Digitale Innovationsprozesse

Der Nutzer gibt den Ton an – nicht die Technologie

09.06.2020
Anzeige  Digitale Innovation stellt den Menschen in den Mittelpunkt und erfordert ein vernetztes Vorgehen. Das ist neu für viele Unternehmen. Für strikte Customer Centricity sorgt folgender Prozess, der sich an die Lean-Startup-Methodik anlehnt.

Als Industrieland der ersten Stunde hat Deutschland eine lange Tradition in Sachen Innovation. Es müssen an dieser Stelle nicht einzelne Errungenschaften aufgezählt werden, der Status als Exportweltmeister hochkomplexer Industriegüter spricht für sich. Dennoch stellt die digitale Transformation eine große Herausforderung für die meisten Unternehmen dar, auch und vor allem in Sachen Innovation. Warum ist das so?

Digitale Innovation sprengt in vielerlei Hinsicht den Rahmen traditioneller Innovationskonzepte.
Digitale Innovation sprengt in vielerlei Hinsicht den Rahmen traditioneller Innovationskonzepte.
Foto: PopTika - shutterstock.com

Digitale Innovation sprengt in vielerlei Hinsicht den Rahmen traditioneller Innovationskonzepte. Der größte Unterschied besteht wohl darin, dass diese Art Innovation selten ausschließlich innerhalb einer einzelnen Abteilung stattfindet, selbst wenn letztere für Forschung & Entwicklung verantwortlich zeichnet. So wie die digitale Transformation alle Ebenen der Industrie und Wirtschaft umfasst, betrifft sie auch alle Sparten eines Unternehmens. Deswegen erfordert digitale Innovation einen ganzheitlichen Blick auf Problemstellungen und Lösungsansätze sowie ein vernetztes und kooperatives Vorgehen beim Entwickeln von Lösungen.

Außerdem involviert sie die Verwendung neuer Methoden bei der Produktentwicklung, den Einsatz neuer Technologien sowie Offenheit für die Einbindung externer Partner, manchmal auch die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern.

Customer Centricity erfordert neue Innovationsprozesse

Hinzu kommt ein stark nutzenorientiertes Verständnis für Geschäftsmodelle. "Die Leute wollen keinen Viertelzollbohrer kaufen, sie wollen ein Viertel-Zoll-Loch", sagte einst der US-Wirtschaftswissenschaftler Theodore Levitt. Nach diesem Prinzip verwandeln sich Geschäftsmodelle, die früher einfach nur auf den Verkauf von Maschinen basierten, in eine Dienstleistung, die neue Services erbringt - aus Automobilherstellern werden so Mobilitätsanbieter.

"Digitalisierung fängt nicht mit der Technologie an, sondern mit dem Menschen", Bernd Gill, Head of Digital Service Innovation beim Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen DXC Technology
"Digitalisierung fängt nicht mit der Technologie an, sondern mit dem Menschen", Bernd Gill, Head of Digital Service Innovation beim Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen DXC Technology
Foto: DXC

Dieser menschenzentrierte Ansatz dürfte einer der größten Knackpunkte sein, um digitale Innovationsprozesse zu etablieren. "Digitalisierung fängt nicht mit der Technologie an, sondern mit dem Menschen", sagt Bernd Gill, Head of Digital Service Innovation beim Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen DXC Technology. "Die Technik sollte im Hintergrund bleiben und unaufdringlich den Menschen unterstützen, eine Aufgabe besser, schneller, angenehmer zu erledigen. Weniger Technologie mündet häufig in eine deutlich bessere Umsetzung."

Weniger Technologie mündet häufig in eine deutlich bessere Umsetzung.

DXC Technology hat einen eigenen Prozess entwickelt, um digitale Projekte bei Kunden durchzuführen und Innovationsprozesse nachhaltig zu etablieren. Er basiert auf der Lean-Startup-Methodik von Eric Ries / Steve Blank und verwendet agile Arbeitsmethoden, wie man sie aus der modernen Softwareentwicklung kennt. Wie Lean Startup grundsätzlich funktioniert und wo Unternehmen gewöhnlich starten, zeigt dieses Video zum Teil auf humorvolle Weise.

