Gipfel löst scharfe Kritik aus

Donald Trump stößt G7 in tiefe Krise

28.05.2017

Die Blockadepolitik Trumps lässt für Merkel in sechs Wochen einen schweren Gipfel der Industrie- und Schwellenländer (G20) in Hamburg erwarten. Am Mittwoch empfängt sie Chinas Regierungschef Li Keqiang in Berlin, der dann zum ersten EU-China-Gipfel in der Ära Trump nach Brüssel weiterreist. Trotz Handelsspannungen mit der zweitgrößten Wirtschaftsmacht sahen Diplomaten eine "Charmeoffensive" Chinas.

Scharfe Kritik an Trump

Die Premiere Trumps bei den Spitzentreffen der G7 und Nato stieß auf scharfe Kritik. "Was wir auf den Gipfeln erlebt haben, entspricht weder dem, was wir intellektuell, noch was wir vom Potenzial Amerikas her von einem amerikanischen Präsidenten erwarten", sagte der Koordinator für transatlantische Beziehungen, Jürgen Hardt.

Trotz eindringlicher Appelle von Hilfsorganisationen machten die G7 keine konkreten neuen Finanzzusagen im Kampf gegen die Hungersnöte in Afrika. Sie versprachen nur, den UN-Hilfsappell über 6,9 Milliarden US-Dollar "energisch unterstützen" zu wollen. Dafür sind aber erst 30 Prozent zugesagt. Es drohen Hungersnöte für 20 Millionen Menschen im Südsudan, Somalia, Jemen und in Nigeria. "Da haben die G7 ihre Führungsrolle nicht wahrgenommen", sagte Jörn Kalinski von Oxfam.

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht fand den Gipfel "überflüssig": "Wenn man das Geld, das er gekostet hat, stattdessen etwa den 500000 vom Hungertod bedrohten Kindern im Jemen gegeben hätte, hätte es die Welt wenigstens ein kleines Stück besser gemacht." Friederike Röder von ONE sagte: "In einem Jahr mit schon drastisch verringerten Erwartungen haben die G7 einen neuen Tiefpunkt erreicht."

Dass Trump einen Plan des Gastgebers Italien für eine bessere Bewältigung der Flüchtlingskrise im Vorfeld "vom Tisch gewischt" hatten, kritisierten Hilfsorganisationen als "einfach nur rüpelhaft und verantwortungslos". Ein US-Beamter feierte als "Erfolg", stattdessen zwei Absätze in die Abschlusserklärung bekommen zu haben, die Grenzkontrollen und nationale Interessen betonen.

Die Italiener hatten vielmehr die Chancen der Zuwanderung hervorheben wollen. Um das Thema in den Mittelpunkt zu stellen, war auch Sizilien als Tagungsort ausgesucht worden, wo die meisten Flüchtlinge anlanden, die aus Nordafrika über das Mittelmeer kommen. "Der Skandal des Gipfels ist, dass die G7-Führer direkt hier nach Sizilien ans Meer kommen, wo 1400 Menschen allein seit Jahresanfang ertrunken sind, und nichts ernsthaft dagegen tun", sagte Ed Cairns von Oxfam.

Nach Italien übernimmt Kanada die G7-Präsidentschaft. Der nächste Gipfel ist in Charlevoix in der Provinz Québec geplant. (dpa/rs)

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