Finance IT


Innovation in Zeiten der Umstellung

Die Strategie der Deutschen Bank

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategischen und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.

2014 steht im Zeichen der Infrastruktur

Innovation muss aber auch auf der Kundenseite stattfinden, will man am Ende des ehrgeizigen und ressourcenfressenden Architekturprojekts nicht den Anschluss an den Markt verloren haben. Noch stehe das laufende Jahr vor allem im Zeichen von Infrastrukturanpassungen, räumt Gaertner ein. Von den beiden geplanten Releases widme sich eines komplett, das andere zu einem großen Teil dem Systembereich, den der Kunde nicht wahrnimmt.

Eines der Ziele für 2014 ist die Umstellung der Hardwarelandschaft auf eine virtualisierte Umgebung. "Bis Ostern 2015 wollen wir SAP komplett auf x86 haben", so der IT-Verantwortliche für den gesamten Retail-Bereich. Diese Sensation für die Bankenwelt wird dem größten Teil der Klientel vermutlich nur ein Schulterzucken abgewinnen.

Basis für kundennahe Innovationen

Deshalb investiert der Privat- und Geschäftskundenbereich das Budget, das nach Magellan und Regulatorik übrig bleibt, vor allem dort, wo man neue Marktchancen erkennt. Dazu zählen unter anderem neue User Interfaces sowie Online- und Mobile Banking. "Wir wollen auch Dinge tun, die von den Kunden wahrgenommen werden", bestätigt Gaertner - allerdings nicht, ohne noch einmal zu betonen, dass sich auch die kundennahen Innovationen auf einem "modernen, nicht komplexen Backend" künftig viel schneller und flexibler werden umsetzen lassen.

Technische Innovationen wie In-Memory-Computing müssen zunächst einmal zurückstehen. "Wir halten den Scope von Magellan bewusst stabil", erläutert Gaertner, "um den Fokus und den Lieferdruck zu erhalten." Allerdings zeigt sich der CIO von den Möglichkeiten der neuen Speichertechnik beeindruckt: "Damit kann man Probleme lösen, die wir bislang nicht für lösbar hielten." Deshalb werde sich diese Technik wohl durchsetzen und auch bei der Deutschen Bank ein Thema sein - mit Nachdruck aber erst, wenn Magellan abgeschlossen ist. Das soll nach wie vor im Dezember 2015 der Fall sein - mit der Migration von Kontoführung und -verwaltung auf die Standardsoftware und die virtualisierte IT-Architektur.

Bis dahin sollte die Retail-IT dann auch ihre Einsparungsziele erreicht haben. Die summieren sich mittlerweile auf 280 Millionen Euro pro Jahr. Dass die ursprünglich kalkulierten Kostensenkungen noch einmal - um 30 Millionen Euro jährlich - erhöht wurden, liegt an weiteren Einsparmöglichkeiten, die sich erst während der Umsetzung offenbarten, so Gaertner. Man mag das als zusätzlichen Druck werten, aber sicher auch als Zeichen für das Vertrauen der Konzernspitze in das Projekt.

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