Digital-Trends 2017

Design Thinking wird 2017 breit umgesetzt

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Nach Design Thinking kommen 2017 Design Doing und Design Culture an die Reihe. Schließlich muss die Innovationsmethode im ganzen Unternehmen ausgerollt werden. Das sagt Fjord voraus, ein Think Tank unter dem Dach des Beraters Accenture.
  • Firmen werden Prinzipien und Methoden digitaler Designprozesse nutzen, um eine Mitarbeiter-zentrierte, innovative Kultur zu schaffen
  • Chatbots als sichtbarstes Zeichen Künstlicher Intelligenz müssen „menschlicher“ werden, um sich von der Konkurrenz abzuheben
  • Die Forderungen nach einer digitalen Ethik werden lauter

Wie Unternehmen im kommenden Jahr die Digitalisierung angehen, ist Thema des Reports "Fjord Trends 2017". Fjord ist Teil von Accenture und versteht sich als globale Design- und Innovationsberatung. Der Trend-Report stellt einen Rundumschlag über quasi alle Lebensbereiche dar, vom vernetzten Zuhause bis zum intelligenten Auto. Die Forscher behandeln auch künftiges Arbeiten.

Am Arbeitsplatz der Zukunft steht noch stärker als bisher der Mensch im Zentrum.
Am Arbeitsplatz der Zukunft steht noch stärker als bisher der Mensch im Zentrum.
Foto: Rawpixel - shutterstock.com

Konkret beziehen sich drei der insgesamt acht dargestellten Trends auf die Arbeitswelt.

1. Shiny API People oder der Mitarbeiter im Zentrum

Wohl in Anlehnung an den REM-Song von den "Shiny happy people" sieht Fjord schon im kommenden Jahr die API-People kommen, also die "Schnittstellen-Menschen". Es geht um den Umgang mit Mitarbeitern, der sich mindestens seit diesem Jahr bereits positiv verändert. Unternehmen hätten erkannt, dass Design ThinkingDesign Thinking - ein Trend, der im ausgehenden Jahr forciert wurde - praktisch umgesetzt werden muss. Alles zu Design Thinking auf CIO.de

Design Doing äußert sich etwa im Einreißen bisheriger Silos und dem Aufbrechen starrer Strukturen. Fjord erkennt an, dass immer mehr Unternehmen Raum für kreatives Denken schaffen. Die Forscher sehen eine "Design Culture" dahinter, eine Firmenkultur, die sich immer wieder neu auf den "Mitarbeiter als Menschen" ausrichten kann. Fjord schreibt: "Dabei werden sich Unternehmen vor allem Prinzipien und Methoden digitaler Designprozesse bedienen, um eine neue Innovationskultur und die Rahmenbedingungen für eine flexiblere und agilere Organisation zu schaffen."

Der Roboter als Verkörperung künstlicher Intelligenz muss noch warten, 2017 setzen sich Chatbots durch.
Der Roboter als Verkörperung künstlicher Intelligenz muss noch warten, 2017 setzen sich Chatbots durch.
Foto: Usa-Pyon - shutterstock.com

2. Me, Myself und AI oder Künstliche Intelligenz wird menschlicher

Das Konzept "Me, myself and I" des US-amerikanischen Philosophen Georg Herbert Mead steht Pate für den nächsten Trend. G.H. Mead behandelt das Zusammenspiel vom menschlichen Selbst- und Fremdbild, wobei das "Self" zwischen dem subjektiven, egozentrischen "I" und dem kontrollierten "Me", das die gesellschaftlichen Regeln verinnerlicht hat, vermittelt.

Fjord erwartet schon für das kommende Jahr, dass "Chatbots einfühlsamer werden". Künstliche Intelligenz (K.I.) habe 2016 Fortschritte gemacht. "Seit K.I.-unterstützte Chatbots auf Messaging-Plattformen wie Facebook-Messenger laufen, ist die Technologie im Mainstream angekommen", erklären die Forscher. Noch aber seien die meisten Chatbots "meilenweit davon entfernt", wie Menschen zu interagieren.

2017 werde sich Design Thinking deshalb auf Chatbots ausweiten. Unternehmen verlangten nach K.I.-Elementen mit emotionaler Intelligenz und Einfühlungsvermögen. Motiv ist der Wunsch, sich durch "menschlichere" Chatbots von der Konkurrenz abzuheben. Fjord bezieht sich so stark auf Chatbots, weil die meisten Menschen Künstliche Intelligenz über diese Systeme wahrnehmen.

Unternehmen werden 2017 stärker als bisher für eine schlechte digitale Ethik kritisiert, erwartet Fjord.
Unternehmen werden 2017 stärker als bisher für eine schlechte digitale Ethik kritisiert, erwartet Fjord.
Foto: Wikimedia Commons

3. Der Ruf nach digitaler Ethik

Ob es um die Konsequenzen von Airb'n'b für den Mietmarkt geht oder um den Einfluss von Fake-News auf die Wahl des US-amerikanischen Präsidenten - Fjord sieht dies als Folgen extremer Kundenzentriertheit. Jede Branche und jede Organisation nutze mittlerweile digitale Technologien, um näher an ihre Kunden heranzukommen. Die Forscher sprechen von einer "Hyper Customer Centricity".

Fjord erwartet für 2017 ein steigendes Bewusstsein für die unerwünschten Folgen. Konsumenten wie Medien entwickelten einen kritischen Blick, so die These. Das zeigten Forderungen nach einer digitalen Ethik. Nicht nur Unternehmen, auch der Gesetzgeber sehe sich damit konfrontiert. Die Forscher gehen davon aus, dass sich Firmen im kommenden Jahr neben Customer Experience und Employee Experience auch einer sogenannten "Social Experience" widmen werden, also den "wahrgenommenen Gesamtfolgen ihres Handelns auf die Gesellschaft".

Die Folgen von Pokemon Go - Blurred Reality

Außerhalb der Arbeitswelt erwartet Fjord für das kommende Jahr beispielsweise noch mehr Angebote in Sachen Augmented Reality und Virtual Reality. Das große Interesse an Pokemon Go habe den Technologien 2016 zum Durchbruch verholfen. 2017 werden sich unterschiedliche Ebenen der Realität mischen und Unternehmen entwickeln kombinierte Angebote von Augmented und Virtual Reality, die Fjord „Blurred Reality“ nennt.

Ein weiterer Trend ist das selbstfahrende Auto. Unternehmen werden 2017 intensiv an neuen Services für vernetzte Mobilität arbeiten, so Fjord.

Hier können sie den gesamten Report "Fjord Trends 2017" lesen.