Deutschland

Die Ausgestoßenen

30.06.2008
Von Christian Rickens und Henrik Müller

Eben dies ist die große Herausforderung, der sich jede Nation in Zeiten der Globalisierung stellen muss: Wie schafft es die große Mehrheit der immobilen, heimattreuen Bürger, die hochproduktiven Mobilen an sich zu binden? Und wie gelingt es, dass sie sich im Land engagieren - wirtschaftlich, sozial, politisch -, statt einfach zu gehen?

Deutschland steht diesen Fragen reichlich ratlos gegenüber. Die kulturellen Bindekräfte, die die Mobilen halten könnten, sind nicht sonderlich stark. Mit patriotischer Pflicht braucht man jedenfalls kaum jemandem zu kommen. So ist der Akt der Emigration zu einer ganz sachlichen Angelegenheit geworden. Man geht eben, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis anderswo günstiger erscheint.

Ausgewanderte Unternehmer: Beispiel Werner Bukowski

Werner Bukowski (55) liebäugelte schon lange mit der Schweiz, "wegen der Steuern". Noch ein Jahrzehnt bis zur Rente, da könnte man doch mal das Nettogehalt steigern und dann mit dem Ersparten ganz entspannt in den Ruhestand gleiten - eine verlockende Vorstellung.

Ein Headhunter vermittelte ihm einen Job bei der Schweizer Dependance des PC-Herstellers DellDell. Seit einem Jahr wohnen Bukowski und seine Frau nun in Zürich und wollen bleiben. Mit den Schweizern sei es zwar nicht so einfach, Kontakt zu bekommen, erzählt er, aber unter den 100.000 Ausländern, darunter 35.000 Deutsche, die in Zürich leben, gebe es ja genug Auswahl an Leuten. Alles zu Dell auf CIO.de

Keine Gesellschaft kann es sich auf Dauer erlauben, ihre leistungsfähigsten Mitglieder ziehen zu lassen. Zum einen aus fiskalischen Gründen: Die oberen zehn Prozent der Einkommensbezieher tragen in Deutschland die Hälfte des gesamten Einkommensteueraufkommens. Zum anderen halten gerade die jungen, gut ausgebildeten Aufstiegshungrigen gesellschaftliche Innovationsprozesse am Laufen - auch indem sie jenen Mut zur Veränderung aufbringen, den eine alternde, verängstigte Gesellschaft dringend benötigt.

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