Finance IT


Agile bei Standard Chartered

Der Fachbereich ist der Bottleneck

Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Jeder ITler der Bank arbeitet in spätestens zwei Jahren agil, sagt Michael Gorriz, CIO bei der Standard Chartered Bank. Aber Agilität klappt nur da, wo auch die Fachbereiche mitziehen. Wie der ehemalige Daimler-CIO das in Singapur umsetzt und was ihn sonst seit seinem Wechsel 2015 umtreibt.
  • Product Owner aus den Fachbereichen sind der Bottleneck.
  • Fachabteilungen fehlt es an IT- und Methodenwissen, Begriffe wie API oder Agilität sind Fremdworte.
  • CIO Gorriz unterteilt den Weg zur Volldigitalisierung der Bank in die drei Stufen Multi Touch Processing, One Touch Processing und Zero Touch Processing.
18.000 Leute arbeiten für die IT von Standard Chartered, davon sind 12.000 Festangestellte. 2500 ITler sitzen hier bei Michael Gorriz in Singapur, der Rest verteilt sich über die Welt.
18.000 Leute arbeiten für die IT von Standard Chartered, davon sind 12.000 Festangestellte. 2500 ITler sitzen hier bei Michael Gorriz in Singapur, der Rest verteilt sich über die Welt.
Foto: Horst Ellermann

Fragt man amerikanische CIOs, wo sie sich beruflich in fünf Jahren sehen, antworten die meisten von ihnen: "als CEO". Fragt man deutsche CIOs, wo sie sich in fünf Jahren sehen, antworten die meisten: "als CIO in einem größeren Unternehmen" (siehe "State of the CIO 2017 auf www.cio.com) Letzteres ist jedoch schwierig, wenn man schon CIO in einem der größten Unternehmen Deutschlands war. Bleibt also nur die Flucht nach vorne, ins Ausland. Michael Gorriz hat Singapur gewählt, wo die meiste operative IT der Standard Chartered sitzt. Und er hat die Branche gewechselt. Nur warum ausgerechnet Banking?

Banken sind nicht überflüssig

Kim Hammonds, bislang die berühmteste CIO aus diesem Gewerbe in Deutschland, hat im März behauptet, dass in ihrer Branche etwas nicht stimmt - insbesondere in ihrer alten Firma. Sie bezeichnete bei ihrem Abgang die Deutsche Bank als die "most dysfunctional company", in der sie je gearbeitet habe. Das ehrt die Firma nicht gerade. Die ganze Branche steht unter Beschuss. In der Szene geht der Spruch um: Banking is necessary. Banks are not! "Sehe ich nicht so", sagt Michael Gorriz.

CIO Michael Gorriz (re.) zusammen mit CIO-Herausgeber Horst Ellermann beim Interview in Singapur.
CIO Michael Gorriz (re.) zusammen mit CIO-Herausgeber Horst Ellermann beim Interview in Singapur.
Foto: Holger Ellermann

Überall, wo Banking noch nicht etabliert ist, reüssiert die Bank gerade: In Bangladesch ist die Standard Chartered die größte internationale Retail-Bank des Landes. "Wir haben in den acht bevölkerungsreichsten Ländern der Welt eine Banklizenz für Retail", sagt Gorriz. Insbesondere in Afrika weist die Bank gute Wachstumszahlen vor - trotz der großen Konkurrenz durch die Telcos, die dort in einigen Ländern - vor allem Kenia - die Finanzinstitute als Herren des Trans­action Banking schon abgelöst haben.

Einfache Dinge digitalisieren

Gorriz findet Transaction Banking immer noch spannend. "Muss man nur gut machen", sagt der Group CIO, der die Gesamtabteilung "IT+Operations" leitet. 33.000 Menschen arbeiten in seinem Ressort. Das klingt riesig. Viele von den Mitarbeitern im Bereich Operations machen jedoch einfache Tätigkeiten. Überweisungen abtippen etwa oder Dokumente einscannen. Genau diese Jobs wäre Gorriz gerne los. Seine Vision: "Alles, was der Kunde sieht, soll digital sein."

Michael Gorriz, CIO der Standard Chartered Bank: "Der agile Mindset muss bei allen vorhanden sein: Wir brauchen Full-Stack- Entwickler. Der Bottleneck sind die Product Owner aus den Fachbereichen."
Michael Gorriz, CIO der Standard Chartered Bank: "Der agile Mindset muss bei allen vorhanden sein: Wir brauchen Full-Stack- Entwickler. Der Bottleneck sind die Product Owner aus den Fachbereichen."
Foto: Standard Chartered Bank

Dafür müssen die 18.000 Mitarbeiter in der IT aber erst noch einmal richtig ran. 12.000 von ihnen sind Festangestellte der Standard Chartered Bank. Der Rest kommt über die Dienstleister. 2500 der ITler sitzen bei Gorriz in Singapur, der Rest verteilt sich über die Welt: Chennai, Bangalore, Kuala Lumpur oder Tianjin. Insbesondere die Kollegen in der Softwareentwicklung und Wartung (rund 10.000 Mitarbeiter) sind gefragt: "Wir bauen praktisch alles selbst", sagt Gorriz.

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