Aus dieser Methodik hat DXC einen fünfstufigen Prozess geformt, der den gesamten Zyklus der Produktentwicklung abbildet - von der Erkundung der Problemstellung bis zum fertigen Produkt.

"Am Anfang schaut man sich gemeinsam mit dem Kunden das Projektumfeld genau an, definiert den Gegenstand der zu lösenden Problemstellungen und erörtert etwaige organisatorische, kulturelle oder strukturelle Hindernisse", sagt Gill. Dies ist die erste Phase. Daraus entstehen ein Entwurf, wie man konkret an die Problemstellungen herangeht, eine Roadmap für das Projekt sowie ein Plan, der die beteiligten Interessengruppen im Unternehmen, die Stakeholder, einbindet und ein gemeinsames Governance Modell für den Projekt / Programm Steuerung.

Freier Blick auf das Problem

In der zweiten Phase - der Ideation - wird die Problemstellung aus der Perspektive der Nutzer analysiert. Es wird festgehalten, wer alles von dieser Problemstellung betroffen ist. Falls es mehrere und unterschiedliche Arten von Nutzern gibt, werden diese in Gruppen segmentiert und für diese sogenannte Personas definiert, welche die Bedürfnisse, Motive und Interessen der jeweiligen Nutzersegmente detailliert beschreiben.

In dieser Phase ist es essentiell, einen unvoreingenommenen Blick auf die Problemstellung zu werfen. Hier profitiert DXC davon, dass das Unternehmen Design-Thinking-Berater einsetzt, die branchenübergreifend agieren. "Berater, die auf bestimmte Industrien spezialisiert sind, nehmen meist die Perspektive dieser Branche und ihrer Best-Practice-Ansätze ein", sagt Gill.

"Es fällt ihnen nicht leicht, das Problem aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Andererseits sehen wir in der Digitalisierung oft branchenfremde Wettbewerber in eine bestimmte Industrie eindringen und deren Spielregeln ändern, weil sie die Anliegen der Nutzer auf eine neue Weise verstehen." Den frischen Blick auf eine Problemstellung bringt DXC ins Spiel, indem es sowohl Branchenspezialisten als auch branchenfremde Experten an einen Tisch setzt.

Oft ändern branchenfremde Wettbewerber die Spielregeln, weil sie die Anliegen der Nutzer auf eine neue Weise verstehen.

Dieselbe Offenheit sollte während der zweiten Phase an den Tag gelegt werden, wenn es darum geht, einen Lösungsentwurf und dessen technische Umsetzung zu erarbeiten. Denn die Crux an der digitalen Technologie ist, dass es kaum tradierte Wege gibt und viele der Möglichkeiten nicht offensichtlich sind.

Startups - ein Shortcut zur schnellen Umsetzung

Interessante Technologien entstehen oft im Verborgenen und werden von Startups entwickelt, die kaum jemand kennt. Daher ist DXC zusammen mit anderen Industrieunternehmen an einem Scouting-Programm für Startups namens Startup Autobahn beteiligt, in dem neue Technologien evaluiert werden. Diese betrachtet DXC als Baukasten an Partnerlösungen, aus dem man sich bedienen kann. Dieser Weg lohnt sich wenn bei der Umsetzung einer Lösung eine bestimmte Technologie nötig ist, die man auf diese Weise schnell günstiger vom Markt beziehen kann anstatt sie selbst neu zu erfinden.

Dieses Wissen geht auch in eine interne Wissensdatenbank ein, die DXC unterhält, um den Überblick über interessante Technologien zu behalten und auf neuestem Stand zu bleiben. Sie liefert wichtige Informationen für das Design in der zweite Phase, aber auch für das Testing und die Umsetzung in den folgenden drei Phasen. Der Lösungsentwurf definiert alles, was dazugehört - von der angestrebten Customer Experiences bis hin zu den Voraussetzungen, Ressourcen, Technologien und Partnern, um diese zu liefern.

