Public IT


E-Government

Deutsche wünschen sich bessere und sichere Online-Verwaltung

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Grundsätzlich würden die Bundesbürger Behördengänge gerne online erledigen – wenn es einfach und sicher funktioniert. Im Zuge der Groko-Verhandlungen versprechen die Parteien mehr digitale Bürgernähe. Doch die Skepsis bleibt.

Prinzipiell wäre die überwiegende Mehrheit der Deutschen (85 Prozent) dazu bereit, BehördengängeBehördengänge über digitale Kanäle zu erledigen. Wichtigste Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die öffentliche Hand die Sicherheit gewährleistet. Für fast jeden Zweiten (48 Prozent) wäre das Risiko von Datenphishing-Attacken ein Grund mehr, Behördengänge nicht online abzuwickeln. Alles zu Public IT auf CIO.de

Rund vier von zehn Befragten äußerten generelle Bedenken, persönliche Informationen via Internet zu übermitteln. Das ergab die Studie "European Digital GovernmentGovernment Barometer 2017" von IPSOS im Auftrag von Sopra Steria, für die im Herbst vergangenen Jahres 4000 Personen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Norwegen über die Nutzung von Internet-Diensten der Behörden befragt wurden. Alles zu Government auf CIO.de

Beim deutschen E-Government gibt es Nachholbedarf.
Beim deutschen E-Government gibt es Nachholbedarf.
Foto: dencg - shutterstock.com

"Die Ergebnisse zeigen: Es ist wichtig, nicht nur die eigenen IT-Systeme und Netze genügend gegen Cyberattacken zu schützen", sagt Andreas Simon, Experte für Digital Government bei Sopra Steria. "Nur wenn die gesamte digitale Strecke zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Behörden sicher ist, wird die Masse der Bürger ihre Behördenangelegenheiten ohne ungutes Gefühl online erledigen." Politik und öffentliche Verwaltung seien daher gefordert, das Vertrauen in die Online-Kommunikation mit Behörden zu stärken, damit digitale Verwaltungsdienste wie Einwohnermeldeangelegenheiten, Kfz-Zulassungen und Steuererklärung stärker genutzt werden.

Deutsches E-Government wenig fortschrittlich

Das wäre dringend nötig, denn insgesamt ist es um das E-Government in Deutschland nach wie vor nicht gut bestellt. Der Studie zufolge kommt die Digitalisierung der Behörden aus Sicht der Bevölkerung in Deutschland nicht schnell genug voran. Demnach stufen 42 Prozent der Deutschen den Entwicklungsstand ihrer digitalen öffentlichen Verwaltung als fortschrittlich ein, das sind neun Prozentpunkte weniger als 2016. Damit hinkt Deutschland den anderen Ländern klar hinterher. Rund zwei Drittel der Briten und Franzosen bezeichnen das E-Government-Angebot ihres Landes als fortschrittlich. In Norwegen sind es sogar drei Viertel der Bürger.

Laut dem Digital Government Barometer von Sopra Steria und IPSOS stufen die Deutschen ihr E-Government-Angebot als wenig fortschrittlich ein.
Laut dem Digital Government Barometer von Sopra Steria und IPSOS stufen die Deutschen ihr E-Government-Angebot als wenig fortschrittlich ein.
Foto: Sopra Steria /IPSOS

84 Prozent der Deutschen wünschen sich von Bund, Ländern und Kommunen mehr Initiative und Tatendrang. Wie die Umfrage gezeigt hat, nutzen Bürger die digitalen Angebote der öffentlichen Verwaltung nur, wenn sie ihnen das Leben erleichtern. Für die Macher der Behördenangebote im Netz heißt das: Die Schritte, einen Behördengang online zu erledigen, müssen abgekürzt und die Navigation an die richtige Stelle oder zum richtigen Ansprechpartner beschleunigt werden.

Hier gibt es spürbare Defizite: Für 41 Prozent der Deutschen ist der virtuelle Behördengang noch zu kompliziert, jeder Dritte erwartet zudem eine Art Bearbeitungsstatus übermittelt zu bekommen, ähnlich einer Sendungsverfolgung im Onlinehandel. Länderübergreifend wünschen sich die Bürger, dass sie Daten nur einmal eingeben müssen - beispielsweise über ein zentrales Bürgerkonto, das sie selbst anlegen und pflegen können.

