Wirtschaftsspionage

Der Feind sitzt im eigenen Haus

Thomas Pelkmann ist freier Journalist in Köln.

Nach all’ den Warnungen zentraler Stellen wie Verfassungsschutz oder BSI vor reger und zunehmender Spionagetätigkeit aus Russland oder China überrascht vor allem ein Ergebnis der Umfrage: Mehr als 70 Prozent der Spione kommen aus dem eigenen Unternehmen und sind im Durchschnitt bereits zehn Jahre dort beschäftigt. Zudem sind auch externe Täter - die meisten von ihnen sprechen Deutsch, wenn auch nicht hochdeutsch - dem Unternehmen verbunden - im Schnitt bereits seit sechs Jahren.

Nur die wenigsten misstrauen den eigenen Mitarbeitern

Im Unterschied dazu schätzen die Unternehmen selber die Gefahr, von Mitarbeitern ausgespäht zu werden, als relativ gering ein: Nur neun Prozent misstrauen den eigenen Mitarbeitern, sogar nur acht externen Kräften. Fast zwei Drittel (64 Prozent) halten es sogar für "ausgeschlossen", von Unternehmensangehörigen ausspioniert zu werden. Die Gefahr durch technische Angriffe befürchten dagegen 24 Prozent der Befragten.

Das generelle Unterschätzen der Bedrohung und der Gefahr durch eigene Mitarbeiter im Speziellen gilt dem Sicherheitsforum denn auch als eins der zentralen Ergebnisse der Umfrage. Dazu kommt die Einsicht, dass Hilfe von staatlichen Stellen oder von außen nicht zu erwarten ist: "Die Unternehmen könnten (und müssten) selbst mehr tun, um ihr Know-how zu schützen", heißt es in dem Bericht.

Bedarf zu handeln, gibt es allemal: Mehr als sechs von zehn Unternehmen mussten in den vergangenen Jahren Urheberrechtsverletzungen oder den Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen erleben. Viele von ihnen hatten infolgedessen mit "gravierenden Umsatzeinbußen" (37 Prozent), Beeinträchtigungen von Geschäftsbeziehungen (40 Prozent) oder strategischen Vorteilen für Wettbewerber (44 Prozent) zu kämpfen.

Der dokumentierte Schaden betrug dabei zwischen 10.000 und mehr zwei Millionen Euro. Besonders betroffen sind dabei forschungsintensive Unternehmen, weil der Wert der eigenen Entwicklungen insgesamt höher anzusetzen ist als bei Unternehmen, die über nur wenig eigenes Know-how verfügen.

Die am meisten verbreitete Form der Wirtschafts- und Industriespionage ist der Verrat oder das Ausspähen von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. Mehr als jedes vierte Unternehmen gibt mindestens einen solchen Fall an. Am häufigsten betroffen sind wiederum die F&E-Abteilung sowie der Bereich Produktion und Fertigung. Vergleichsweise selten ausspioniert werden die Bereiche Einkauf, Vertrieb und Marketing sowie die Personalabteilung. Überhaupt nicht betroffen sind laut Umfrage bei forschungsintensiven Unternehmen die Finanzabteilung und die Geschäftsleitung.

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