Smart Grids

Die intelligenten Stromnetze der Zukunft

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Demokratisierung der Energiewirtschaft

Matthias von Bechtolsheim ist Partner bei Arthur D. Little.
Matthias von Bechtolsheim ist Partner bei Arthur D. Little.
Foto: Arthur D. Little

"Smart Grids haben einen dreifachen Nutzen: Sie helfen zunächst, Energie einzusparen ('Energieeffizienz'). Durch 'Smart-Home'- beziehungsweise 'Smart-Building'-Lösungen wird eine intelligente Überwachung und Steuerung von Heizung, Klimaanlagen und Beleuchtung möglich. Damit wird nur so viel Energie verbraucht wie notwendig. Zusätzlicher Komforteffekt: Man kann das 'Smart Home' via Handy oder Smartphone fernsteuern und wird über Ereignisse wie den Ausfall einer Heizung sofort informiert. Dazu muss der von den Energieversorgern zukünftig zu installierende Smart Meter zu einem Energie-Management-System ausgebaut werden.

Smart Grids erlauben zudem, das schwankende Stromangebot erneuerbarer Energiequellen wie Windkraft und Photovoltaik effektiver zu nutzen ('Lastausgleich'). Wichtigste Bausteine des Smart Grids bei der Ausbalancierung von Stromangebot und -nachfrage werden das 'Last-Management' sowie die 'virtuellen Kraftwerke' sein. Beim Last-Management wird die Nachfrage nach Strom an die Zeiten des hohen Stromangebots angepasst: Wenn also der Wind besonders stark weht, wird ein Kühlhaus besonders tief heruntergekühlt, dafür wird die Kühlung bei geringem Windangebot zeitversetzt.

Virtuelle Kraftwerke steuern mehrere dezentrale Stromerzeuger wie KWK-(Kraft-Wärme-Kopplung-)Anlagen, Fotovoltaikanlagen, Windräder oder Laufwasserkraft so, dass ein stabiles Stromangebot ('Bandenergie') entsteht. Der Ökostrom- und Gasanbieter Lichtblick startet mit dem "ZuhauseKraftwerk" einen solchen virtuellen Kraftwerksverbund aus zahlreichen Mikro-KWK-Anlagen.

Unternehmen profitieren durch Smart Grid im Wesentlichen über die Energieeinsparungen sowie über positive Effekte für ihr 'Nachhaltigkeitsimage'. Maßnahmen zur Steigerungen der Energieeffizienz, etwa durch 'Smart Building' schlagen sich in direkten Kosteneinsparungen nieder. Viele Unternehmen können damit aber auch die Nachhaltigkeit ihres Tuns glaubhaft demonstrieren. So ist es für IT-Dienstleister im Internet wichtig, ihren Usern saubere und nachhaltige Klicks zu bieten. Das 'Clean Datacenter', betrieben mit Strom aus Brennstoffzellen, die Wasserstoff aus Wind- und Solarenergie nutzen ('H2BZ'), kann sich langfristig zu einer Killerapplikation im Smart Grid entwickeln, indem der klassische 'Notstromdiesel' durch H2BZ ersetzt wird."

Letztlich ist Smart Grid die Voraussetzung zur 'Demokratisierung' der Energieversorgung. Verbraucher, private Haushalte wie auch Unternehmen werden zu Energieproduzenten ('Prosumer'). Zudem entstehen neue Energiedienstleister, die sich auf spezielle Anwendungen im Smart Grid konzentrieren. So hat die Deutsche Telekom Smart Grid bereits als Wachstumsbereich ausgemacht, es ist Teil der "Strategie 2.0". Ein Kampf um den Endkunden steht bevor: Wer dem Kunden IT, TK und Smart Meter aus einer Hand liefern kann, bestimmt die Kundenbeziehung und wird dem Kunden dann auch den Strom sowie zusätzliche Dienstleistungen liefern.

Technische Lösungen wie Smart Meters sind derzeit für eine technikaffine Minderheit interessant. Dagegen sind Energieeinspar-Angebote als 'selbstfinanzierende Full-Service-Pakete' klar, einfach und verständlich. Sie dürften deshalb einen breiteren Teil der Bevölkerung ansprechen."

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