Mergers and Acquisitions

Die wichtigsten ITK-Übernahmen 2020

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO sowie Chefredakteur der europäischen B2B-Marken von IDG. Er kümmert sich um die inhaltliche Ausrichtung der Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. 
Peter Sayer ist Korrespondent des IDG News Service.

NetApp baut Cloud-Management-Angebot aus

Mit der Übernahme von Cloud Jumper zielt NetApp auf das vereinfachte Management virtueller Desktop-Infrastrukturen - egal in welcher Public-Cloud-Umgebung. Cloud Jumper kennt sich aus mit Virtual Desktop Infrastructure (VDI) und Remote Desktop Services. Mit der Übernahme hat NetApp nun eine Gesamtlösung im Angebot, die das Implementieren, Verwalten, Monitoren und Verbessern solcher Umgebungen in der Cloud erleichtert.

Eine zweite Übernahme betrifft die Senkung der Cloud-Kosten: Akquiriert wurde der Cloud-Management-Spezialist Spot, dessen Kauf bei NetApp sogleich die Einführung des Produkts "Spot by NetApp" nach sich zog. Mithilfe von KI- und Analytics-Funktionen sorgt die Lösung dafür, dass Compute- und Storage-Leistungen aus der Cloud in Realtime für bestimmte Anwendungen optimiert werden können. NetApp verspricht Kunden erhebliche Einsparungen bei der Cloud-Nutzung, zudem sollen Programmierer schneller entwickeln und Anwendungen bereitstellen können.

Nvidia greift nach ARM Ltd.

Der GPU-Spezialist Nvidia will den britischen Chipdesigner ARM für über 40 Milliarden Dollar kaufen. Derzeit gehört ARM dem japanischen Technologiekonzern Softbank, der vor vier Jahren rund 32 Milliarden Dollar hingeblättert hatte. Ob Nvidia zum Zuge kommen wird, ist aber noch ungewiss: ARM spielt mit seinen Chipdesigns eine Schlüsselrolle in der weltweiten Halbleiterindustrie. Die Kombination der KI-Kompetenz von Nvidia mit der Prozessorarchitektur von ARM könnte die Kräfteverhältnisse im Markt stark verschieben, was möglicherweise zulasten von Intel und AMD gehen würde. Auch Apple, das seine Mac-Rechner mit Prozessoren nach dem ARM-Design ausliefert, wäre gegebenenfalls betroffen.

Weitere 6,9 Milliarden Dollar ließ sich Nvidia Mellanox kosten, einen Anbieter von Netzwerk-Switches und -Adaptern auf Basis von Ethernet- und Infiniband-Technologie. Ziel ist es, große (Cloud-)-Rechenzentren ausstatten zu können. Nvidia-CEO Jensen Huang machte deutlich, dass er in der Technologie einen wichtigen Baustein sieht, um das Rechenzentrum der Zukunft bauen zu können. Auch die Übernahme von Cumulus Networks zu einem nicht genannten Preis folgt diesem Ziel: Nvidia erwirbt hier ein Linux-basiertes Netzwerk-Betriebssystem für große Rechenzentren und Cloud-Umgebungen.

Palo Alto Networks verstärkt sich bei SD-WAN

Software-definierte Wide Area Networks (SD-WANs) für sichere Unternehmensumgebungen sind ein Markt, für den sich 2020 viele Unternehmen interessierten, so auch der IT-Sicherheitskonzern Palo Alto Networks. Die Übernahme von CloudGenix für rund 420 Millionen Dollar hat das Unternehmen ein Stück näher ans Ziel geführt. So konnte der Geschäftsbereich "Secure Access Service Edge" (SASE) deutlich gestärkt werden. Diese Unit soll Kunden dabei unterstützen, Sicherheit über weit verzweigte Standorte zu garantieren.

Progress spielt Chef

Bei DevOps-Profis ist Chef Software bekannt für sein Tool für das Konfigurations-Management ("Chef"). Für 220 Millionen Dollar in bar sichert sich Progress Software, ein Anbieter mit einer 40-jährigen Tradition in Software-Entwicklung und Datenbanken, dieses Know-how. Chef gehört zu den wichtigen Protagonisten der DevOps- und DevSecOps-Bewegung, die Software steht unter der Apache-Lizenz 2.0. Konkurrenten sind Saltstack, Puppet und Ansible von Red Hat.

Quest zieht Microsoft-365-Profis an

Mit der Übernahme der Schweizer Quadrotech erweitert Quest Software sein Angebot an Management- und Migrations-Tools für Microsoft 365. Quest sichert sich damit auch zusätzliches Know-how, um Managed Services Providern mit Funktionen für das Multi-Tenant-Management weiterhelfen zu können. Anfang September hatte Quest bereits das US-Unternehmen Binary Tree übernommen und in seine Geschäftseinheit "Microsoft Platform Management" integriert.

Ricoh sammelt Systemhäuser

Der japanische Technologiekonzern Ricoh treibt den Umbau zu einer "Digital Service Company" voran. Mit der Übernahme des AV- und Workplace-Integrators DataVision baut das Unternehmen sein Angebot für die Einrichtung von Konferenzräumen, Arbeitsplätzen und digitaler Zusammenarbeit aus. Auch mit dem Kauf der britischen MTI Technology versuchen die Japaner, stärker im europäischen IT-Dienstleistungsgeschäft Fuß zu fassen.

