"Sind Sie Jungfrau?"

Die fiesesten Fragen im Bewerbungsgespräch

Meridith Levinson ist Autorin unserer US-Schwesterpublikation CIO.com.

"Wenn der CIO oder irgendein wichtiger Mensch aus Ihrem Unternehmen zu Ihnen kommt und Sie um die Lösung eines dringenden Problems bittet: Wie reagieren Sie?"

Diese Frage wird IT-Wechslern häufig gestellt. In der verschärften Variante unterstreicht der Personalchef das Problem noch durch ungeduldiges Klopfen auf den Tisch. Bei der Frage geht es darum, Kandidaten zu identifizieren, die bereit sind, die Initiative zu ergreifen. Weniger willkommen sind hier Bewerber, die als erstes nach Hilfe rufen und genaue Anweisungen von oben erwarten. Wer sich hier als stress-resistent erweist, hat gute Chancen auf den Job.

"Kein Buch" ist auch eine Antwort

"Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?"

Diese harmlos daherkommende Frage ist eine echte Sprengfalle. In der Antwort geht es dabei weniger um die Alternative zwischen Dan Brown oder Günter Grass. Vielmehr gibt es Jobs, die verlangen die regelmäßige Lektüre von Fachbüchern, um auf dem Laufenden zu bleiben. Wer hier Eigeninitiative zeigt, punktet besonders dann, wenn das Budget für Weiterbildung in der IT-Abteilung gerade auf ein Minimum zusammengestrichen wurde.

Überraschenderweise führt unter Umständen auch die Antwort "gar keins" nicht zum Punktabzug. Es könnte ja sein, so ein Personalchef, dass die Bewerber sich mit technischen Anleitungen oder einschlägigen Webseiten auf den Stand der Dinge brächten.

"Wenn Sie ein Jahr in die Zukunft denken: Was wird Sie dann im Unternehmen halten?"

Hintergrund dieser Frage: Sitzt da ein Kandidat, der demnächst mit dem Fallschirm in der IT-Abteilung landet, im Handstreich noch vor dem nächsten Brand alle Probleme löst und dann schnell vor Langeweile vergeht? Oder ist da jemand, der lieber auf nachhaltige Beutezüge geht und dafür länger Spaß an der Sache hat? "Ich würde hier nicht sitzen", antwortete ein Bewerber, "wenn ich nicht dächte, dass der Job genau das ist, was ich suche. Aber wie soll ich wissen, ob das in einem Jahr auch noch so ist? Allerdings gehen wir alle dieses Risiko ein." Er bekam den Job.

"Wie lange wird es dauern, bis Sie mit positiven Ergebnissen Ihrer Arbeit aufwarten können?"

Jeder Personalchef wünscht sich Bewerber, die ohne große Einarbeitungszeit und Trainings loslegen. Im speziellen Fall verrät die Antwort etwas darüber, wie sehr ein Kandidat seinen Fähigkeiten vertraut und wie gut er die Anforderungen an die Stelle verstanden hat. Das wiederum hilft dem Personalchef bei seiner eigenen Einschätzung, wie lange es dauern wird, bis sich der neue Mitarbeiter produktiv betätigen wird.

"Warum glauben Sie, dass ausgerechnet Sie den größten Anteil an der erfolgreichen Arbeit Ihrer Abteilung haben?"

Eine typische Stressfrage, denn sie verlangt vom Bewerber, dass er sich sehr genau mit seiner Rolle beschäftigt hat und Auskunft darüber geben kann, was konkret er bei seinen früheren Arbeitgebern zum Unternehmenserfolg beigetragen hat.

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