Deutschland

Die Ausgestoßenen

30.06.2008
Von Christian Rickens und Henrik Müller

Wer geht, der hat sich in Deutschland eingeengt gefühlt - nicht nur finanziell, sondern überhaupt. In einer Online-Befragung hat das "Manager Magazin" deutsche Emigranten der aktuellen Welle nach ihren Motiven und Erfahrungen gefragt - und danach, was sie möglicherweise zur Rückkehr bewegen könnte. Es ist eine der raren empirischen Untersuchungen unter Menschen, die tatsächlich das Land verlassen haben. Die Ergebnisse sind nicht gerade ermutigend für die deutsche Gesellschaft.

Allerdings bemüht sich auch niemand ernsthaft, die mobilen Leistungsträger im Land zu halten. Während andere Staaten um die besten Köpfe auf der ganzen Welt werben - auch mit maßgeschneiderten Steuerregeln -, tut die deutsche Politik das genaue Gegenteil: Sie setzt auf Abschreckung.

Dabei ist es eine Sache, wenn Ottmar Schreiner auf die Profitgier der Unternehmer schimpft. Das lässt sich in den Augen der Wirtschaftselite zur Not noch als linke Folklore verbuchen. Schwerer wiegt, dass sich inzwischen nahezu das gesamte Polit-Establishment von der Wirtschaft entfremdet hat.

Die CDU, die sich unter Angela Merkels FührungFührung zunächst so eindeutig als wirtschaftsliberale Reformpartei positioniert hatte, ist nach links gerückt. Fassungslos haben Unternehmer und Manager seit der Wahl 2005 zugesehen, wie sich die CDU in eine sozial-konservative Partei zurückverwandelte: Die CDU trug die "Reichensteuer" mit, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die partielle Zurücknahme der "Agenda 2010". "Populismus pur", sagt Patrick Adenauer, Vorsitzender des Familienunternehmerverbands ASU. Alles zu Führung auf CIO.de

Und die Opposition? Auch in der FDP vermag die frustrierte Wirtschaftselite keine rechte Heimat zu finden. "Die FDP hat ein Personalproblem", sagt Adenauer, "und das fängt an der Spitze an. Inhaltlich hat Guido Westerwelle alles verstanden, aber er schafft es nicht, seine Botschaften mit Herz rüberzubringen."

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