ZEW-Prognose

Die Arbeitszeit im Home-Office steigt stark an

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Infolge der Corona-Pandemie erwarten Unternehmen in Deutschland einen starken und langfristigen Anstieg der Arbeitszeit, die im Home-Office erbracht wird.
Es gibt kein Zurück mehr: Jetzt haben auch die Wissenschaftler des ZEW bestätigt, dass die Arbeit im Home-Office überdurchschnittlich und langfristig steigt.
Es gibt kein Zurück mehr: Jetzt haben auch die Wissenschaftler des ZEW bestätigt, dass die Arbeit im Home-Office überdurchschnittlich und langfristig steigt.
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Wie eine aktuelle Unternehmensbefragung des ZEW Mannheim zeigt, erwarten Unternehmen der Informationswirtschaft, dass nach der Pandemie ein durchschnittlicher Anteil von 24 Prozent der Arbeitszeit ihrer Beschäftigten von zu Hause aus geleistet wird. Vor der Pandemie lag dieser Anteil noch bei lediglich neun Prozent der Arbeitszeit.

Im Verarbeitenden Gewerbe verdoppelt sich der durchschnittliche Anteil der Arbeitszeit im Home-Office derweil von drei Prozent vor Corona auf sechs Prozent nach Corona. "Sowohl kleine, mittlere als auch große Unternehmen rechnen mit einem deutlichen Anstieg des Home-Office-Anteils der Arbeitszeit. Die erwartete Verlagerung ins Home-Office ist allerdings in großen Unternehmen am stärksten ausgeprägt", beobachtet Daniel Erdsiek, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich "Digitale Ökonomie".

Klassisches Modell geht von der 5-Tage-Woche aus

An der repräsentativen Befragung beteiligten sich im Dezember 2021 und Januar 2022 über 1.000 Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und der Informationswirtschaft, welche die IKT-Branche, Mediendienstleister und wissensintensive Dienstleister umfasst. Die Unternehmen wurden dabei gefragt, wie häufig sie vor der Pandemie hybride Arbeitsmodelle genutzt haben und welcher Einsatz für die Zeit nach der Pandemie geplant ist.

Dabei reichten die abgefragten Arbeitsmodelle von wöchentlich einem Tag bis zu fünf Tagen Home-Office. Für jedes der fünf Home-Office-Modelle gaben die Unternehmen den Anteil der Beschäftigten an, die diese Modelle voraussichtlich in Anspruch nehmen werden. Auf Basis dieser detaillierten Angaben kann der Anteil der in einem Unternehmen anfallenden Gesamtarbeitszeit abgeschätzt werden, der voraussichtlich im Home-Office erbracht wird. Die zugrundeliegenden Annahmen sind hierfür, dass für die Beschäftigten eines Unternehmens eine Arbeitswoche aus fünf Tagen besteht und die Arbeitszeit jeweils gleichmäßig auf diese fünf Arbeitstage verteilt ist. So entspricht jeder Arbeitstag eines Beschäftigten einem Anteil von 20 Prozent seiner Arbeitszeit.

Home-Office-Anteil steigt deutlich an

Vor der Corona-Pandemie lag der durchschnittliche Anteil der Arbeitszeit, der aus dem Home-Office erbracht wurde, bei neun Prozent in Unternehmen der Informationswirtschaft und drei Prozent in Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Für die Zeit nach der Pandemie erwarten die Unternehmen, dass 24 Prozent der Arbeitszeit in der Informationswirtschaft und sechs Prozent der Arbeitszeit im Verarbeitenden Gewerbe aus dem Home-OfficeHome-Office erfolgt. Der zeitliche Vergleich der Durchschnittswerte zeigt demnach, dass sich der Home-Office-Anteil der Arbeitszeit nach Einschätzung der Unternehmen beider Sektoren langfristig vervielfacht. Alles zu Home Office auf CIO.de

