"Fuckup-Session"

Die 7 Schmerzpunkte der Digitalisierung

Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Wo liegen die größten Pain Points im digitalen Transformationsprozess? CIOs diskutieren darüber lieber hinter verschlossenen Türen.

Schöne Neuerung auf der Handelsblatt IT-Tagung 2020 in München: Zum ersten Mal ziehen sich CIOs ins Séparée zurück, um über die Schwierigkeiten der DigitalisierungDigitalisierung zu reden - also über das, was bis jetzt schieflief. "Fuckup-Session" heißt das auf Neudeutsch. Journalisten unerwünscht. Auf der Bühne und in Gesprächen mit den Rednern der Tagung tritt aber deutlich zu Tage, was im Séparée zur Sprache kommen muss. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Was läuft schief bei der Digitalisierung? Wir riskieren einen Blick hinter die Kulissen.
Was läuft schief bei der Digitalisierung? Wir riskieren einen Blick hinter die Kulissen.
Foto: wavebreakmedia - shutterstock.com

Markus Voss, CIO & COO, DHL Supply Chain, Deutsche Post DHLDeutsche Post DHL, sieht seine Branche erst am Anfang der Digitalisierung, hinter MedienMedien, Banking, und selbst hinter den VersicherungenVersicherungen. Die DHL Supply Chain ist ein Unternehmensbereich mit 140.000 Mitarbeitern an 2.000 Standorten weltweit. Jedes Jahr stellt DHL hier 40.000 neue Mitarbeiter ein. "Die müssen Sie mitnehmen", sagt Voss über seine sportlichen Kollegen: "Ein Mitarbeiter im Lagerhaus läuft bis zu 80.000 Schritte am Tag." Das hat DHL aus Heatmaps im Lagerhaus abgelesen. Top-500-Firmenprofil für Deutsche Post AG Top-Firmen der Branche Medien Top-Firmen der Branche Versicherungen

Pain Point 1: Mitarbeiter fühlen sich überflüssig

Künstliche IntelligenzKünstliche Intelligenz (KI) optimiert jetzt die Laufwege. Sie hilft auch bei "Volume Prediction", "Staff Scheduling", "Routing Optimization, "Product Classification" und "Geocoding". Voss´ Befürchtung bei so viel Maschinenintelligenz: Die Leute, die seit 20 Jahren Disponent sind, könnten sich durch KI schnell ausgebootet fühlen. Als erstes Thema gehört deshalb in die Fuckup-Session: Was tun, wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass sie durch die Digitalisierung überflüssig werden? Alles zu Künstliche Intelligenz auf CIO.de

Pain Point 2: Digitale Konkurrenten

Olaf Frank, Head of Business Technology, Munich ReMunich Re, versteht die Folie seines Vorredners nicht, auf der Versicherungen schon als "sehr digitalisiert" dastehen, digitalisierter als die Logistiker. Frank berichtet von einem Gespräch mit den Gründern von Lemonade.com, einem Online-Portal, das Haftpflicht-Versicherungen ab 2 Euro anbietet: "Die haben sich angeguckt, wo wenig digitalisiert ist und wo es viel zu verdienen gibt. So sind sie bei den Versicherungen gelandet." Top-500-Firmenprofil für Munich Re

Olaf Frank von Munich Re berichtet von neuen Konkurrenten im Versicherungsmarkt: "Die haben sich angeguckt, wo wenig digitalisiert ist und wo es viel zu verdienen gibt."
Olaf Frank von Munich Re berichtet von neuen Konkurrenten im Versicherungsmarkt: "Die haben sich angeguckt, wo wenig digitalisiert ist und wo es viel zu verdienen gibt."
Foto: Thorsten Jochim, Handelsblatt

Munich Re kann es eigentlich egal sein, ob altehrwürdige VersicherungenVersicherungen mit vielen Vertretern und vielen Risikobewertern das Geschäft machen - oder neue Digitalisierte ohne Vertreter und ohne (menschliche) Risikobewerter. Der Rückversicherer bietet trotzdem eine Plattform an, auf der Erstversicherer ein bisschen an der "Sales AnalyticsAnalytics" oder "Claims Analytics" der Munich Re teilhaben können. Beispiel: Nach einem Hurrikan untersucht ein KI-System die Satellitenbilder der betroffenen Region. "Wenn ein Dach zerstört wurde, hängt die Schadenshöhe entscheidend davon ab, wie schnell das Dach wieder repariert wurde", berichtet Frank. Alles zu Analytics auf CIO.de Top-Firmen der Branche Versicherungen

KI kann schneller erkennen als jeder Sachverständige, wo das Dach tatsächlich fehlt und wo Ansprüche berechtigt sind. Und billiger. Nur 60 Prozent aller Einnahmen zahlen herkömmliche Versicherungen an Geschädigte aus, schätzt Frank. Das könnte sich durch die Digitalisierung dramatisch ändern. Also gehört als zweites Thema in die Fuckup-Session: Was tun, wenn Konkurrenten durch Digitalisierung bessere Konditionen anbieten?

Pain Point 3: Zuviel Outsourcing

Roland SchützRoland Schütz, Group CIO der LufthansaLufthansa, erzählt seine "Customer Journey" entlang von 14 Schritten, also anhand von deutlich mehr Schritten als dem Ein- und Aussteigen im Flieger. Schütz fängt beim Buchen an (und wie sich Preistransparenz dabei vermeiden lässt). Die Lufthansa als Premiummarke mit Premiumpreisen behauptet sich bei diesem Schritt prima, obwohl es in Europa immer noch 200 Airlines gibt, wie der CIO schätzt. Top-500-Firmenprofil für Lufthansa Profil von Roland Schütz im CIO-Netzwerk

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