Strategien


CIO Christa Koenen

Deutsche Bahn-IT schafft Führungskräfte ab

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Die Deutsche Bahn will schneller und agiler werden. CIO Christa Koenen bricht hierarchische Strukturen auf und positioniert den konzerneigenen IT-Dienstleister DB Systel als Sparringspartner für die Digitalisierung.
Christa Koenen, CIO der Deutsche Bahn: "Wir sollten nicht ständig erklären, was die IT tut, sondern was sie bewirkt."
Christa Koenen, CIO der Deutsche Bahn: "Wir sollten nicht ständig erklären, was die IT tut, sondern was sie bewirkt."
Foto: Deutsche Bahn

"Wir schaffen die klassischen Führungskräfte ab", sagt Christa Koenen. Die Herausforderungen der DigitalisierungDigitalisierung seien mit hergebrachten hierarchischen Strukturen nicht zu meistern. Das klingt nach einer Kampfansage, die nur dadurch relativiert wird, dass die Managerin damit zunächst "nur" die IT-Tochter der Deutschen Bahn AG, die DB Systel mit ihren rund 4500 Mitarbeitern, meint. Im April 2018 wurde Koenen CIO der Deutschen Bahn, die DB Systel führt sie seit knapp fünf Jahren. Die Digitalisierung, so betont die diplomierte Volkswirtin, laufe jedoch nicht isoliert ab, sondern ziehe sich durch das gesamte Unternehmen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Kerngeschäft reicht nicht mehr

Um das Ausmaß der Veränderungen zu verstehen, hilft ein Blick auf die strategischen Ziele der Bahn. Das traditionelle Kerngeschäft rund um den Betrieb von Zügen, Bahnhöfen und Schienennetz reiche in Zeiten des digitalen Wandels nicht mehr aus, erläutert Koenen. Die Deutsche BahnDeutsche Bahn wolle sich zum "Broker für vernetzte Mobilitätsangebote" und zu einem "datenbasierten Service-Provider" für die Mobilitätsbranche entwickeln. Dafür müsse die IT die Voraussetzungen schaffen. Auch um die Qualität und Kapazität bei der Eisenbahn zu steigern, führe kein Weg an der IT vorbei. Top-500-Firmenprofil für Deutsche Bahn

Das Thema Daten-Management spielt deshalb eine besondere Rolle. "Es geht darum, Daten zu harmonisieren, die Datenqualität sicherzustellen und Verantwortlichkeiten zu klären", so die Managerin. Aufgabe der IT sei es, Daten intern verfügbar und flexibel nutzbar zu machen und dafür Strukturen zu schaffen. So ist die Bahn dabei, Daten aus lokalen Datenbanken in eine konzernweite "Data-Lake-Landschaft" zu überführen. Erst moderne Datenarchitekturen mit Data Lakes und gestiegene Rechenkapazitäten ermöglichten die Entwicklung neuer Anwendungen auf Basis von Big DataBig Data AnalyticsAnalytics und anspruchsvoller KI-Verfahren. Alles zu Analytics auf CIO.de Alles zu Big Data auf CIO.de

Cloud-first wird Strategie

Als Enabling-Technik für weitere Schritte Richtung Digitalisierung gilt in der Berliner Konzernzentrale auch Cloud ComputingCloud Computing. Schon seit 2016 verfolgt die Bahn eine konsequente Cloud-first-Strategie. Bis Juni 2020 sollen alle IT-Anwendungen in die Public Cloud migriert sein, berichtet Koenen, ein Großteil sei bereits geschafft. Für die entstehende "DB Enterprise Cloud" setzt der Konzern auf die großen Cloud-Provider AmazonAmazon Web Services (AWS) und MicrosoftMicrosoft mit Azure. Die Inte­gration von innovativen Applikationen und Modulen in die Systeme und Prozesse der Bahn will DB Systel allerdings in der eigenen Hand behalten. Das gilt auch für den operativen Betrieb und das Management der rund 650 IT-Anwendungen. Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

Der Betrieb einer eigenen IT-Infrastruktur gehöre nicht mehr zu den Kernaufgaben, begründet das Management den radikalen Schritt. Auch das konzerneigene RechenzentrumRechenzentrum wurde verkauft. "Die Technik ändert sich ebenso rasant wie die Anforderungen unserer Kunden", ergänzt die IT-Chefin. Mit einem Cloud-Ansatz könne die Bahn darauf am besten reagieren und damit verbundene Vorteile nutzen: mehr Flexibilität, Performance und State-of-the-Art-Technik. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

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Die Cloud-Strategie führt bei DB Systel zu tiefgreifenden Veränderungen. "Das betrifft im Grunde jeden, der mit IT zu tun hat", so Koenen. Den rund 700 IT-In­frastrukturexperten etwa bietet die Bahn ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm an. Sie sollen sich für andere Positionen qualifizieren, die beispielsweise im Cloud-Umfeld oder im schnell wachsenden IoT-Bereich (Internet of ThingsInternet of Things) entstehen. Alles zu Internet of Things auf CIO.de

Selbstorganisierte Teams

Doch das ist nur ein Aspekt. Koenen: "Grundsätzlich müssen wir uns die Frage stellen, welche Arbeitsweisen künftig notwendig sind." AgileAgile Methoden etwa brauche man nicht nur in der IT, sondern auch in anderen Business-Bereichen. DB Systel jedenfalls sei auf diesem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen. "Wir brechen die klassische disziplinarische Führungsstruktur auf und bauen ein adaptives Netzwerk aus selbstorganisierten Teams", gibt sie die Marschrichtung vor. "Die Verantwortung geht dahin, wo sie hingehört: in die Teams." Das betrifft alle Bereiche von DB Systel, nicht nur die IT- und Softwareentwicklung, sondern beispielsweise auch Finance und HR. Alles zu Agile auf CIO.de

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