Dies gilt insbesondre für größere Unternehmen, in denen die Verlagerung der Arbeit ins Home-Office noch stärker ausgeprägt ist als in kleineren Unternehmen. So erwarten Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten in der Informationswirtschaft, dass nach der Pandemie im Durchschnitt 38 Prozent der Arbeitszeit ihrer Beschäftigten im Home-Office erbracht werden. Zum Vergleich: Vor der Pandemie betrug dieser Anteil noch zehn Prozent. Auch im Verarbeitenden Gewerbe sehen große Unternehmen den deutlichsten Home-Office-Schub und rechnen mit einem Anteil von 14 Prozent der Arbeitszeit im Home-Office nach Corona (im Vergleich zu drei Prozent vor der Pandemie).

Mehr Unternehmen planen Verlagerung ins Home-Office

"In nur jedem zehnten Unternehmen der Informationswirtschaft wurde bereits vor der Pandemie ein Anteil von mehr als 30 Prozent der Arbeitszeit im Home-Office erbracht. Für die Zeit nach der Pandemie rechnet nun aber ein Drittel der Unternehmen mit einer solch intensiven Home-Office-Nutzung. Der entsprechende Unternehmensanteil hat sich im Verlauf der Pandemie also verdreifacht", analysiert Erdsiek. Insgesamt gehen 15 Prozent der Unternehmen sogar davon aus, dass langfristig mehr als die Hälfte der Gesamtarbeitszeit im Home-Office erbracht wird.

Die Erwartungen entsprechen auch hier dem Dreifachen des Vorkrisenniveaus. Im Verarbeitenden Gewerbe gehen hingegen nur wenige Unternehmen davon aus, dass nach der Pandemie mehr als 30 Prozent oder sogar 50 Prozent der Arbeitszeit von zu Hause aus erbracht werden. Allerdings erwartet fast jedes fünfte Unternehmen, dass nach der Pandemie mehr als zehn Prozent der Arbeitszeit aus dem Home-Office geleistet werden (im Vergleich zu nur vier Prozent der Unternehmen vor Corona).

Mittelstand bleibt zurückhaltend

"Wie häufig Unternehmen eine intensive Home-Office-Nutzung erwarten, hängt stark mit deren Größe zusammen", so Erdsiek. So gehen in der Informationswirtschaft 58 Prozent der großen Unternehmen davon aus, dass nach der Pandemie mehr als 30 Prozent ihrer Arbeitszeit ins Home-Office verlagert sein werden. Knapp ein Viertel der großen Unternehmen rechnet mit einem Home-Office-Anteil von mehr als 50 Prozent der Arbeitszeit.

Bei den kleinen Unternehmen mit fünf bis 19 Beschäftigten erwarten hingegen jeweils nur etwa halb so viele Unternehmen eine vergleichbare Home-Office-Intensität (29 Prozent bzw. 13 Prozent der Unternehmen). Dennoch verbuchen die Unternehmen aller Größenklassen einen deutlichen und langfristigen Home-Office-Schub im Vergleich zum Vorkrisenniveau.

Im Verarbeitenden Gewerbe konzentriert sich die Verlagerung zum Home-Office vor allem auf geringere Anteile der Gesamtarbeitszeit. Während hier fast die Hälfte der großen Unternehmen davon ausgeht, dass nach der Pandemie mehr als zehn Prozent der Arbeitszeit von zu Hause aus geleistet werden, gilt dies nur für etwa jedes zehnte der kleinen Unternehmen. Einen Anteil von mehr als 30 Prozent Heimarbeitszeit erwarten derweil zwölf Prozent der großen und sechs Prozent der kleinen Unternehmen (vor Corona waren es jeweils etwa drei Prozent). Der Anteil der Unternehmen, die erwarten, dass mehr als die Hälfte der Arbeitszeit von zu Hause aus erbracht wird, bleibt im Verarbeitenden Gewerbe allerdings für alle Unternehmensgrößen relativ unverändert und liegt bei etwa drei Prozent.

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