DXC etabliert agile Innovationsprozesse über eine fünfstufige Methode, die den gesamten Zyklus der Produktentwicklung abbildet – von der Erkundung der Problemstellung bis zum fertigen Produkt.
DXC etabliert agile Innovationsprozesse über eine fünfstufige Methode, die den gesamten Zyklus der Produktentwicklung abbildet – von der Erkundung der Problemstellung bis zum fertigen Produkt.
Foto: DXC

Ist ein Problem in Phase 2 evaluiert, die Zielgruppen identifiziert und ein neuer Lösungsansatz erdacht, der den Zielgruppen hilft, ihre Aufgaben einfacher zu erledigen, gilt es die Annahmen und Hypothesen, die im Design-Prozess gemacht wurden, zu testen - das geschieht in der 3. Phase. Ziel der Tests ist es, Fehler in einer frühen Phase auszumerzen, bevor die Designs in die Umsetzung der Produkte gehen. Die zu testenden Annahmen und Hypothesen werden definiert und ein Minimum Viable Product (MVP) erstellt, das rein auf die zu testenden Aspekte ausgelegt ist. Es muss schnell und zu niedrigen Kosten erstellt werden und dient nur dem Test.

Fehler machen, solange sie wenig kosten

Wichtig in den Phasen 2 und 3 ist vor allem, dass man sich genügend Raum für Iterationen zugesteht. "Hier gilt es, in einer frühen Phase Fehler zu finden, um sie ebenso früh korrigieren zu können", sagt Gill. "Habe ich das Produkt gebaut und stelle danach fest, dass es nicht so funktioniert wie gedacht, habe ich bereits viel Geld in eine Fehlentwicklung gesteckt und muss noch mehr Geld ausgeben, um sie zu korrigieren." Diese Art "Fehlerkultur", also die Fähigkeit, Fehler zu erkennen und daraus zu lernen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Digital Mindsets, das mit der digitalen Innovationsfähigkeit einhergeht.

Gefundene Fehler werden ans Design in Phase 2 zurückgespielt, um Design und Produkt anzupassen und erneut zu testen. Erst wenn man keine größeren Fehler mehr findet und versteht, welche Funktionalitäten das Produkt für das erst Release benötigt, um von den Nutzergruppen angenommen zu werden geht man in die Umsetzung (Phase 4, Erstellung einer Beta-Version). Hier wird mit agilen BizDevOps-Methoden die erste Version des Produkts erstellt, das in den folgenden sich immer wiederholenden Abläufen der 5. Phase (Live-Betrieb) agil weiterentwickelt wird. Dabei wird das Produkt laufend den sich ändernden Rahmenbedingungen angepasst und das Produkt entwickelt sich über die Zeit weiter.

"Entwicklung und Betrieb aus einer Organisation heraus ist notwendig, um die Agilität des Produktes zu erhalten und einen sicheren und hochverfügbaren Service bzw. Produkt anbieten zu können", sagt Gill. Mithilfe agiler BizDevOps-Methoden kommt der Kunde so nach wenigen Wochen zu einem ersten nutzbaren Produkt, das über regelmäßige Releases sich schnell erweitern und ständig an die Bedürfnisse der Nutzer und Business-Anforderungen anpassen lässt. "Wir empfehlen dem Kunden bei diesem Prozess, seine eigene Organisation unbedingt mit einzubringen, um selbst das Wissen im Unternehmen zu erhalten, seine Organisation zu transformieren und weitere digitale Projekte ähnlich angehen zu können"

Die Rolle von DXC in Phase 5 besteht auch darin, Unternehmen zu helfen, eine innovative Lösung innerhalb der Organisation zu skalieren. Gelingt das, hat der so angestoßene digitale Innovationsprozess auch die besten Chancen, sich unternehmensweit als Best Practice zu etablieren.

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