Ex-Apple-Chef mit Macken

Der Führungsstil von Steve Jobs



Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.

Als Arbeitgeber soll es mit Steve Jobs nicht einfach gewesen sein, schreibt Jon Katzenbach in seinem Beitrag für Booz. Genauso schnell wie er sich für Talente begeisterte, konnte diese Begeisterung wohl wieder nachlassen. Katzenbach findet es überraschend, dass viele von denen die Jobs im Laufe seiner Laufbahn stehen gelassen hat, ihm Respekt zollen und einige sogar wieder zu ihm zurückkehrten.

Seine Teams soll Jobs so stark gefordert haben, dass ihre Leistung über das Mögliche hinausgeht. Den Top-Performern im Unternehmen hat das zu noch mehr Glanz verholfen, aber viele andere hat diese Vorgehensweise frustriert und es hat ihnen an Zuspruch gefehlt. So soll es auch vorgekommen sein, schreibt Katzenbach, dass Steve Jobs gute Ideen als "a piece of crap" abschmetterte.

Kann man Steve Jobs nachahmen?

Wenn nun ein Manager Steve Jobs mit seinen positiven und negativen Eigenschaften nachahmt, wird er dann die gleichen Resultate erreichen? Wird er nicht, glaubt Jon Katzenbach. Im Gegenteil - wenn man sein Vorgehen auf die falsche Strategie, den falschen Markt oder das falsche Produkt anwendet, könnte das dem Unternehmenserfolg sogar schaden. Katzenbach ist davon überzeugt, dass Jobs deshalb eine so große Führungspersönlichkeit ist, weil er ein Visionär bei der Entwicklung herausragender Produkte und Dienstleistungen war. Seine Innovationsfähigkeit war so groß, dass sie seine schroffe Art überstrahlte.

Nur wenige Führungspersönlichkeiten schenken dem Produkt selbst und Designaspekten so viel Aufmerksamkeit wie Jobs es getan hat. Einfachheit, Funktionalität und der Anreiz für den Kunden kamen für Jobs immer an erster Stelle, schreibt Katzenbach. Erst zu einem späteren Zeitpunkt beschäftigte er sich mit der Frage nach Kosten oder Profit. Katzenbach vergleicht Jobs mit Unternehmerpersönlichkeiten wie Walt Disney oder dem Polaroid-Erfinder Edwin Land, die der Apple-CEO beide verehrte.

Jobs sagte einmal, dass "Kunden nicht wissen, was sie wollen, bevor wir es ihnen gezeigt haben". Und genau diesen Wunsch löste er mit seinen Produkten bei den Kunden aus. Katzenbach vermutet den Grund für Jobs' Genialität in der Verknüpfung unterschiedlicher Disziplinen, insbesondere der Geisteswissenschaften und der Naturwissenschaften. Er vereinigte mit seiner Arbeit Kunst und Ingenieursarbeit.

Nicht gut in der Zusammenarbeit mit anderen

Und mit zunehmendem Alter und mehr Erfahrung wurde Steve Jobs auch zu einer besseren Führungskraft, schreibt Jon Katzenbach. Biograf Isaacson zitiert Jobs auf einer Konferenz im Jahr 2007. Dort soll er gesagt haben, weil er und Steve Wozniak das Unternehmen zu zweit aufgebaut hätten, seien sie nicht so gut in der Zusammenarbeit mit anderen. "Ich denke, wenn ein wenig mehr davon in der DNA von Apple stecken würde, hätte das dem Unternehmen sehr gut getan", so Jobs. Auch Jobs' Führungsstil hätte das gut getan, glaubt Katzenbach. Sein Fazit lautet: "Wer weiß, wenn er mehr Zeit gehabt hätte, hätte er diese Lücke vielleicht noch schließen können."

Jon Katzenbachs Beitrag ist unter dem Titel "The Steve Jobs Way" von der Unternehmensberatung Booz veröffentlicht worden. Katzenbach ist Senior Partner bei Booz und leitet das Katzenbach Center in New York.

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