Deutschland

Die Ausgestoßenen

30.06.2008
Von Christian Rickens und Henrik Müller

Vor Kurzem erst hatte ein luxemburgischer Minister Kohl am Rande einer Veranstaltung angesprochen: Wann er denn in Luxemburg mit dem Investieren anfangen wolle. Gerade jetzt habe man wieder ein sehr schönes freies Gewerbegrundstück für ihn ...

Was für ein Kontrast zu Ottmar Schreiner, dachte der Unternehmer Edwin Kohl an jenem Sonntagabend. Was für ein Kontrast zu Deutschland. Ein neues Unbehagen an ihrem Heimatland hat sich breitgemacht in der deutschen Wirtschaftselite.

Neu erwachter Heimatfrust der Top-Manager

Mit Unverständnis beobachten Manager und Unternehmer, dass der Wunsch nach mehr Umverteilung und sozialer Sicherheit in der deutschen Gesellschaft erneut Fuß fasst, dass linkes Gedankengut bis weit hinauf in die deutsche Mittelschicht wieder salon- und mehrheitsfähig geworden ist. Und geradezu abgeschreckt zeigen sich die Wirtschaftslenker von der Willfährigkeit, mit der selbst die bürgerlichen Parteien CDU und CSU ihre Politik den neu erwachten Sehnsüchten der Wähler anpassen.

Unternehmer und Manager, qualifizierte Nachwuchskräfte und Vermögende stellen sich große Zukunftsfragen: Was wird aus diesem Land? Sind wir hier eigentlich noch erwünscht? Können wir uns hier noch entfalten? Und immer mehr Leistungsfähige und Leistungswillige beantworten diese Fragen mit Nein. Wie Edwin Kohl tragen sie sich mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen.

Der neu erwachte Heimatfrust der Business-Class kommt überraschend. In den letzten zwei, drei Jahren hatte sich die Stimmung in den gehobenen Etagen der Wirtschaft deutlich verbessert. Ein neues Deutschland-Gefühl breitete sich aus, getragen vom Wiedererstarken der IndustrieIndustrie, von Wettbewerbsfähigkeit auf Weltniveau - und vom Vertrauen in die Große Koalition, die zwar nicht den großen Sprung nach vorn wagte, aber immerhin sachlich zu Werke ging. Top-Firmen der Branche Industrie

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