräsentieren zusammen einen Umsatz (inklusive Budgets aus dem öffentlichen Sektor) von fast 13 Billionen Dollar sowie IT-Budgets von 277 Milliarden Dollar.

Von allen Befragten glauben 95 Prozent, dass sich ihr Job durch die DigitalisierungDigitalisierung massiv verändert. Erstklassige IT-Leistungen zu liefern sei nichts, womit man sich noch differenzieren könne. Die Herausforderung liegt nach Meinung der meisten Befragten darin, zu einem erfolgreichen Change Manager im digitalen Wandel zu werden. CIOs müssten viel mehr Verantwortung übernehmen, so der Konsens, und sie müssten breitere Fähigkeiten, etwa als Innovationsentwickler oder Talent-Manager, aufbauen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

"Disruptive Technologien, beispielsweise intelligente Maschinen oder Advanced Analytics, erreichen jetzt die Massen", sagt Andy Rowsell-Jones, Vice President und Distinguished Analyst bei Gartner. Entsprechend müsse die CIO-Rolle wachsen und sich weiterentwickeln. Natürlich bleibe die IT-Delivery Teil der Aufgabe, aber CIOs müssten sich künftig eher daran messen lassen, ob ihr Unternehmen seine - zunehmend digitalen - Geschäftsziele erreiche.

KI verändert alles

Der stärkste Veränderungsdruck geht aus Sicht der IT-Manager von Technologien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) sowie von neuen Herausforderungen bezüglich Cybersicherheit aus. 2018 wird demnach die globale Bedrohung weiter zunehmen. 95 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Unternehmen im nächsten Jahr mehr Probleme bekommen werden. Entsprechend hoch rangiert das Sicherheitsthema auf den CIO-Agenden.

Wie Rowsell-Jones weiter ausführt, haben zahlreiche CIOs damit begonnen, KI-Systeme einzuführen - meistens mit dem Ziel, die Customer Experience zu verbessern oder um möglichen Betrugsvorfällen vorzubeugen. Dabei fällt auf, dass die CIOs Künstliche Intelligenz, digitale Sicherheit und das Internet of Things (IoT) als die drei am schwierigsten zu implementierenden Technologien nennen. Beklagt wird, dass es neuer, am Markt schwer erhältlicher Mitarbeiterqualifikationen bedürfe, um Projekte rund um Artificial Intelligence erfolgreich umzusetzen.

Befragt nach ihren Prioritäten für 2018 nennen 26 Prozent einen Beitrag zum Wachstum ihres Unternehmens. Mit digitalisierten Produkten und Services verfolgen sie die Ziele, neue Umsatzquellen zu erschließen, den Wert ihres Unternehmens zu erhöhen oder auch Kunden besser erreichen und binden zu können. Die Herausforderung besteht allerdings darin, hier den Aspekt der Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Raus aus den Digital Labs

"CIOs sind auf dem Weg von der digitalen Experimentierphase hin zur digitalen Skalierung," meint Rowsell-Jones. Allerdings gebe es immer noch eine große Hürde zwischen den vielen Pilotprojekten, die derzeit in Digital Factories oder LabsLabs umgesetzt würden, und dem Rollout neuer Digitalprodukte und -services in der Breite. Vielleicht sei die gewachsene Organisationskultur in vielen Unternehmen die größte Blockade, mutmaßt der Analyst. Alles zu Digital Lab auf CIO.de

Der Gartner-Analyst empfiehlt CIOs in ihrer Rolle als oberste Change-Manager, sich umfassend mit dem Ist-Zustand ihrer gegenwärtigen Unternehmenskultur zu beschäftigen und zu überlegen, wie die künftige Kultur aussehen muss und wie die Organisation dorthin gelangen kann. Dabei gelte es vor allem, die vorhandenen kulturellen Stärken zu erkennen und den unvermeidlichen Kulturwandel nicht etwa als harten Einschnitt, sondern als "nächsten Schritt" in der Weiterentwicklung der Organisation zu inszenieren. Es gelte, den wichtigen Beitrag der Mitarbeiter zu respektieren und sie auf die gemeinsame Reise einzuladen.