Fokus muss auf Einfachheit und Nutzen liegen

Der Wunsch nach einem besseren E-Government-Angebot ist da. Sieben von zehn Deutschen wünschen sich, dass Staat und Bürger künftig noch stärker digital miteinander kommunizieren und interagieren, etwas mehr als bei der Befragung im Vorjahr. "Daraus leitet sich ein klarer Auftrag der Bürger ab, die kritische Bewertung bei Tempo und Qualität der Digitalisierung ernst zu nehmen und die Maßnahmen mit Hochdruck voranzutreiben", konstatiert Sopra-Steria-Experte Simon. "Die öffentlichen Verwaltungen sollten sich bei der digitalen Entwicklung von Online-Diensten auf die Vereinfachung der Verfahren konzentrieren, den Fokus klar auf den Nutzen für Bürger legen und ihre Digitalisierungsprogramme enger miteinander koordinieren."

Zu komplex und zu umständlich, bemängeln viele Bundesbürger das Online-Angbeot der hiesigen Verwaltung.
Zu komplex und zu umständlich, bemängeln viele Bundesbürger das Online-Angbeot der hiesigen Verwaltung.
Foto: Sopra Steria /IPSOS

Diese Wünsche scheinen bei der Politik durchaus offene Ohren zu finden. Zumindest in den Verhandlungen über eine große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD spielt die Digitalisierung der Verwaltung eine wichtige Rolle. Vertreter der Parteien erklärten, die Initiative für ein Bürgerportal vorantreiben und darüber einen einfachen, sicheren und auch mobilen Zugang zu allen Verwaltungsdiensten ermöglichen zu wollen.

n einem Bürgerkonto sollen Nutzer sehen können, welche Daten beim Staat vorliegen und welche Behörde darauf zugegriffen hat. 500 Millionen Euro will eine GroKo für die Entwicklung entsprechender Lösungen einplanen. Prinzipiell sollen auch alle bisherigen und zukünftigen Gesetze auf ihre Digitaltauglichkeit überprüft und bereit fürs E-Government gemacht werden, hieß es. Ferner soll es künftig eine Beteiligungsplattform für alle veröffentlichten Gesetzentwürfe der Bundesregierung geben.

Ziele verfehlt

Was davon bis wann umgesetzt wird, bleibt indes abzuwarten. Schon in der Vergangenheit gab es zahlreiche Strategiepapiere und Digitale Agenden mit hochtrabenden Zielen - die meist krachend verfehlt wurden. Bestes Beispiel: der Breitbandausbau. Schon die letzte Groko hatte allen Nutzern hierzulande bis zu diesem Jahr flächendeckend eine Bandbreite 50 Mbit/s versprochen. Doch davon können viele Deutsche - gerade in ländlichen Gebieten - nach wie vor nur träumen. Nun sollen bis 2025 sogenannte "Gigabitnetze" gebaut werden, beteuern die Parteien.

Die Ziele beim Breitbandausbau hat CSU-Minister Minister Alexander Dobrindt weit verfehlt.
Die Ziele beim Breitbandausbau hat CSU-Minister Minister Alexander Dobrindt weit verfehlt.
Foto: BMVI

Es verwundert daher nicht, dass Experten und Verbände skeptisch sind, was die Digital-Ambitionen der kommenden Regierung betrifft. Beispielsweise provozierte der Plan, den Breitbandausbau in der Zuständigkeit des Verkehrsministeriums zu belassen, heftige Kritik. "Das Bundesverkehrsministerium ist in der vergangenen Legislaturperiode damit gescheitert, den Breitbandausbau in Deutschland voranzubringen", sagt Florian Nöll, Bundesvorsitzender des Verbands Deutsche Startups. "Das qualifiziert dieses Ressort eindeutig nicht dafür, weitere Zuständigkeiten in der Digitalisierung zu übernehmen." Der Startup-Vertreter fordert stattdessen ein "eigenständiges Digitalministerium".

Vieles bleibt Stückwerk

Der Bitkom begrüßte zwar, dass sich Union und SPD den Herausforderungen der Digitalisierung stellen wollen. Mit den ersten Ergebnissen zeigte sich der Lobbyverband der hiesigen IT-Branche jedoch alles andere als zufrieden. "Die neue Koalition muss die Weichen auf digitales Wachstum und digitale Vollbeschäftigung stellen", forderte Bitkom-Präsident Achim Berg.

Das erfordere eine echte Strategie für ein Digitales Deutschland - "was bislang auf dem Tisch liegt, ist allenfalls Stückwerk". Es brauche eine Offensive für digitale Bildung, für Arbeit mit Zukunft, für intelligente, leistungsfähige und sichere Infrastrukturen. "Die nächste Bundesregierung muss die Digitalisierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung zum Nutzen aller gestalten." Der IT-Lobbyist verlangt: "Deutschland muss in den kommenden Jahren alles auf die digitale Karte setzen."

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