Hamburger IT-Strategietage

Die Top-Prioritäten der IT-Entscheider

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.

Andreas Keiger, Rittal

Andreas Keiger ist Executive Vice President Global bei Rittal.
Andreas Keiger ist Executive Vice President Global bei Rittal.
Foto: Rittal, Herborn

Auch Andreas Keiger, Executive Vice President Global IT Infrastructure bei Rittal, nennt zunächst die Technik. Er formuliert seine Prioritäten so: "Schnell implementierbare Edge-Rechenzentren im Container werden für Internet of Things (IoT)- und Industrie 4.0Industrie 4.0-Umgebungen immer wichtiger. Die Anforderungen hierfür kommen unter anderem aus der produzierenden und weiterverarbeitenden Industrie, die mit vernetzten Sensoren eine noch weitergehende Automatisierung der Fertigung planen. Dafür müssen neue IT-Systeme in der Nähe der Produktionsstandorte errichtet werden, also beispielsweise in Industrieparks." Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Seine Ratschläge an CIOs: "Erstens: Mit kleineren taktischen Projekten starten, da die Modularität und Skalierbarkeit von Container-basierten RZ-Infrastrukturen dies erlaubt, einen vertrauensvollen Partner an Bord holen und gemeinsam lernen. Zweitens: Datensicherheit und Datenhoheit als wichtige Argumente mit in die Diskussion mit dem Fachbereich nehmen, um die eigenen IT-Leistungen hervorzuheben. Drittens: Erfolge und Innovationen innerhalb der eigenen Organisation sichtbar machen."

Professor Gunter Dueck

Professor Gunter Dueck appelliert an CIOs, initiativ zu werden.
Professor Gunter Dueck appelliert an CIOs, initiativ zu werden.
Foto: Jörn Wolter - Campus Verlag

Professor Gunter Dueck äußert sich skeptisch über neu auftauchende Rollen. Seine Priorität: "Next Level ist für mich das Überdenken der Geschäftsmodelle und konsequenterweise des Unternehmenszwecks. Da zögert das Management zu sehr, und die IT scheint zu fokussiert darauf, zu funktionieren und modern zu halten", beobachtet er. Dueck fügt an: "Insbesondere die schon früher einmal "digitalisierten" Finanzkonzerne müssen mühevoll eine Art Neodigitalisierung schaffen. Ein solcher Next Level wird meist nicht so richtig ernst genommen. Das Problem wird oft scheinbar durch eine schlichte Ernennung eines Chief Digital Officers erledigt, der dann kaum Umsetzungsmacht hat (Fachverstand schon)."

"Viele CIOs sehen es sehr kritisch, wenn neben ihnen Chief Digital Officers, Inno-Labs, Digi-Design-Tanks und so weiter das Unternehmen retten sollen", so Dueck weiter. "Warum denn die, wo doch die Umsetzung am Ende doch an der IT hängen bleibt? Da stelle ich die Frage: Warum bilden sich solche Strukturen denn erst? Hätte nicht der CIO alles schon selbst initiieren können?"

Seine Ratschläge an CIOs: "Die IT-Mitarbeiter müssen sich eben auch mit dem Unternehmen als Ganzem vernetzen, nicht nur von Anforderungen der Fachabteilungen erfahren - die sind ja auch nicht für Geschäftsmodellveränderungen zuständig. Oft lebt die IT nur vom Funding, nicht von Initiative. Initiative muss dann auch dazu führen, dass das Unternehmen irgendwann den CIO als Vorstandsmitglied anerkennt."

Matthias Frühauf, Veeam

Matthias Frühauf, Director Technical Sales CEMEA bei Veeam, sagt über seine Prioritäten: "Die Verfügbarkeit von Services – egal wo sie betreiben werden – ist ein Schlüsselelement für erfolgreiche Go-to-Market Strategien. Die Toleranz gegenüber Ausfällen ist gleich Null – egal ob bei Kunden, Usern oder Stakeholdern im eigenen Unternehmen." Seine Ratschläge an lauten: "IT-Verantwortliche sollten flexible Ansätze wählen, um auf die sich dynamisch ändernden Anforderungen agil reagieren zu können. Ein hohes Maß an Automatisierung und Standardisierung ist dafür unerlässlich und fordert auch die Auseinandersetzung mit monolithischen ,Legacy-Anwendungen'. Gleichzeitig dürfen datenschutzrechtliche und Compliance-Anforderungen nicht aus dem Auge verloren werden."

Gerald Fehringer ist Leiter Multi Cloud Consulting bei QSC
Gerald Fehringer ist Leiter Multi Cloud Consulting bei QSC
Foto: QSC

Gerald Fehringer, QSC

Auch Gerald Fehringer, Leiter Multi Cloud Consulting bei QSC, stellt die Technologie in den Fokus. Ganz oben auf seiner Prioritäten-Liste: Die Radikalisierung der Applikationstransformation (Container-as-a-Service, Serverless) und der Multi Cloud Betrieb (smarter Management Layer, Kostentransparenz und Wahlfreiheit des Cloud Modells).

Daraus leitet er folgende drei Ratschläge ab: Erstens eine Cloud-first Strategie: Innovationen auf modernen Cloud-Diensten, mit Fokus auf PaaS. Fehringer: "Das Rad nicht neu erfinden, Cloud Case-Studies sind eine Goldquelle!" Zweitens: "Think-Big: Skalierung sollte jederzeit möglich sein und nicht erneutes Re-Design - Programmierung im modernen DevOps-Style setzt daher schon zu Beginn auf Cloud-Dienste!" Und drittens: "Privacy-by-Design: nicht als DSGVO-Schlagwort (Datenschutzgrundverordnung) sehen, Datenschutz und Datensicherheitskontrollen schon im Prototyp berücksichtigen - Cloud ist nicht unsicher, nur eine Frage der Architektur!"

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