Innovieren und transformieren

Nur noch 16 Prozent der CIOs können sich laut Umfrage auf klassische IT-Aufgaben konzentrieren, alle anderen beschäftigen sich auch intensiv mit InnovationInnovation und Transformation. Die Umfrage unterscheidet zwischen Top-CIOs, dem breiten Durchschnitt und den Nachzüglern. Die Top-CIOs messen ihren Erfolg heute schon zu 56 Prozent an Geschäftszielen wie Umsatzwachstum, verbesserten Gewinnmargen oder ihrem messbaren Einfluss auf die Geschäftsstrategie. Nur zu 44 Prozent orientieren sie sich an IT-Delivery-Zielen. Auffällig ist auch, dass sich die besten CIOs überdurchschnittlich viel mit Executive-Leadership-Fragen beschäftigen und häufiger direkt an den CEO berichten. Alles zu Innovation auf CIO.de

Differenzieren durch Analytics

Hatte Gartner in den Vorjahren abgefragt, wo die Investitionsprioritäten der CIOs im jeweils kommenden Jahr liegen, so wurde dies nun geändert. Die Analysten wollten jetzt wissen, welche Technologien das größte Differenzierungspotenzial bieten. Business IntelligenceBusiness Intelligence (BI) und Analytics liegen demnach weit vorne, vor allem die Top-Performer halten diese Technologien für strategisch. Alles zu Business Intelligence auf CIO.de

Rowsell-Jones hat dafür eine Erklärung: "Daten und analytische Einblicke helfen dabei, digitale Produkte und Dienstleistungen überhaupt erst entstehen zu lassen und über ihren Lebenszyklus hinweg pflegen zu können." Informationen, die auch im Zusammenspiel mit Nutzern entstehen, sorgten zudem für Kundenbindung und eine höhere Wertschöpfung.

Stehen CIOs in Zeiten des digitalen Wandels vor unlösbaren Aufgaben? Gartner sagt nein. Immerhin 79 Prozent der Befragten glauben, dass der Druck der Digitalisierung ein Umfeld schafft, in dem Veränderungen, auch in der eigenen IT-Organisation, leichter durchsetzbar sind. Einige CIOs favorisieren dafür ein separates Digitalteam, andere machen die Digitalisierung zu einem Bestandteil ihres Daily Business als Leiter von IT und Organisation. Immerhin haben 71 Prozent der Top-Performer ein separates Digitalteam, mit dem sie die Transformation voranbringen wollen. Diese Mitarbeiter berichten für gewöhnlich an den CIO, manchmal auch direkt an den CEO. Auf die IT-Chefs kommt also den Analysten zufolge auch in Sachen Recruiting eine Menge zu.

Vorhersagen für 2018

Gartner hat anlässlich seiner Herbst-Tournee auch jenseits der CIO-Agenda eine Reihe von Vorhersagen gewagt. So empfiehlt Fellow Daryl Plummer den Unternehmen, sich intensiv mit Sprachassistenten wie AmazonAmazon Echo oder GoogleGoogle Home sowie den jeweiligen APIs zu beschäftigen. Gelinge es, Websites frühzeitig so zu redesignen, dass sie Sprach- und Bildsuche unterstützten, könne das unmittelbar positive Auswirkungen auf den Umsatz haben. Eine weitere, durchaus gewagte These lautet: Bis 2021 werden über 50 Prozent der Unternehmen jährlich mehr Geld in Bots und Chatbots investieren als in traditionelle Mobile Apps. Überall, wo Menschen kommunizieren, werden demnach digitale Assistenten im Einsatz sein, um standardisierte Arbeiten und Dialoge zu übernehmen. Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de

Ebenfalls bis 2021, so Plumer, werden 40 Prozent der IT-Mitarbeiter "Versatilists" mit vielfältigen Rollen sein, darunter einige, die Business-bezogen sind. Der Bedarf an reinen IT-Technikern werde sinken, während Menschen, die digitale Business-Initiativen betreuen können, verstärkt gefragt sein werden. Es geht beispielsweise darum, On-demand-Infrastrukturen zu beherrschen, Business-Intelligence-Initiativen rund um das digitale Marketing zu betreuen, Customer Experience zu managen oder die digitalisierten Produkte und Services zu pflegen.

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