Kritik an Amazon, Facebook und Google wächst

Deutsche misstrauen den großen Digitalkonzernen

Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.
Das Vertrauen in Amazon, Facebook und Google schwindet. Einer Umfrage zufolge würden viele Nutzer den Internet-Giganten nur zu gerne den Rücken kehren – doch die eigene Bequemlichkeit steht dem offenbar im Weg.

Vier von fünf Deutschen haben wenig oder gar kein Vertrauen in die großen Digitalkonzerne. Das ist das Ergebnis einer Civey-Umfrage im Auftrag der NEXT Conference 2018, für die hierzulande über 5000 Internet-Nutzer befragt wurden. Das Besondere an dieser Zahl: Insbesondere auch junge Menschen vertrauen AmazonAmazon, FacebookFacebook und GoogleGoogle immer weniger (81 Prozent). Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de

Das Vertrauen in die Internet-Riesen ist nicht besonders ausgeprägt.
Das Vertrauen in die Internet-Riesen ist nicht besonders ausgeprägt.
Foto: NEXT Conference

Vor allem Vorfälle wie der Missbrauch von Facebook-Daten durch Cambridge Analytica haben die Nutzer sensibilisiert und misstrauischer gemacht. Mehr als 80 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Daten im Internet nicht sicher sind. Weitere Aspekte, die das Vertrauen in die großen Online-Plattformen zunehmend erschüttern, sind der Umfrage zufolge Themen wie "Hatespeech" und "Shitstorms". Daran wird sich nach Ansicht der Deutschen auch in Zukunft kaum etwas ändern: Nur jeder Zehnte geht davon aus, dass die Nutzer künftig verantwortungsbewusster handeln.

Viele Deutsche fordern, Amazon, Facebook und Google stärker zu regulieren.
Viele Deutsche fordern, Amazon, Facebook und Google stärker zu regulieren.
Foto: NEXT Conference

Auch wenn die Internet-Giganten davon scheinbar unbeeindruckt ihren Geschäften nachgehen - das wachsende Misstrauen ihrer Klientel könnte durchaus Folgen zeigen. 79 Prozent der Deutschen wollen, dass Konzerne wie Amazon, Facebook und Google stärker reguliert werden. Auch die Nutzer selbst wollen aktiv werden. Mehr als drei Viertel (79 Prozent) empfehlen, dass Kunden ihre Macht gegenüber den Digital-Konzernen stärker nutzen und im Zweifel zu einem der kleineren Wettbewerber wechseln sollten.

Wechsel scheitern an Bequemlichkeit

Doch das passiert bis dato in der Praxis eher selten. Vor allem die eigene Bequemlichkeit hält die Befragten davon ab, andere Angebote als die von Amazon, Facebook oder Google zu nutzen (28 Prozent). Weitere 13 Prozent kennen gar keine Alternativen. 12 Prozent halten die kleineren Wettbewerber für schlechter.

Bei aller Kritik an den Online-Konzernen - ein Wechsel zu anderen Anbietern scheitert oft an der eigenen Bequemlichkeit.
Bei aller Kritik an den Online-Konzernen - ein Wechsel zu anderen Anbietern scheitert oft an der eigenen Bequemlichkeit.
Foto: NEXT Conference

"Die Kritik an den globalen Internet-Giganten wird immer lauter", stellt Matthias Schrader, CEO von SinnerSchrader, fest. Die Diskussionen drehten sich um Aspekte wie Marktmacht, DatenschutzDatenschutz, Hatespeech, ethische Grundsätze für Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz sowie die sozialen und ökonomischen Auswirkungen von Technologie. "Dass 80 Prozent der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen in die Digitalkonzerne haben, ist da nur die logische Folge", folgert Schrader. Seiner Einschätzung zufolge liege das Problem der großen Digital-Flaggschiffe darin, dass sie den Faktor Mensch weitestgehend aus den Augen verloren haben. Alles zu Datenschutz auf CIO.de

Digitale Vertrauenskrise

Volker MartensVolker Martens, Vorstand von Faktor 3, spricht von einer regelrechten "digitalen Vertrauenskrise". Alle Unternehmen der Digitalwirtschaft müssten sich daher die Frage stellen, wie sie den Menschen wieder an die erste Stelle setzen und die Technik zum Mittel des Zwecks machen. Profil von Volker Martens im CIO-Netzwerk

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