Hamburger IT-Strategietage

Die Top-Prioritäten der IT-Entscheider

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.

Jochen Fauser, Deloitte

Jochen Fauser ist Technology Strategy & Architecture Lead bei Deloitte.
Jochen Fauser ist Technology Strategy & Architecture Lead bei Deloitte.
Foto: Deloitte

Jochen Fauser Technology Strategy & Architecture Lead bei Deloitte. Er formuliert die Prioritäten wie folgt: "Für die Umsetzung von Innovationen und die Begleitung der zugrundeliegenden digitalen Transformation, steht für uns klar der Aufsatz einer passenden ,End-to-End'-Strategie im Vordergrund: Um die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten und neueste Technologie-Trends ganzheitlich zu adressieren, ist es notwendig, über alle Dimensionen des Operating Models hinweg – vom kundenorientierten Front Office über Middle und Back Office Aktivitäten – technologieunterstütze Lösungen zu implementieren.

Hier kann der CIO als Integrator zwischen unterschiedlichen Geschäftsbereichen agieren. Die technologieorientierte Sicht ermöglicht es CIOs, proaktiv Spannungsfelder zwischen dem schnellen Aufsatz kundenorientierter Lösungen und den darunterliegenden, vielschichtigen Anforderungen aufzuzeigen und in Richtung einer unternehmensweiten digitalen Strategie Akzente zu setzen. Eines der wichtigsten Ziele ist dabei die Verschmelzung von Geschäfts- und Technologiestrategie."

Daraus leitet der folgende Ratschläge ab: "Erstens: CIOs sind digitale Leader – aber nicht die einzigen: CIOs können als Technologieführer ihrer Organisation die digitale Agenda proaktiv vorantreiben. Nichtsdestotrotz sind digitale „Leader“ in anderen Unternehmensteilen ebenso wichtig, um die Digitalisierung und Integration von Innovationen in dedizierten Unternehmensbereichen voranzutreiben. Entscheidend für den CIO ist daher, in seiner Rolle als Integrator und „Change“ Katalysator zu agieren. Zweitens: Orientieren Sie sich stark am Endkunden: Um den Umgang mit Innovation – ultimativ also die Geschäftsstrategie – mitzugestalten, sollten sich digital-orientierte CIOs sowohl auf externe als auch auf interne Kunden konzentrieren.

CIOs mit einem tiefgreifenden Verständnis der Bedürfnisse, Gewohnheiten und Präferenzen der Kunden, können ihr technologisches Know-How nutzen, um an der Entwicklung von innovativen Lösungen mitzuwirken. Drittens: Schaffen Sie eine digitale Kultur, eine ,digitale DNA', für die digitale Agenda Ihres Unternehmens: CIOs sollten eine neue Kultur innerhalb der IT pflegen, die Risikobereitschaft, das ,Fast-Failure'-Prinzip, iterative Entwicklungsprozesse, flexible Bereitstellung, Experimente, Pilottests und funktionsübergreifende Projektteams akzeptiert und belohnt. Im Idealfall können Sie sich als Vorreiter für die ,digitale DNA' Ihres Gesamtunternehmens positionieren."

Kai Bender ist Partner bei Oliver Wyman.
Kai Bender ist Partner bei Oliver Wyman.
Foto: Foto Vogt

Kai Bender, Oliver Wyman

Kai Bender, Partner von Oliver Wyman, erläutert seine Prioritäten so: "2018 werden wir eine weitere Beschleunigung der Innovationsgeschwindigkeit in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Machine Learning erleben. Die Priorität unserer Klienten - und damit auch unsere - liegt auf der praktischen Nutzbarmachung und dem Nachweis des messbaren Impacts, den diese Technologien auf das Tagesgeschäft haben. Diejenigen Unternehmen, die aus Daten gewonnenes Wissen am besten und schnellsten zur Weiterentwicklung ihrer Customer Experience einsetzen, werden im Vorteil sein."

