Personaldienstleister in der Diskussion

Digitalprojekte sorgen für volle Auftragsbücher

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Seit Jahren wachsen die Umsätze der Personaldienstleister, die Freiberufler in IT-Projekte vermitteln. Dass kein Ende des Wachstums abzusehen ist, liegt auch an den vielen Digitalprojekten. Dennoch gibt es etliche Faktoren, die die Geschäfte beeinträchtigen, so der Tenor beim Treffen der wichtigsten Freiberuflervermittler der Republik.

Die Geschäfte der Personaldienstleister laufen weiterhin gut. Vor allem die vielfältigen Digitalisierungsinitiativen, für die Unternehmen große Budgets frei geschlagen haben, erzeugen einen hohen Personalbedarf, der intern nicht zu decken ist. So entstehen neue und zusätzliche Aufträge für die Personaldienstleister. Mit kleineren und mittelständischen Unternehmen sind überdies neuartige Auftraggeber für Freiberufler dazugekommen, während früher vor allem Großunternehmen auf externes Personal setzten.

Das war ein Ergebnis des Roundtable-Gesprächs, zu dem sich Deutschlands führende Freiberuflervermittler in der Münchner Allianz Arena auf Einladung der COMPUTERWOCHE trafen. Teilgenommen haben Cristina Aguilar Perez (Personality IT Power People), Mohammed El-Khaledi (Questax), Michael Girke (Q_Perior), Florian Nix (Allgeier Experts), Thorsten Prüser (Neusta Consulting), Thomas Riedel (Hays), Julian Schotten (Future Consulting), Hubert Staudt (top itservices) und Rene Troche (Westhouse Consulting).

Agilität und Selbständigkeit lassen sich schwer vereinbaren

Wollen Unternehmen mit Hilfe von IT automatisieren, neue Produkte und Vertriebswege schaffen, greifen sie auch verstärkt auf IT-Selbständige zurück. Gefragt sind agile Entwickler, Projekt-Manager, aber auch der klassische Java-Entwickler sieht sich immer noch einer stetigen Nachfrage gegenüber. Aber der Freiberufler-Markt hat limitierende Faktoren.

So wurde in der Diskussion deutlich, dass sich agile Arbeitsmethoden wie Scrum, die die tägliche Präsenz des Teams voraussetzen, schwierig mit dem Einsatz von IT-Freiberuflern verbinden lassen. Zu groß ist die Gefahr, dass die Tätigkeit des freiberuflichen Entwicklers als scheinselbständig eingestuft wird. Nach der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) vom 1. April 2017 drohen Unternehmen hohe Bußgelder, wenn sie Selbständige in Werk- und Dienstverträgen einsetzen, diese sich aber nach einer Prüfung als illegale Arbeitnehmerüberlassung beziehungsweise Scheinselbständigkeit herausstellen.

Die Einsatzunternehmen und Kunden der Personaldienstleister wollen darum vor allem Rechtssicherheit. Sie erwarten, gut beraten zu werden und bevorzugen Dienstleister, die ihnen Experten in Dienst-, Werkverträgen oder auch in Arbeitnehmerüberlassung vermitteln können - und das am besten binnen 48 Stunden. Hier offenbart sich ein weiterer begrenzender Faktor: Umworbene, hochqualifizierte IT-Spezialisten sind in der Regel nicht bereit, auf ihr hohes Honorar zu verzichten und statt dessen in die geringer vergütete Zeitarbeit zu wechseln. Auch Einsatzunternehmen, die sich mit dem Feedback auf das angebotene Freiberufler-Profil Zeit lassen, haben es schwer, den Spezialisten zu gewinnen.

Personaldienstleister blicken optimistisch in Zukunft

Dienstleister dagegen können bei den Freiberuflern punkten, wenn sie ihnen nur passende Anfragen schicken, schnell reagieren und pünktlich bezahlen. Auch interessante Projekte und entschlackte Verträge, die gut auf dem Handy zu lesen sind, helfen, den Freiberufler auf seine Seite zu ziehen. In der Regel verlassen sich die IT-Selbständigen nicht auf einen Vermittlern, sondern arbeiten mit mehreren Agenturen zusammen und sind in vielen Datenbanken registriert.

Auch in Zukunft erwarten Personaldienstleister wachsende Umsätze, selbst wenn nicht jedes Digitalprojekt zum Erfolg führen wird und sich auch hier die Nachfrage beruhigen wird. Eine große Gefahr durch Recruiting Bots und Matching Software sehen sie auch nicht, da die hohen Ansprüche, die die Einsatzunternehmen an den freiberuflichen Experten stellen, nicht so einfach mit den realen Begrenzungen des Marktes in Einklang zu bringen sind. Da müsste es schon einen Algorithmus geben, der auf eierlegende Wollmilchsäue spezialisiert ist, merkte ein Diskussionsteilnehmer an.

Noch mehr zum Gipfeltreffen der Personaldienstleister...

... lesen Sie hier: Künstliche Intelligenz kann im Matching nur Vorauswahl treffen

Kommentare zum Artikel

Olaf Barheine

Interessant. Dass mittelständische Unternehmen, bei denen jeder Euro zählt, in Zukunft in nennenswertem Umfang über den Umweg teurer Vermittler mit Freiberuflern zusammenarbeiten werden, glaube ich allerdings nicht.

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