Deutschland

Die Ausgestoßenen

30.06.2008
Von Christian Rickens und Henrik Müller

Der aktuelle Stimmungswandel verschärft eine problematische Tendenz, die bereits seit Jahren die Zukunftsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft gefährdet: die größte Auswanderungswelle seit dem späten 19. Jahrhundert. Über 150.000 Bundesbürger verlassen derzeit das Land, Jahr für Jahr.

Es sind überwiegend überdurchschnittlich gut ausgebildete, überdurchschnittlich wohlhabende Leute, auf die die alternde und schrumpfende deutsche Gesellschaft eigentlich nicht verzichten kann. Sie werden gebraucht - als Wertschöpfer und als Steuerzahler, als Beweger und als Vorbilder.

Die Fortzüge wären nicht weiter problematisch, wenn zugleich viele leistungsfähige Ausländer einwanderten. Doch die kommen nur in homöopathischer Anzahl. Deutschland ist dabei, den Wettbewerb um die besten Köpfe zu verlieren.

Der Wirtschaftselite fehlt die politische Heimat

"Für mich gibt es eigentlich keinen Grund zurückzukommen", sagt Gilbert Fischer (33). Seit 2001 arbeitet der Finanzmarktprofi im Ausland, zunächst in London, inzwischen in der Züricher Filiale der US-Brokerfirma Cantor Fitzgerald. Und als Nächstes? Vielleicht nach Asien. Wer weiß, wo der nächste spannende Job wartet.

Gilbert Fischer, rasierter Schädel, blitzschnell im Kopf, ständig in Aktion, sagt, er fühle sich im Ausland einfach wohler. Klar, auch die niedrigeren Einkommensteuern machten die Schweiz attraktiv, vor allem aber sei das emotionale "Environment" angenehmer. "Wenn du Gas geben willst, wenn du Erfolg haben willst, kannst du dich hier entfalten."

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