SAP hat schon Qualtrics - und will noch mehr

Im Jahr 2018 hatte SAP für teure acht Milliarden Dollar Qualtrics gekauft, einen Spezialisten für Customer Experience Management, den die Walldorfer ursprünglich in ihr Produktportfolio integrieren wollten. Im Juli 2020 hieß es dann, man wolle Qualtrics doch lieber gesondert an die Börse führen, was Analysten als das Ende der Integrationspläne deuteten.

Mit der österreichischen Softwarefirma Emarsys, Anbieter einer "Omnichannel Customer Engagement Platform", kauft SAP in diesem Segment nun erneut zu - für 500 Millionen Dollar. Die Alpenländer hatten zuvor eine Finanzierungsrunde in Höhe von 55 Millionen Dollar hinter sich gebracht. Vielleicht wird 2021 das Jahr, in dem die Walldorfer den Vorhang lüften und ihre Customer-Management-Pläne verdeutlichen.

Salesforce drängt mit Slack ans Frontend

Den größten medialen Wirbel verursachte 2020 die erst vor wenigen Wochen angekündigte Übernahme von Slack durch Salesforce. Der 27,7 Milliarden Dollar schwere Deal soll es dem SaaS-Pionier und CRM-Spezialisten Salesforce ermöglichen, seine "Customer-360"-Plattform mit den Collaboration- und Videokonferenzlösung von Slack aufzuwerten und die Kundenschnittstelle selbst in die Hand zu bekommen, anstatt sie Microsoft zu überlassen. Salesforce hat viele Kunden, die sich nun auch mit den Produkten von Slack befassen dürften. Allerdings fehlt der Lösung noch Einiges, um als vollwertiger Konkurrent zu Microsoft 365 oder Google Workspace wahrgenommen zu werden.

Anfang 2020 hatte sich Salesforce außerdem Vlocity für 1,3 Milliarden Dollar einverleibt, um branchenspezifische CRM-Lösungen auf der eigenen Technologiebasis offerieren zu können - für Versicherungen, Behörden, die Medienbranche, das Gesundheitswesen oder Versorger beispielsweise. Dieser Kauf unterstützt die Strategie, verstärkt vertikale Märkte zu adressieren: Angebote für die Konsumgüter- und Fertigungsunternehmen ergänzen seit September 2019 das bereits vorhandene Tool-Spektrum für Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen.

Schneider Electric will auch BIM-Anbieter sein

Rund 1,5 Milliarden Euro nimmt der französische Industriekonzern Schneider Electric in die Hand, um sich den Stuttgarter Anbieter RIB Software, einen Spezialisten für Bausoftware, unter den Nagel zu reißen. RIB gilt als einer der innovativsten Anbieter sogenannter BIM-Lösungen (BIM = Building Information Modeling), die reales und virtuelles Bauen miteinander verbinden. RIB will mit seinen Lösungen darüber hinaus alle Stakeholder rund um Bauvorhaben in der Cloud auf einer einheitlichen Datenbasis zusammenbringen und (mobile) Prozesse in sämtlichen Bauphasen optimieren.

ServiceNow baut KI-Kompetenz aus

Chatbots am Front-end sind für ServiceNow, Anbieter von Lösungen für die Optimierung digitaler Workflows, ein wichtiger Hebel für die Automatisierung von End-to-End-Prozessen in Unternehmen. Um die "Now"-Plattform und weitere Produkte mehrsprachig anbieten zu können, hat das Unternehmen Passage AI gekauft, einen Spezialisten für Natural Language Processing.

Eine zweite Übernahme tätigte ServiceNow in Israel: Loom Systems soll dem Softwarekonzern mehr Know-how in Sachen AIOps einbringen. Auf Basis der Analyse von Log- und Metrikendaten sollen Helpdesks in die Lage versetzt werden, Probleme proaktiv zu erkennen und teilweise automatisiert zu lösen. Koordiniert mit Workflow Automation will ServiceNow so IT- und sonstige Servicebereich in den Unternehmen entlasten.

SUSE entdeckt Kubernetes

Für einen nicht genannten Betrag schluckt Linux-Pionier SUSE das in Cupertino ansässige Softwarehaus Rancher, Anbieter einer Open-Source-Kubernetes-Plattform. Zu den Kunden zählen Sky, Sony Playstation und die Deutsche Bahn. "Rancher und SUSE werden Organisationen dabei unterstützen, ihre Cloud-Native-Zukunft zu meistern", sagte Rancher-CEO Sheng Liang.

SugarCRM setzt auf Analytics

Vertriebsmitarbeiter versprechen sich von ihrem CRM-Einsatz künftig mehr: Zu wissen, was ein Kunde beim letzten Besuch gekauft hat, ist Routine; zu wissen, was er beim nächsten Mal kaufen wird, ist hohe Kunst. Um hier weiterzukommen, hat SugarCRM sich Node einverleibt, ein Startup aus dem Silicon Valley, das eine Reihe von KI-basierten prädiktiven Analysetools für die Automatisierung von Vertriebs- und Marketingfunktionen anbietet. Es ist die vierte Übernahme von SugarCRM innerhalb von zwei Jahren: Die anderen waren Collabspot (E-Mail-Integration), Salesfusion (Marketingautomatisierung) und Corvana (Verkaufsanalyse).

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