Bender nennt folgende drei Ratschläge: "Erstens Kunde zuerst: Denken Sie die Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien immer vom Kundenbedürfnis her, NICHT primär aus Ihren eigenen Geschäfts- oder Querschnittsprozessen heraus. Eine Innovation ist erst dann im Business angekommen, wenn Ihre Kunden etwas davon merken. Zweitens Pilotierung schlägt Theorie: In vielen möglichen Anwendungsbereichen Künstlicher Intelligenz ist das Zielbild noch vage. Warten Sie nicht auf endgültige Klarheit, sondern experimentieren Sie im Markt. Drittens Make statt Buy: Bauen Sie die Fähigkeiten für die Nutzung und Weiterentwicklung Ihrer digitalen Innovationen intern auf. Die dahinter liegenden Technologien haben keine ,Unterstützungsfunktion', die Sie extern zukaufen sollten, sondern sind ein künftiges Kernelement Ihres Unternehmens."

Markus Warg ist IT-Vorstand bei Signal Iduna.
Markus Warg ist IT-Vorstand bei Signal Iduna.
Foto: Signal Iduna

Markus Warg, Signal Iduna

Markus Warg, IT-Vorstand bei der Signal Iduna, sagt über seine Prioritäten: "Die Weiterentwicklung der Architektur unserer Service-Plattform SDA sowie der Aufbau von plattformbasierten Ökosystemen. SDA steht für Service Dominierte Architektur und diese Architektur haben wir auf einer open stack Plattform etabliert, um Offenheit, Unabhängigkeit und die Wiederverwendung von Lösungen sicherzustellen. Die SDA besteht aus drei Service Systemen und einem Data Lake.

Die Service Systeme ermöglichen Echtzeit Interaktion, Einbindung externer Ressourcen sowie die Nutzung der im Unternehmen vorhandenen Fähigkeiten; der Data Lake ermöglicht den Aufbau eines datenbasierten Kundenverständnisses. Diese Architektur befähigt uns neben den Skalen- und Netzwerkeffekten von Plattformen auch den Gebrauchsnutzen (value in use) für unsere Kunden zu maximieren. Dies bedeutet, dass wir Lösungen anbieten, die für den Kunden in seinem jeweiligen Kontext einen hohen Gebrauchsnutzen haben."

Die Ratschläge des IT-Vorstands an CIOs lauten: "Erstens: Ein Zielbild, das verständlich ist und begeistert Wir sagen, dass ,Die TOP Serviceerlebnisse von heute die Erwartungshaltung der Kunden an die Signal Iduna von morgen(!)' prägen. Jeder Mitarbeiter kennt die Auswirkungen der Digitalisierung und kann das Zielbild dadurch leicht interpretieren.

Zweitens: Modernste Technologie und open stack Open stack ist mehr als eine Architektur die für Unabhängigkeit, Wiederverwendbarkeit, Skalierbarkeit, Transferierbarkeit, Offenheit, Sicherheit, Agilität und Evolutionsfähigkeit steht. Open stack steht für eine Kultur der Offenheit und permanenten Verbesserung. Offenheit bezieht sich dabei nicht nur auf das Innere der Organisation, also hinsichtlich Flexibilität, transparenter Zusammenarbeit und Innovationsbereitschaft. Unter Offenheit verstehen wir auch die Öffnung des Unternehmens nach außen. Neue Partner und Kooperationen sind somit wesentliche Treiber für Innovationen.

Drittens: Kompetenzmanagement Die Entwicklungsgeschwindigkeit der open stack community ist rasant. Als CIO gilt es, die relevanten Kompetenzen zu identifizieren, strategische Kompetenzcluster zu bilden und Entwicklungspfade zu definieren. Und ja, die Kosten sind signifikant, werden aber durch Einsparungen infolge der weitgehend lizenzfreien Tools und die Wiederverwendbarkeit von Lösungen mehr als kompensiert."

Zur Startseite